Zahlreiche Side Events brachten die beiden vergangenen Weinfrühlings-Wochenenden in den Donautälern, dazu die Tour de Vin. Ein seltenes Highlight ist dabei Johannes Fritz vom Weingut Josef Fritz am Wagram gelungen. Er holte das Weingut Lodovico Antinori zu einer gemeinsamen Masterclass – top!

Eine Masterclass ohne Schnörkel im neuen Mörwald Gutshof in Feuersbrunn. Zehn Weine, vier meisterhafte Rote Veltliner aus der Serie Josef vs. Johannes, dazu sechs Weine von Antinori, vier davon tragen den schlichten Namen „Lodovico“ nach ihrem Erfinder und zählen zu den Perlen der Toskana. Super Tuscans wäre in diesem Fall eine Untertreibung. Präsentiert wurden die Juwelen von Elisabeth Finkbeiner und Kellermeister Andreas Fuchsberger.

Auf dem Weg zum Kultwein

Marchese Lodovico Antinori vorzustellen, ist wie Eulen nach Athen zu tragen. Er war gleichsam schon immer der Freigeist in dieser berühmten Weindynastie. Nach seiner Rückkehr aus USA hat er Anfang der 1980er-Jahre die Tenuta dell´Ornellaia in Bolgheri gegründet und sich damit international in Szene gesetzt. Rund ein Jahrzehnt später legte er zusammen mit seinem Bruder Piero den Grundstein für die Tenuta di Biserno in Bibbona. Hier fanden Cabernet Franc, Petit Verdot und Merlot beste Bedingungen vor. 

Durch den Verkauf von Ornellaia an die Robert Mondavi Winery kurz nach der Jahrtausendwende schuf er Freiräume, um sich neuen Projekten zu widmen. 

Klein & fein

Zwischen Bolgheri und Bibbona wurde Lodovico Antinori auf der Suche nach neuen Betätigungsfeldern fündig. Im Jahr 2018 erwarb er rund 12 Hektar Weingärten, die zum Teil schon mehr als 30 Jahre brach lagen. Die sechs Hektar große Einzellage Vigna Lodovico zwischen Bolgheri und Bibbona ist insofern ungewöhnlich, als die Reben nach Norden schauen. Damit reagierte der visionäre Mann auf die klimatischen Veränderungen.

So wurde die Tenuta del Nicchio aus der Taufe gehoben. Auch bei diesem Projekt blieb Antinori seinem Ruf als Querdenker treu. Er pfiff erneut auf die DOC-Regeln und setzte auf die Bordeaux-Rebsorten Cabernet Franc, Petit Verdot und Merlot. Die erste Geige spielt Cabernet Franc, weil die Gegend aus der Sicht von Antinori bessere Voraussetzungen dafür bietet als für Cabernet Sauvignon. 

Der Untergrund der Weingärten besteht aus maritimen Sedimenten, Schluff, eisenhaltigem Ton und Kalkstein. Lange Zeit war die schwedische Oenologin Helena Lindberg für die Weine verantwortlich. Kürzlich hat sie die Regie an Andreas Fuchsberger übergeben, der vorher in Südtirol tätig war. Lodovico Antinori führt das kleine Weingut zusammen mit seiner Tochter Sophia (27).

Übersichtliches Sortiment

Das Portfolio ist sehr übersichtlich. Die preisliche Spitze bildet der Lodovico, bestehend aus vorwiegend Cabernet Franc, etwas Merlot und - je nach Jahrgang - geringer Menge Petit Verdot, ein Premiumwein aus einer ganz speziellen Einzellage. Mit etwas Glück findet man den Lodovico im sehr guten Fachhandel, wo dann eine Flasche 0,75 Liter mit rund 400 Euro zu Buche schlagen wird.

Die Trauben für den Il Nicchio hingegen stammen aus mehreren kleinen Parzellen bei Bibbona, Bolgheri und Sassetta, Höhenlage zwischen 80 und 250 Meter über Meer. Er besteht zu 95 Prozent aus Cabernet Franc, der Rest ist Merlot. 

Debütiert hat der Wein mit dem Jahrgang 2021 in einer Auflage von 3.000 Flaschen. Ausgebaut wurde er für 16 Monate in französischer Eiche, 80 Prozent davon ungebraucht. Verkostet wurde in der Masterclass der Jahrgang 2022. Neu im Sortiment ist Le 2 Ville (sprich: le due ville) del Nicchio, eine Cuvée aus Cabernet Franc und Merlot, bei der die Frucht im Vordergrund steht. Ein Vergleich mit fein gemachtem Zweigelt drängt sich auf.

Il Nicchio ist inspiriert von Cheval Blanc

Die ungewöhnliche Cuvée Il Nicchio versteht sich dezidiert nicht als Zweitwein. Vater und Tochter haben sich vom legendären Grand Cru Cheval Blanc inspirieren lassen, der zu rund der Hälfte aus Cabernet Franc besteht, gefolgt von Merlot und einem Schuss Cabernet Sauvignon. Die Antinoris runden mit dem kleinen Anteil Merlot den Il Nicchio nur ab. Dank überragender Bewertungen durch international anerkannte Kritiker hat er das Zeug zum Kultwein. Zudem trägt die limitierte Menge das Ihre dazu bei.

