In der geschützten Herkunft Weinviertel DAC spielt Grüner Veltliner den Alleinunterhalter. Dank der faszinierenden Vielfalt an Terroirs im Gebiet besticht der heimische Sortenklassiker durch diverse wie eigenständige Ausdrucksformen. Vinaria kostete rund 130 Weinviertel DAC samt Reserven und Großen Reserven.

In der Größe liegt die Vielfalt: Das Weinviertel ist nicht nur Österreichs größtes Weinbaugebiet (14.000 Hektar Rebfläche), sondern auch jenes mit der größten Diversität an Terroirs. Obwohl dies den Anbau verschiedenster Sorten gestattet, gibt es im Weinviertel tatsächlich einen ampelographischen Star, der alle anderen in Sachen Bedeutung, Ruf und vermutlich auch Qualität übertrumpft: Selbstverständlich handelt es sich dabei um den österreichischen Weißweinklassiker Grüner Veltliner. 

Diese unzertrennbare Verbindung von Herkunft und Sorte hat schon früher als sonst wo zu einer gesetzlich verankerten Vermählung geführt. So entstand hier vor einem Vierteljahrhundert die erste und somit älteste kontrollierte Herkunftsbezeichnung für Wein in Österreich. Bereits 2001 wurde das Regionale Weinkomitee Weinviertel gegründet, 2002 der Begriff Weinviertel DAC (Districtus Austriae Controllatus) rechtlich verankert und Anfang März 2003 gab es schließlich die ersten Herkunftsweine aus Grüner Veltliner aus dem Norden Niederösterreichs. 

Die neuen DAC-Weine waren von Anfang an ein Renner, in den Anfangsjahren galt „DAC“ gar als Synonym für Veltliner aus dem Weinviertel mit sortentypischem „Pfefferl“ sowie ausgeprägter Frische und Frucht. Trotz des anhaltenden Erfolgs wurde aber mit der Zeit klar, dass gerade ein derart großes, noch dazu auf eine – wenn auch unvergleichliche – Sorte fokussiertes Weinbaugebiet von einer Premium- oder Reserve-Kategorie zusätzlich profitieren würde. 

So wurden 2009 die Rahmenbedingungen für eine solche geschaffen und im Jahr darauf kamen die ersten Weinviertel DAC Reserven – ebenfalls ausschließlich aus Grüner Veltliner – auf den Markt. War die Anzahl an Weinviertel DAC Reserven anfangs noch überschaubar, gewann die Kategorie unter Winzern wie Konsumenten zusehends an Bedeutung, was sich auf die Vielfalt, insbesondere aber auch auf die Qualität merklich positiv auswirkte. Die qualitativen Fortschritte und stilistischen Evolutionen innerhalb dieser Kategorie sind offensichtlich und somit darf man auch in Zukunft weitere Steigerungen erwarten.

Grüner-Veltliner-Dreifaltigkeit

Jeder Wein, der Weinviertel als Herkunft auf Etikett und Kapsel trägt, besteht zu 100 Prozent aus Trauben der Sorte Grüner Veltliner und stammt zur Gänze aus dieser Herkunft. Das Weinviertel erstreckt sich von der Wiener Stadtgrenze nach Norden sowie östlich der Bundeshauptstadt von der Donau bis zu den Grenzen zur Slowakei und zu Tschechien im Norden und reicht in westlicher und nordwestlicher Richtung bis zum Manhartsberg.

Dank der verschiedenen Kategorien wird der Grüne Veltliner in seiner gesamten Bandbreite abgebildet – vom knackigen, vitalen Leicht- bis Mittelgewicht mit 12 bis 13 Volumenprozent Alkohol bis zu kraftvollen wie lagerfähigen Weinen der Kategorien Reserve und Große Reserve. Es handelt sich durchwegs um trockene Weine.

Beim klassischen Weinviertler Herkunftswein stehen nebst stets vorhandener Sortenwürze Frucht und Frische im Vordergrund, es sind weder ein Holzton noch ein Botrytiseinfluss zugelassen. Reserve und Große Reserve wiederum müssen mindestens 13 Prozent Alkohol laut Etikett aufweisen. Bei diesen Kategorien ist die Bandbreite umfangreicher, die Handschrift des Winzers ist meist deutlich stärker ausgeprägt. So spielen Alter der Reben und Reifezeitpunkt sowie Vinifikation eine wichtige Rolle, wesentlich sind auch Art und Dauer der Reifung.

