Der Österreichische Weinbauverband stellt Weichen für die Zukunft. Im Mittelpunkt: die bevorstehende Weinernte, das neue Weingesetz, die Umsetzung der Erzeugervereinigungen, die Bedrohung durch die Goldgelbe Vergilbung (Amerikanische Rebzikade) sowie die wirtschaftliche Situation des heimischen Weinbaus.

Kleine Weinernte 2026 erwartet

Die beispiellose Trockenheit des heurigen Jahres hat auch den Weinbau massiv getroffen. Wie es derzeit aussieht, werden wir eine sehr kleine Weinernte erwarten, wobei seriöse Mengenschätzungen derzeit noch nicht möglich sind. Punktuell gab es in den Weinbaugebieten vereinzelt Niederschläge, aber insgesamt muss derzeit von einem historischen Niederschlagsdefizit gesprochen werden. Die Beeren sind großteils sehr klein. Besonders bei Junganlagen sind Notreife und teilweise welke Beeren zu beobachten.

Laut dem Bundesamt für Wein- und Obstbau hätten ausreichende Niederschläge auch jetzt noch sehr positive Auswirkungen. Die Zucker- und Säurewerte würden sich stabilisieren und die Beeren würden saftiger werden. Die Reben würden eine Linderung der Stress Symptome spüren und die Holzreife der Rebstöcke für das Folgejahr kann sich besser entwickeln. 

Neues Weingesetz: Herkunft und Wettbewerbsfähigkeit im Mittelpunkt 

Breiten Raum nimmt die Diskussion über das neue österreichische Weingesetz ein. Der Österreichische Weinbauverband bekennt sich zu einer Modernisierung und Anpassung an die unionsrechtlichen Vorgaben (EU). Entscheidend sei jedoch, dass das neue Gesetz die Herkunft und Qualität österreichischer Weine absichert, die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe stärkt und zusätzliche Bürokratie vermeidet.

Besondere Bedeutung misst der Verband der Weiterentwicklung des österreichischen Herkunftssystems und der künftigen Rolle der Erzeugervereinigungen bei. Diese sollen als demokratisch legitimierte Träger der Herkunfts- und Qualitätsdefinition eine starke Position erhalten. Gleichzeitig müssen bestehende Strukturen in Form der Weinbauvereine sinnvoll eingebunden, praxistaugliche Übergangsfristen geschaffen und die Finanzierung der neuen Aufgaben sichergestellt werden.

„Österreich hat sich international mit Qualität, klarer Herkunft und regionalen Profilen einen hervorragenden Ruf erarbeitet. Ein neues Weingesetz muss auf diesen Stärken aufbauen. Wir brauchen keine zusätzlichen bürokratischen Hürden, sondern einen modernen und praxistauglichen Rechtsrahmen, der den Regionen Gestaltungsmöglichkeiten gibt und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit unserer Betriebe absichert“, so Schmuckenschlager.

Für den Weinbauverband ist wesentlich, dass die neuen Strukturen nicht zum Selbstzweck werden, sondern einen konkreten Mehrwert für Herkunftsschutz, Qualitätsentwicklung und die wirtschaftliche Positionierung der Weinregionen schaffen.

Goldgelbe Vergilbung und Rebzikade: koordiniertes Vorgehen notwendig

Große Sorge bereitet die weitere Entwicklung der Goldgelben Vergilbung der Rebe (Flavescence dorée) und der sie übertragenden Amerikanischen Rebzikade. Die Goldgelbe Vergilbung ist eine meldepflichtige Quarantänekrankheit und stellt für den österreichischen Weinbau eine ernst zu nehmende pflanzengesundheitliche Bedrohung dar.

Der Österreichische Weinbauverband fordert deshalb ein österreichweit abgestimmtes Vorgehen von Bund, Ländern, Behörden, Wissenschaft, Beratung und Weinwirtschaft. Ziel muss ein einheitliches Lagebild sowie eine koordinierte Vorgangsweise bei Monitoring, Probenahme, Vektorbekämpfung, Rodungen, Pflanzmaterial und Finanzierung sein.

