„Die Österreichische Hagelversicherung beziffert die Dürreschäden in der Landwirtschaft im Sommer 2026 mit einer Milliarde Euro!“ Diese Schlagzeile war in aller Munde. Selten zeigte sich in der Erntesaison die Notwendigkeit eines guten Versicherungsschutzes für Landwirte, also auch für Winzer, so drastisch wie 2026.

Ski-Weltmeisterin Nicole Schmidhofer mit Charity-Wein von Bernd Edelsbrunner © Philip Platzer

Im Gespräch mit Winzer Bernd Edelsbrunner aus Hof bei Straden im Vulkanland; sechsHektar Rebfläche, die mit einem typisch steirischen Sortenmix bestockt sind (darunter Sauvignon Blanc, Grauburgunder, Muskateller, Welschriesling, Zweigelt), dazu 25 Hektar Ackerland.

Familienbetrieb in 4. Generation

Das Weingut Edelsbrunner ist ein typischer Familienbetrieb in 4. Generation. Bernd hat den Betrieb von den Eltern übernommen, die arbeiten aber noch fleißig mit. Ebenso Schwester und Schwager und Bernds Partnerin. Trotzdem reicht es heutzutage nicht mehr, „nur“ guten Wein zu produzieren. „Die Kunden wollen sich gut beraten, persönlich betreut und bei uns rundum wohlfühlen. Dazu braucht es eine Geschichte, neue Ideen und Visionen“, ist der Winzer überzeugt. So bietet er seinen Hof auch erfolgreich für Events oder Hochzeiten an.

Was Bernd Edelsbrunner besonders interessant macht, ist sein Zweitberuf als Sachverständiger der Österreichischen Hagelversicherung für Schäden an Rebkulturen. Dazu muss man wissen: die Hagelversicherung setzt als Sachverständige ausnahmslos Fachleute ein, die selbst im jeweiligen Berufszweig tätig sind. Sie wissen also, wovon sie sprechen.

Frage: Dürre und Hitze im heurigen Sommer haben die Landwirtschaft enorm gefordert. Ernteausfälle bis zu 60 Prozent stehen in Diskussion. Wie weit ist der Weinbau betroffen und wie kommen Reben mit Hitze zurecht?

Bernd Edelsbrunner: Sehr unterschiedlich, in der Steiermark rechne ich mit rund 30 Prozent Einbußen. Das ist ein harter Schlag für viele Winzer. Rebstöcke, die acht Jahre oder älter sind, wurzeln schon tiefer und kommen mit Trockenstress ganz gut zurecht. Wenn dann aber die Trauben eintrocknen, ist es ein Problem. Junganlagen muss man gießen können, wo das nicht geht, ist mitunter alles verloren.

Böse Zungen sagen: Macht nichts, es gibt eh genug Wein, die Lager sind voll?

Aber den Weinbauern fehlt das Einkommen! Die Steiermark lebt von frischen, meist einjährigen Weinen – bleiben die Lager voll, wird das für die Betriebe zum zusätzlichen Problem.

Wer also in diesem Jahr gegen Dürre versichert ist, hat’s jedenfalls besser. Wie funktioniert eine Dürreversicherung?

Im Weinbau kann man sich mit der Dürreindex-Versicherung absichern. Die Entschädigung errechnet sich anhand des Niederschlagsdefizits innerhalb einer Katastralgemeinde. Die Niederschlagsdefizite werden auf Basis von Wetterdaten der GeoSphere Austria berechnet. Wenn bei einem Messpunkt die Regenmenge unter den Index fällt, wird die Entschädigung fällig. Je höher das Niederschlagsdefizit, desto höher die Entschädigung. Ich kann diese Versicherung nur jedem Weinbauern empfehlen. Es wird in den nächsten Jahren sicher noch heißer.

Welche Wetterrisken kann man überhaupt sinnvoll versichern?

Neben der Dürre den immer häufiger auftretenden Spätfrost, Hagel natürlich und Sturm, wenn die Rebflächen eingenetzt sind.

Die Hagelversicherung ist am weitesten verbreitet. Wie funktioniert das?

In der Steiermark sind beispielsweise zwei Drittel der Winzerinnen und Winzer gegen Hagel versichert. Versichert sind Schäden aufgrund von Hagel, Frost und Mehraufwand durch späten Hagel - wenn zum Beispiel die Trauben kurz vor der Ernte sind und aufgrund von Hagel aufplatzen und verfaulen.

Die öffentliche Hand stützt den Weinbauern die Versicherungsprämie gegen Hagel?

Ja, die Prämie für Winzerinnen und Winzer wird zu 55 Prozent durch Bund und Land gefördert. Es gibt kein wirklich sinnvolles Argument, warum ein Landwirt diese Versicherung nicht haben sollte!

Bei der Österreichischen Hagelversicherung stellen Sachverständige das Ausmaß der Schäden fest und damit auch die Entschädigung. Wie klappt das in der Praxis?

Das ist mein Job. Die Schäden werden immer von zwei Sachverständigen gemeinsam begutachtet. Jeder Sachverständige muss eine Meisterprüfung in seinem Fach haben, in meinem Fall Weinbau und Kellereiwirtschaft. Danach folgen drei Jahre Ausbildung bei der Hagelversicherung. Wir arbeiten vor Ort immer mit Tablet und Satellitendaten, auch Fotos und GPS. Selbst das Blattgrün kann via Satellit exakt definiert werden. Wir erheben den Schaden pro Parzelle, pro Sorte. Oft werden sogar die Trauben gezählt.

Wenn Sie einen Schaden festgestellt haben, wie lange muss der Weinbauer dann auf Entschädigung warten?

Wenn wir Hagelschäden erheben, wird das Schadensprotokoll binnen eines Tages erstellt und nach der Finalisierung des Schadens hat die Winzerin oder der Winzer nach wenigen Tagen die Entschädigung am Konto. Das ist eine echte Stärke unserer Versicherung! In der Praxis merkt man, dass die Geschädigten unsere Expertise sehr schätzen. Wer rasch hilft, hilft doppelt.

Was raten Sie daher Ihren Winzerkollegen?

Wer gut schlafen möchte, muss sich gut versichern! Es geht letztendlich um unsere Existenz.

 

Bernd Edelsbrunner
Sachverständiger der Österreichischen Hagelversicherung
Weingut Edelsbrunner
Hof bei Straden 87, 8345 Straden

Das Weingut in Hof bei Straden (Vulkanland) ist auch als Eventlocation gefragt. © Weingut Edelsbrunner
Hagelschäden an Rebkulturen, Trauben vor der Lese. © Österreichische Hagelversicherung
Hagelschäden an Rebe im Verlauf der Vegetation. © Österreichische Hagelversicherung
© Österreichische Hagelversicherung