Die verschiedenen Kategorien unterscheiden sich auch deutlich hinsichtlich des Zeitpunkts, zu dem der Antrag auf die staatliche Prüfnummer eingebracht werden darf: Für Klassik ist das nicht vor dem 1. Jänner, für Reserve nicht vor dem 15. März und für Große Reserve, die ansonsten den Anforderungen der Reserve entspricht, nicht vor dem 1. November des auf die Ernte folgenden Jahres.

Herkunft und Klasse

Bei der jüngsten Vinaria Verkostung von Herkunftsweinen aus dem Weinviertel standen klassische Vertreter aus 2025, Reserven aus diesem Jahrgang und 2024 sowie Große Reserven aus 2024 und älteren Jahrgängen auf dem Prüfstand. Der Gesamteindruck war ausgesprochen positiv, insbesondere, wenn man die teils durchaus herausfordernden Bedingungen der letzten Jahre in Betracht zieht. 

In Zeiten des Klimawandels ungewöhnlich war der Jahrgang 2025, der bis zum Spätsommer gewisse Ähnlichkeiten mit dem 2021er hatte, dem jedoch der prachtvolle, lange Altweibersommer abging. Nach witterungsbedingt spätem Start und sehr kühlem Mai gab es eine vielerorts prächtig verlaufende Blüte. Ein wechselhafter Sommer mündete in einen warmen, aber immer wieder von Niederschlägen durchsetzten September. Zum Glück kam die Sorte Grüner Veltliner mit diesen Bedingungen relativ gut zurecht und so konnte man – bei entsprechendem Lesezeitpunkt und Selektion des Taubenguts – physiologisch reife und zugleich knackige wie fruchttransparente Exemplare keltern.

Die Reserveweine stammten mehrheitlich aus dem insgesamt sehr warmen Jahr 2024, das ebenso mit Herausforderungen gespickt war. Hier gab es Mitte September einen Wettersturz mit sintflutartigen Niederschlägen, die zwar im nördlichen Weinviertel deutlich geringer ausfielen, aber mit rund 200 Millimetern immer noch beträchtlich waren – auch hier waren die Auswirkungen bei Grüner Veltliner wesentlich weniger stark als bei vielen anderen Sorten. Unter den fast durchwegs reintönigen und sortentypischen Klassikern war die Anzahl an geschmeidigen, würzig-fruchtigen Vertretern überraschend hoch. 

Hohes Niveau zeigten auch die Reserven und Großen Reserven aus dem kräftigen, reichhaltigen Jahr 2023, in dem ein Wechselspiel aus nassen und trockenen Phasen vor einem langen schönen Herbst herrschte. Von den davor in Minderzahl vertretenen Jahrgängen war 2022 geprägt von großer Trockenheit und Dürre im Sommer, auf die lokal unterschiedlich stark ausgeprägte herbstliche Regenfälle folgten. 2021 zählt zu den großen Veltliner-Jahren, 2019 war substanzreich mit strukturbetonten Weinen.

Weinviertel DAC Klassik: Zull vor Seher und Scheit

Im klassischen Bereich stand 2025 im Rampenlicht und hier gab es viele fruchtbetonte wie würzige Weine, die den Weinviertel-Typus bestens verkörpern. Herausstechendes Merkmal der Weine ist die der erfreulich knackigen Säure geschuldete Pikanz, die dem Veltliner ein Plus an Vitalität verleiht. Im Spitzenfeld der Kategorie Weinviertel DAC finden sich mehrheitlich sehr renommierte Betriebe, doch konnten auch einige Aufsteiger reüssieren. 

Den gesicherten Sieg trug Philip Zull aus Schrattenthal mit seinem Ortswein davon, etwas dahinter landete ebenso klar am zweiten Platz Wolfgang Seher aus Platt mit seinem Ried Nussberg – beide Weingüter liegen im nordwestlichen Weinviertel südlich von Retz. Den dritten Platz erreichte als Geheimtipp der Winzerhof Scheit aus Karnabrunn nördlich von Wien mit Ried In Ölbergen knapp vor dem Weingut Neunteufl mit Viendorf Weingebirge. 

