Ein Viertel Wein am Tag hat einen deutlich größeren Nutzen für die Gesundheit als der völlige Verzicht auf Alkohol. Das sagt der deutsche Internist und Präventivmediziner Dr. Johannes Scholl in einem Interview mit der angesehenen Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ).

Scholl sieht in allen relevanten Studien einen klaren Nutzen bei regelmäßigem, moderatem Weinkonsum zu hochwertigem Essen nachgewiesen, betont aber, dass die optimale Dosis für jeden Menschen individuell sei. Wichtig sei, dass höherer Konsum immer schädliche Auswirkungen zeige, auch bei zwischenzeitlicher Enthaltsamkeit.

Scholl kritisiert die 2018 veröffentlichte Studie als „wissenschaftlich unsauber", die zur WHO-Empfehlung „Es gibt kein sicheres Maß an Alkoholkonsum“ führte. In ihr seien nicht die lebenslangen Abstinenzler zum Vergleichsmaßstab für die Auswirkungen von Alkoholkonsum herangezogen worden, sondern die Gruppe mit geringem Alkoholkonsum. Das Ergebnis zeige so ein steigendes Risiko bei steigendem Alkoholkonsum. 

Wein hat einen eindeutig positiven Effekt auf Herz-Kreislaufgesundheit

Die Vergleichszahlen mit lebenslangen Nicht-Trinkern stünden aber im Anhang der Studie - und diese Zahlen würden dasselbe ergeben wie viele andere Untersuchungen: Menschen, die niemals Alkohol konsumieren, hätten ein 30 Prozent höheres Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall. Ihre Gesamtsterblichkeit lag 20 Prozent höher als bei moderaten Trinkern. Das Verschweigen dieser Fakten sei nicht wissenschaftlich begründet, sondern Politik.

Obwohl Alkohol das Risiko mancher Krebsarten erhöhe, habe Wein einen eindeutig positiven Effekt auf die Sterblichkeitsraten bei Herzinfarkten, Schlaganfällen und Diabetes. Ideal seien rund 20 Gramm Alkohol pro Tag in Verbindung mit mediterraner Ernährung. Das entspricht einem Viertelliter Wein. Dabei habe Wein aufgrund seiner Inhaltsstoffe eine vorteilhaftere Wirkung als Bier und Spirituosen.

Alkohol wird bis zu 0,5 Promille weitgehend unschädlich abgebaut

Die Auswirkungen seien auch nur für solche Bevölkerungsgruppen günstig, die ohnehin ein relevantes Risiko für solche Erkrankungen hätten. Junge Menschen profitierten weniger von den positiven Wirkungen des Weins als Personen mittleren und höheren Alters. Alkohol würde bis zu einer Grenze von 0,5 Promille weitgehend unschädlich abgebaut. Erst bei höheren Blutalkoholgehalten träten negative Auswirkungen auf.

Dr. Johannes Scholl ist Facharzt für Innere Medizin, Ernährungsmedizin und Sportmedizin sowie Erster Vorsitzender der Deutschen Akademie für Präventivmedizin. Er leitet regelmäßig Veranstaltungen zur ärztlichen Fortbildung.

Quellen: FAZ; wein.plus.de