Österreichs vielfältiges Rotweinspektrum bietet Liebhabern eine große Vielfalt. Zum Beispiel einen wahren Schatz an hochwertigen Weinen zu moderaten Preisen. Diese alltagstauglichen Weine weisen neben Trinkanimo teils auch hohe Qualität auf. Vinaria widmete sich dem jüngsten & kniffligen Jahrgang 2024.

In wirtschaftlich turbulenten Zeiten wie diesen ist Preiswürdigkeit in vielen Bereichen ein wesentlicher Faktor – das gilt umso mehr für Genussgüter wie Wein. Für die besonders beliebte Vinaria Verkostung günstiger Rotweine liegt die Preisgrenze bei 13 Euro pro Flasche 0,75 Liter auf Basis Ab-Hof-Preis.

Heiß und trocken, dann Flut, mühsame Lese

Das Jahr 2024 war regional durchaus heterogen, auch die verschiedenen Sorten und Kategorien waren unterschiedlichen Bedingungen ausgesetzt. Brachte 2024 in den klassischen Weißweingebieten Niederösterreichs und Wiens vor allem aufgrund der sintflutartigen Regengüsse im Herbst riesige Herausforderungen mit sich, so verhielt es sich in den heimischen Rotweinzentren – im Burgenland, aber etwa auch in Carnuntum und der Thermenregion sowie in Teilen des nördlichen Weinviertels oder im Vulkanland – weniger extrem.

Beim früh reifenden und dünnhäutigen Zweigelt war eine sehr sorgfältige Weingartenpflege und ein passender Erntezeitpunkt sowie penible Selektion bei der Lese von größter Wichtigkeit. Problematisch war es auch beim St. Laurent, der es nicht gerne allzu nass mag, bei Pinot Noir war ebenfalls hohe Aufmerksamkeit gefragt. 

Die dickhäutigeren und später reifenden Sorten wie Blaufränkisch sowie die Cabernets waren hier im Vorteil. Dennoch wurde auch hier die Lese zügig zu einem nicht allzu späten Zeitpunkt eingebracht. Von den Gradationen her war das kaum ein Problem, denn es gab bereits relativ früh recht hohe Zuckerreife. Knackpunkt war aber vor allem die physiologische Reife, die nicht überall gegeben war. 

Spannende Sortenduelle

In Sachen Rebfläche unter den blauen Sorten seit Jahren unumstrittene Nummer 1 (knapp 45 Prozent) und darüber hinaus auch zweithäufigste Sorte in Österreich insgesamt (zirka 13 Prozent) ist die in allen Weinbauherkünften gut vertretene heimische Züchtung Zweigelt. 

Bei der jüngsten Vinaria Verkostung waren gut ein Drittel reinsortige Vertreter, dazu spielt die Sorte auch bei einer Reihe von Cuvées eine oft wichtige Rolle. Dennoch gibt es in diesem Segment ein erfreulich breites Sortenspektrum in Rot. 

Neben dem pannonischen Klassiker Blaufränkisch sind die Bordelaiser Edelsorten Cabernet Sauvignon und Franc sowie Merlot gut vertreten, dazu etwas Syrah. Als Ergänzung kommen die burgundischen Vertreter St. Laurent und Pinot Noir sowie vereinzelt auch Sondersorten wie Blauer Portugieser, Blauburger und Rösler dazu, vielfach in Cuvées.

2024: Frucht und Eleganz als bestimmende Faktoren

Die Verkostung der Rotweine bis 13 Euro aus dem Jahrgang 2024 gestaltete sich nicht durchwegs homogen. Zwar weiß der Rotweinjahrgang durch relativ klare Fruchtaromen zu gefallen, doch hinsichtlich Körper und Länge sowie Ausgewogenheit gibt es hier und da schon einige Mankos. 

Durchaus gekonnt agierten dafür viele Winzer in Sachen Tanninextraktion, hier wurde mehrheitlich sanft vorgegangen. Holzeinsatz und biologischer Säureabbau gelingen hingegen nicht immer optimal – vor allem bei weniger dichten Rotweinen können allzu präsente vanillige oder laktische Noten das Fruchtbild beeinträchtigen.

Niederösterreich an der Spitze, aber Burgenland dominiert

Abwechslungsreich und spannend ging es dann beim Finale zu, in dem die besten Jahrgangsvertreter aufeinandertrafen. Und auch wenn drei der vier Topplätze an Niederösterreich gingen, dominierte erwartungsgemäß das Burgenland im erweiterten Spitzenfeld.

Josef Pimpel vor Bioweingut Ettl und Schwertführer 47er

Mit Josef Pimpels ungemein pikantem, kernigem und dunkelfruchtigem Kalkstein konnte sich heuer wieder einmal ein Blaufränkisch – aus Carnuntum – den ersten Platz sichern. Ex aequo auf dem zweiten Platz folgte der Jahr für Jahr beeindruckende Cabernet Sauvignon Alter Satz vom Bio-Weingut Ettl in Podersdorf (Neusiedlersee), der für das Jahr 2024 bemerkenswerte Fülle mitbringt. 