Der Verband spricht sich für die Einrichtung eines Nationalen Krisenstabes zur Bekämpfung der Goldgelben Vergilbung und der Amerikanischen Rebzikade aus – Vinaria berichtete. Die behördliche Gesamtverantwortung soll beim Bund liegen. Der Österreichische Weinbauverband soll als zentrale Schnittstelle zur Praxis insbesondere die Branchenkoordination und Kommunikation mit den Weinbaubetrieben übernehmen.

„Bei einer Quarantänekrankheit helfen uns Landes- oder Bezirksgrenzen nicht weiter. Wir brauchen ein österreichweit koordiniertes Vorgehen, klare Zuständigkeiten und vor allem eine rasche und einheitliche Information der Betriebe. Prävention und konsequentes Handeln sind hier wesentlich günstiger als eine unkontrollierte weitere Ausbreitung“, unterstreicht Schmuckenschlager.

Krisendestillation als mögliche Maßnahme prüfen

Angesichts des rückläufigen Konsums, steigender Produktionskosten, einer schwächeren Exportdynamik und teilweise hoher Lagerbestände stehen – Vinaria berichtete - mögliche Instrumente zur Stabilisierung des Weinmarktes zur Diskussion. Anlass ist unter anderem die von Deutschland angestrebte außerordentliche Krisendestillation für das kommende Weinwirtschaftsjahr. 

Der Österreichische Weinbauverband fordert daher, gemeinsam mit dem zuständigen Bundesministerium die österreichische Marktlage anhand belastbarer Daten zu Lagerbeständen, Preis-, Absatz- und Exportentwicklung sowie zur wirtschaftlichen Situation der Betriebe zu analysieren und darauf aufbauend die Voraussetzungen und Auswirkungen einer möglichen österreichischen Antragstellung zu prüfen.

„Eine Krisendestillation darf kein Selbstzweck sein. Wenn einzelne Regionen oder Marktsegmente aber nachweislich unter außergewöhnlichen Marktverwerfungen leiden, müssen wir alle verfügbaren europäischen Instrumente prüfen. Entscheidend sind eine solide Datengrundlage und eine gezielte, verhältnismäßige Ausgestaltung“, so Schmuckenschlager.

Weinbau schafft 3,8 Milliarden Euro Wertschöpfung

Neben den aktuellen Herausforderungen kann der österreichische Weinbau auf enorme volkswirtschaftliche Bedeutung verweisen. Die von Economica im Auftrag der Österreich Wein Marketing erstellte Wertschöpfungsstudie zeigt, dass die österreichische Weinwirtschaft jährlich rund 3,8 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung, mehr als 68.000 Arbeitsplätze sowie rund 1,2 Milliarden Euro an Steuern und Abgaben sichert.

Die wirtschaftliche Bedeutung reicht dabei weit über die Weinbaubetriebe hinaus. Gastronomie, Tourismus, Handel, Verarbeitung und zahlreiche regionale Dienstleister profitieren unmittelbar von einer starken heimischen Weinwirtschaft. Gerade in den Weinbauregionen ist der Wein damit ein wesentlicher Faktor für Arbeitsplätze, regionale Entwicklung und Lebensqualität.

Die Rebkrankheit Goldgelbe Vergilbung und deren Überträgerin, die Amerikanische Rebzikade, breiten sich in Österreich immer weiter aus. Gefordert wird ein Nationaler Krisenstab zur effizieten Bekämpfung. © AGES
Weinbaupräsident Johannes Schmuckenschlager: „Österreich hat sich international mit Qualität, klarer Herkunft und regionalen Profilen einen hervorragenden Ruf erarbeitet. Ein neues Weingesetz muss auf diesen Stärken aufbauen!“ © LK NÖ, Philipp Monihart