Um das fette (Export)Geschäft mit dem griechischen Nationalkäse Feta nicht zu gefährden, wird im ganzen Land eine gewaltige Schafpocken-Seuche praktisch totgeschwiegen. Selbst die dringend notwendige Impfpflicht für die Tiere wird nicht verordnet, um die Seuche unter den Teppich zu kehren.

Schafe auf kargen, steinigen Weiden in Griechenland. Im vergangenen Jahr mussten 450.000 Tiere notgeschlachtet werden, sie waren an Schafpocken erkrankt. © Shutterstock

Dass so etwas in der EU des Jahres 2026 überhaupt möglich ist: über 450.000 Schafe wurden innerhalb eines Jahres in Griechenland wegen der ansteckenden Pocken notgeschlachtet. Dennoch wird über Impfung und -pflicht nicht gesprochen, weil der Markt für den wertvollen Feta zusammenbrechen könnte.

Schafzüchter begeht Selbstmord, nachdem er ganzen Bestand verlor

Einmal mehr aufgeschreckt wurde die griechische Öffentlichkeit durch den Selbstmord eines Schafzüchters (52), der sich im vergangenen Jänner das Leben nahm, nachdem er mitansehen musste, wie seine komplette Herde an der Pockenepidemie zugrunde ging. Damit war seine Existenz vernichtet, Hilfe nicht in Sicht und als Ausweg sah der verzweifelte Schäfer nur noch den Freitod. Zugetragen hatte sich die Tragödie in Piera in Nordgriechenland.

Neben Schafen können auch Ziegen von Pocken befallen werden. Seit dem ersten Ausbruch der Seuche im Sommer 2024 wurden binnen eineinhalb Jahren Krankheitsfälle auf 2500 Farmen aktenkundig. Die Dunkelziffer dürfte weitaus höher sein. Die Krankheit wird durch Virenstämme verursacht, die denen menschlicher Pocken und jener von Affen ähneln („Affenpocken“), Menschen können sich mit Schafpocken aber nicht infizieren.

Fettes Geschäft mit Feta spält 785 Mio. Euro in Griechen-Kassen

Diese Tatsache reicht den griechischen Behörden und der Politik offenbar, um die Seuche de facto totzuschweigen. Statt einer überwachten Impfpflicht werden Schafzüchter in einigen Regionen mit bis zu 250 Euro pro gekeultem Tier entschädigt. Den Ursprung der Seuche schiebt man in Griechenland auf Schafimporte aus der Türkei, dem ewigen Rivalen und Feindbild.

Hintergrund ist die Sorge um das fette Geschäft mit dem begehrten Feta-Käse, der aus Schafmilch hergestellt wird und das wichtigstes landwirtschaftliche Exportprodukt Griechenlands ist. Wird zuviel über die Pockenseuche geredet und berichtet, könnten die Konsumenten im Ausland auf Feta verzichten. Die Folgen wären in der Tat verheerend: die letzten verfügbaren Zahlen aus 2023 sprechen von 140.000 Tonnen Feta im Exportwert von 785 Mio. Euro, die ins Ausland verkauft wurden.