 

 

Tenuta del Nicchio – Lodovico & Sophia Antinori

2024 Le 2 Ville (CF/ME/Ciliegiolo)
Dunkle, frische Frucht, intensiv. Reife Herzkirschen dominieren Nase und Gaumen; gute Säurestruktur, präsente Tannine, stoffig.
16/20 Punkte ***

2022 Il Nicchio (100 % CF) 
Ganzbeeren-Vergärung, zur Gänze in neuem Holz, mittleres Toasting. In der Nase elegant und hochwertig, viel dunkle Frucht, getrocknete Kräuter, perfekt eingebundene Würze, rauchige Aromen;  schließt auf dem Gaumen mit Noblesse an, Tiefgang, Finesse, feine Gerbstoffen, präzise strukturiert, engmaschig, spannend, langer Abgang. Großer Wein, dem der Cabernet Franc in seiner kühlen Art den Stempel aufdrückt
17,5 *****

2013 Lodovico (CF/ME/PV)
Woww!! Großer Stoff, megadicht, dabei unglaublich elegant, extrafein schon in der (Wahnsinns)Nase, am Gaumen setzt der Wein noch Eins drauf. Dunkle Frucht, Zwetschke, Johannisbeer-Konzentrat, feiner Raucharomen, perfekte Tannine, etwas Vanille. Kraft & Saft, super lang, ewiger Nachhall. Weltklasse!
19,5 *****

2015 Ludovico (CF/ME)
Etwas Zwetschkenröster in der Nase, schöne reife (und reifer als 2013), offen, zugänglich, elegant. Feine Klinge, am Gaumen dicht, lang, intensiv. Cassis, Lakritze, Johannis- & Heidelbeeren. Mittlere Länge, schon gut zu trinken.
17,5 *****

2019 Ludovico (CF/ME)
Eigentlich noch ein Baby und von der ersten echten Reife noch entfernt, präsentiert sich der Wein überraschend zugänglich. Nase fast betörend feinfruchtig nach roten Beeren, explizit reifen Himbeeren. Dicht gewebter Stoff, gute Tanninstruktur, feine Rauchnoten. Braucht noch viel Zeit, hat ungeheures Potenzial.
18,2 *****

2021 Ludovico (CF/ME)
Der aktuelle Jahrgang zeigt sich schon etwas offener als 2019. In der Nase Zwetschkenröster, Cassis, Herzkirsche, jeweils in Überfülle. Am Gaumen fesselnd, ungemein dicht, dunkelfruchtig, etwas Veilchen, Lavendel, warmes Timbre. Ungemein stoffig, hat das Zeug zum Meisterwerk. Sehr gute Länge, viel Nachhall und Potenzial.
18,0 *****

 

Roter Veltliner Josef vs. Johannes, Weingut Fritz

Zuerst der Gast, dann der Gastgeber. Daher zum Abschluss die vier Weine von Johannes Fritz in der Masterclass. Das Weingut aus Zaussenberg am Wagram in Niederösterreich ist so etwas wie ein Kompetenzzentrum für die autochthone Weißweinsorte Roter Veltliner. Alleine sechs Vertreter finden sich im Sortiment. Gut und Weine an dieser Stelle vorzustellen, wäre wie Wasser in die Donau zu schütten.

Der Rote Veltliner Josef vs. Johannes ist ein Wein, der zwei Vorstellungen von einem charaktervollen und langlebigen Roten Veltliner vereint. Feine gelbe Früchte, saftig und extraktreich, werden von straffer nerviger, fast kreidiger, Würze unterstützt. Ein komplexer und feiner Säurebogen macht ihn zum modernen Speisebegleiter mit sicherem Reifepotential für Jahre. Ins Glas kamen alle vier bisher veröffentlichten Jahrgänge.

2023 Roter Veltliner Josef vs. Johannes
Schöne erste Reife, viel Exotik in der Nase, am Gaumen fein strömend, nussig, salzig, elegante Frucht-Säure-Kombi, feine Tannine und Gerbstoffe, heißblütig Cremigkeit und etwas Karamell, wunderbare Länge. Braucht Luft, Zeit und großes Glas.
17,8 ****

2022 Roter Veltliner Josef vs. Johannes
Frische, feine Struktur, gelbfruchtig, enorm saftig, straffes Rückgrat, Minze, Kumquat, rosa Grapefruit, Kräuterwürze, gute Länge. Legt mit Luft enorm zu.
17,0  ****

2021 Roter Veltliner Josef vs. Johannes
Duftige Nase nach Karamell, etwas Nougat, lässt dichten Stoff bereits beim Riechen erkennen. Frucht-Explosion am Gaumen, viel Exotik mit reifer Mago, Ananas, Papaya; rauchige Noten, salzig, sehr feine Tannine. Extralang mit viel Nachhall und Potenzial, bereits gut antrinkbar, toller Wein!
18,2 *****

2020 Roter Veltliner Josef vs. Johannes
Zitrusnoten in der Nase, am Gaumen fällt sofort die präzise und präsente Säure auf, durchaus fordernd. Orangenzesten, Amalfi Zitrone, weiße Grapefruit, mit Luft offenbaren sich Honignoten.
16,8  ****

Visionär und Gründer Lodovico Antinori mit seiner Tochter Sophia © lodovicowine
Das Flaggschiff: Lodovico hat das Zeug zum Kultwein, besteht weitgehend oder ausschließlich aus Cabernet Franc. © Vinaria
Il Nicchio besteht in 2021 zu 95 Prozent aus Cabernet Franc, der Rest ist Merlot. Im Jahrgang 2022 kam nur Cabernet Franc in die Flaschen. © Wolfgang Wachter