Die EU hat ein umfassendes Handelsabkommen mit Indien geschlossen, durch das die Zölle für Weinexporte nach Indien sofort von 150 auf zunächst 75 Prozent halbiert werden. Ziel des Abkommens ist es, die Zölle danach schrittweise auf 20 Prozent zu senken. 

Während sich die Umsetzung des Mercosur-Handelsabkommens mit den südamerikanischen Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay nach 25 weiter zieht (nun soll der Europäische Gerichtshof prüfen), war die EU-Kommission mit Indien rasch handelseins. Insgesamt dürfte der Vertrag, der ab Jänner 2027 umgesetzt werden soll, jährlich vier Milliarden Euro an Abgaben ersparen und einen gemeinsamen Markt von zwei Milliarden Menschen eröffnen. Die EU will ihre Warenexporte bis 2032 dadurch mindestens verdoppeln. Von bescheidenem Niveau ausgehend.

Im Laufe einer siebenjährigen Phase sollen die Zollbarrieren zwischen EU und Indien auf ein Mindestmaß abgebaut werden. Am Ende sollen Weine mit einem Literpreis von bis zu 10 Euro mit 30 Prozent Zoll bei der Einfuhr nach Indien belastet sein, teurere Weine mit 20 Prozent. Bisher beträgt der Zoll 150 Prozent. Der Gesamtwert der europäischen Weinexporte auf diesen Markt betrug zuletzt nur 7,7 Millionen Euro. Winzer und Exporteure erwarten sich daher eine Vervielfachung der Exportmenge, während die EU Kommission vorsichtig von Verdoppelung spricht.

Statt 150 Prozent nur 20 Prozent Zoll auf Wein nach Indien

Die Chancen für den Weinhandel in Indien werden als hoch eingeschätzt. Der Subkontinent zählt ebenso wie Thailand und die Vereinigten Arabischen Emirate zu den Hoffnungsländern der nahen Weinzukunft. Alle genannten Staaten haben die exorbitanten Zölle auf Wein und Spirituosen drastisch gesenkt oder abgeschafft. Durch steigende oder bereits hohe (VAE) Kaufkraft und große Bevölkerungen sind diese Länder besonders attraktiv.

Derzeit bremsen die hohen Steuern und Zölle, kulturelle Faktoren, Marketingbeschränkungen und schwache Vertriebsstrukturen das Wachstum des Weinmarkts in Indien. Diese Faktoren werden aber immer weiter abgebaut. Prognosen gehen von einer durchschnittlichen Wachstumsrate des Weinumsatzes von über 16 Prozent pro Jahr zwischen 2025 und 2033 aus. Gründe dafür sind steigende verfügbare Einkommen, zunehmende Urbanisierung und der Ausbau des Weintourismus. 

Junge Konsumenten als attraktive Zielgruppen für Wein

Die meisten der potenziellen Weinkonsumenten sind zwischen 25 und 44 Jahre alt, davon machen die Millennials im Alter von 25 bis 34 Jahren 45 Prozent aus. Sie gelten als experimentierfreudig und probieren gerne neue Rebsorten und Weinstile – von kräftigen Rotweinen über Schaumweine bis hin zu frischen Weißweinen. Wein wird auch als leichtere Alternative zu Spirituosen bevorzugt, schreibt die Service-Website Best Wine Importers.

Zugleich würden niedrigere Steuern entlang der gesamten Lieferkette bessere Margen für Weinimporteure, Distributoren und Einzelhändler bedeuten und zudem Spielraum zur Diversifizierung des Angebots schaffen. Indiens fünf wichtigste Importländer für Wein sind Australien, Italien, Chile, Spanien und Frankreich. Laut Best Wine Importers hätten vor allem europäische Weine derzeit besonders gute Chancen, da wohlhabende indische Konsumenten zunehmend nach Premium-Weinen suchten. Aus Österreich könnten vor allem fruchtige Weißweine punkten, die mit der würzigen Küche Indiens bestens harmonieren.

Weißweine aus Österreich zu Indiens würziger Küche

Bevor das Abkommen umgesetzt werden kann, müssen es der Europäische Rat und das Europäische Parlament noch ratifizieren, was sich laut Kommentatoren als mühsam erweisen könnte. Allerdings sind sensible landwirtschaftliche Produkte – die Mercosur 25 Jahre lang verhinderten - bewusst ausgeklammert, und Einfuhren aus Indien müssen weiterhin die Vorschriften zur Gesundheits- und Lebensmittelsicherheit der EU einhalten.

Der Indien-Deal ist auch vom Zerwürfnis zwischen EU und Donald Trump getrieben. Durch die wirre Zollpolitik des US-Präsidenten und seine latenten Handelsdrohungen ist die EU gezwungen, sich neuen Märkten zuzuwenden. Das bevölkerungsreiche Indien und halb Südamerika wären da eine gute Alternative zu den unberechenbaren USA. Österreich rechnet durch den Handelsdeal mit Indien kurzfristig mit bis zu 5000 neuen Jobs.

Quellen: Redaktion; EU, wein.plus.de; Gambero Rosso