Dahinter ging es weiter Schlag auf Schlag mit den aus dem Nordwesten stammenden Weingütern Greilinger aus Schöngrabern, Julius Klein aus Pernersdorf, Frotzler aus Schrattenthal und Baumgartner aus Untermarkersdorf; punktgleich kam mit Reckendorfer aus Ollersdorf der erste Betrieb aus dem äußersten Osten des Weinviertels sowie mit Paul Zimmermann aus Radlbrunn ein Betrieb im Südwesten der Herkunft. Dahinter folgen viele weitere empfehlenswerte Vertreter.

Weinviertel DAC Reserve: Pratsch vor Stich und Zull

Bei den Reserven und Großen Reserven VERsetzten sich wiederum Betriebe aus dem östlichen Weinviertel an die Spitze. Um den Sieg gab es ein Stechen, das letzten Endes Stefan Pratsch aus Hohenruppersdorf mit seiner Steinberg Reserve für sich entschied. Er schaffte es auch mit seiner Großen Reserve 2022 ins Ranking. Eine tolle Überraschung lieferte die knapp hinter dem Siegerwein folgende Ried Hamert Reserve von Irmi Stich aus Bad Pirawarth, die nicht nur exzellent, sondern auch ausgesprochen günstig ist und folglich die Best-Buy-Wertung in dieser Kategorie gewann. 

Am dritten Platz konnte sich abermals Philipp Zull mit Ried Äußere Bergen Reserve in die Topliste eintragen. Nur wenig dahinter bestätigten die Weingüter Setzer aus Hohenwarth mit Ried Laa 8000 und Ried Kirchberg sowie Seher aus Platt mit Neue Zeit Nr. 8 – die beste Große Reserve, aus dem Jahr 2023 – sowie Ried Feuerberg und Ried Kapellenberg ihr hohes Renomée. Mit Zimmermann, Gilg und Christoph Bauer folgten weitere bekannte Weingüter. 

 

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Tolle Perfomance, hervorragende Herkunftsweine: Wolfgang und Nina Seher haben vier Weinviertel DAC im Spitzenfeld. © Julius Hirtzberger
Bernhard & Daniela Scheit aus Karnabrunn glänzten mit ihrem Klassiker aus der Ried In Ölbergen © Weingut Scheit
Weinviertel DAC-Sieger und Reserve-Spezialist Stefan Pratsch holte den Gesamtsieg der großen Vinaria Verkostung sowie den Kategoriesieg bei Reserven & Großen Reserven. © Astrid Bartl
Zwei Generationen Neunteufl: Rudolf mit Sohn Florian aus Viendorf. © Weingut Neunteufl
Irmi Stich © Weingut Stich-Gaismayer,
Reinhard und Renate Greilinger aus Schöngrabern bei Hollabrunn punkteten mit ihrem Klassik. © Astrid Bartl
Stefanie und Julius Klein erzeugen glockenklare Grüne Veltliner aus der Herkunft Weinviertel DAC. © Weingut Klein
Philipp Zull © Julius Hirtzberger
Katharina Baumgartner gefiel mit ihrem klassischen Weinviertel DAC. © Weingut Baumgartner
Lukas Frotzler erzeugte einen pikanten wie packenden Ortswein von verlockender Transparenz. © Weingut Frotzler
Die Familie Setzer aus Hohenwarth führt einen der besten Weinviertler Betrieb (v.l.): Hans, Marie-Theres, Eugen und Uli Setzer. © Max Salzer
Katharina und Stefan Gilg aus Hagenbrunn überzeugten mit der Reserve 2024 aus der Ried Tagnern. © Alexander Künzel
Heidi und Christoph Bauer aus Jetzelsdorf beeindruckten mit dem mächtigen Lagerwein namens Privat . © Bartl
Veronika Pichler von spusu Wein - Familie Hahn glänzte mit der Reserve 2025. © LWmedia, Leonardo Ramirez
Bernhard Gschweicher aus Röschitz. © Weingut Gschweicher
(v.l.) Petra, Johannes und Leopold Hofbauer-Schmidt aus Hohenwarth. © Weingut Hofbauer-Schmidt
Leo und Wolfgang Hagn von der Hundschupfnkellerei in Mailberg. © Michael Reidinger
Nadine und Kerstin Schüller aus Pillersdorf. © Weingut Schüller