Neuerlich für Erstaunen sorgte – ebenfalls auf Platz 2 - die österreichische Züchtung Rösler, die in Gestalt von Martin Schwertführers Exklusiv aus Sooßer Lagen (Thermenregion) ebenfalls 16,5 Punkte erreichte.

Zweimal Piwi-Rebsorte Rösler unter den Top 5

Ebenfalls ein Rösler, nämlich jener von Edwin Weber aus Lutzmannsburg (Südburgenland), der den fünften Platz holte. Knapp davor noch lag der beste Zweigelt der Verkostung, der aus Schrattenthal im nordwestlichen Weinviertel vom Weingut Hindler stammt. 

16 Punkte erreichten vier Rotweine. Zweimal gab sich Blaufränkisch aus dem nordburgenländischen Hügelland in Gestalt des Seestern vom Weingut Mad in Oggau sowie des Rhodolith vom Bioweingut Schreiner aus Rust die Ehre. Die gleiche Bewertung erreichten das Weingut Ettl mit Merlot Ried Prädium sowie die Cuvée Small Hill von Leo Hillinger aus Jois (Leithaberg). 

Die Top-Ten vervollständigte Martin Reinfeld mit seiner Cuvée Vier aus Schützen am Gebirge (Leithaberg) vor der Heideboden Cuvée wieder vom Weingut Ettl und dem beachtlichen Blauen Portugieser aus dem Familienweingut Honsig in Platt im Weinviertel. 

Ab sofort großer Trinkspaß und Potenzial für einige Jahre

Dahinter ging es Schlag auf Schlag mit jeder Menge weiterer empfehlenswerter Vertreter, von denen die Mehrzahl bereits gut anzutrinken sind, aber durchaus auch noch einige Jahre halten sollten.

 

 

Topliste Rotweine 2024 bis 13 Euro

16,7Weingut Josef Pimpel2024 BF Kalkstein NÖ
16,5Bio-Weingut Ettl2024 CS Ried Alter Satz BG
16,5Weingut Schwertführer 47er2024 Roesler Exklusiv N
16,3Weingut Hindler2024 ZW Ried Innere Bergen NÖ
16,2Edwin Weber2024 Roesler Classic BG
16,0Weingut Mad2024 BF Seestern BG
16,0Bioweingut Schreiner2024 BF Rhodolith BG
16,0Bio-Weingut Ettl2024 ME Ried Prädium BG
16,0Leo Hillinger2024 Small Hill Red BG
15,9Weingut Martin Reinfeld2024 Vier BG
15,8Bio-Weingut Ettl2024 Heideboden Cuvée (ZW, BF, ME) BG
15,8Familienweingut Honsig2024 Blauer Portugieser Ried Zellerndorfer Längen NÖ

 

 

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Gut, preiswert und darüber hinaus Bio: Überzeugende Argumente für die Rotweine von Christian und Michael Ettl aus Podersdorf. © Weingut Ettl
Edwin Weber und Sohn Patrick überzeugten heuer wieder mit ihrem Preis-Leistungs-Wein aus der PIWI-Sorte Rösler. © Weingut Weber
Charaktervoller Blaufränkisch Rhodolith: Gernot „Hennry“ Schreiner, bei der Lese. © Weingut Schreiner
Der Carnuntiner Spitzenwinzer Josef Pimpel holte sich mit dem 2024 Blaufränkisch Kalkstein den Sieg in der großen Vinaria Verkostung günstiger Rotweine bis 13 Euro pro Flasche. © Lisa Maria Köck
Sebastian (li) und Tobias Mad waren mit dem Basis-Blaufränkisch Seestern erfolgreich. © Maria Hollunder
Angelika und Philipp Grassl lieferten den besten Rubin Carnuntum. © Julius Hirtzberger
Mit „Small Hill“ brachten sie die beste rote Cuvée: Leo jun., Vivienne und Leo Hillinger. © Weingut Hillinger
Aufsteiger Martin Reinfeld aus Schützen glänzte mit der Cuvée „Vier“. © Weingut Reinfeld
Günter und Regina Triebaumer punkteten mit ihren Ruster Rotweinklassikern aus Blaufränkisch und Cabernet. © Steve Haider
Topwinzer Martin Schwertführer – der 47er - aus der Thermenregion scort immer wieder bei Vinaria Degustationen. Bei den günstigen Rotweinen einmal mehr mit der Piwi-Sorte Rösler. © Weingut Schwertführer
Josef Reumann aus Deutschkreutz glänzte mit Cuvée Equinox 365. © Weingut Reumann
Familie Honsig hat sich höchst erfolgreich der Rennaisanc der Sorte Blauer Portugieser verschrieben (v.l.): Johannes, Norbert, Martin, Maria und Thomas. © Weingut Honsig