Nach zwei Jahrzehnten an der Spitze der ÖTW übergibt Michael Moosbrugger die Position des Obmanns mit Jahresende an Michael Malat, bisher ÖTW Obmann der Donauregion und seit rund 20 Jahren im Führungsteam.

Power-Duo: ÖTW Geschäftsführer Michael Tischler-Zimmermann (links) und Neo-Obmann-Stellvertreter Markus Huber. © Anna Stöcher

Das wurde zum Start des diesjährigen Single Vineyard Summit in Grafenegg bekannt. Moosbrugger hatte seinen Abschied bereits bei der VieVinum im Mai 2026 angekündigt, Vinaria berichtete. Er betreibt Schloss Gobelsburg seit 30 Jahren und feiert 2026 seinen 60. Geburtstag. „Ich sage Goodbye mit leichtem Herzen“, so Moosbrugger im Mai zu den internationalen Journalisten.

Michael Malat will die von den ÖTW entwickelte Lagenklassifikation nun noch stärker in die Welt tragen. Sein Credo: internationale Sichtbarkeit, neue Formate und eine breiter getragene Verantwortung. Michael Malat führt das 1722 gegründete Weingut Malat in Furth bei Göttweig (südliches Kremstal) seit 2008 in zehnter Generation. Obmann der ÖTW in der Donauregion wird Malat vorerst bleiben.

Es ist ein Generationswechsel mit ungewöhnlich langer gemeinsamer Vorgeschichte: Anfang 2027 übernimmt Michael Malat den Vorsitz der Österreichischen Traditionsweingüter (ÖTW) von Michael Moosbrugger. Malat begleitet die Entwicklung der Vereinigung seit rund 20 Jahren im Vorstand; sein Vater Gerald gehörte 1991 zu den Gründungsmitgliedern.

ÖTW: von regionaler Bewegung zu nationaler Bedeutung

Michael Moosbrugger hat die ÖTW seit 2007 von einer regionalen Bewegung zu einer nationalen Bedeutung entwickelt und war in dieser Zeit eine prägende Stimme für Herkunft im österreichischen Wein. Die Übergabe markiert deshalb nicht nur einen Wechsel an der Spitze, sondern bedeutet Kontinuität und weitere Entwicklung auf internationaler Ebene hinsichtlich Sichtbarkeit und Öffnung für neue Zielgruppen.

„Wenn ich die ÖTW in einem Wort beschreiben müsste, wäre es Herkunft. Sie verbindet unsere Mitglieder, und auch Tradition mit Zukunft. Unsere Verantwortung ist es aber, dieses Fundament so weiter zu stärken, dass es auch für die nächste Generation trägt“,  sagt Michael Malat, designierter Obmann der Österreichischen Traditionsweingüter.

91 Weingüter aus 8 Weinbaugebieten und 3.600 Hektar

Als Michael Moosbrugger 2007 die Führung übernahm, hatte er bereits über zehn Jahre unter Obmann Gerald Malat im Vorstand mitgearbeitet. Damals zählten die ÖTW rund 25 Mitgliedsbetriebe. Heute vereint der Verband 91 Weingüter aus acht Weinbaugebieten. Gemeinsam bewirtschaften sie rund 3.600 Hektar Reben, etwa acht Prozent der österreichischen Weinbaufläche. Aus dem ursprünglichen Kern in Kamptal und Kremstal wuchs eine Vereinigung, der heute auch Betriebe aus Traisental, Wagram, Wien, Carnuntum, Thermenregion und Weinviertel angehören.

Moosbrugger blieb 2007 dem Gründungsauftrag treu, den bereits die ersten Statuen festgelegt hatten: eine Lagenklassifikation für die Weinbaugebiete in Österreich zu entwickeln. Damit schuf er eine Systematik, die in ganz Europa Schule machen sollte. Die Klassifikation der ÖTW wurde schließlich für die Übernahme ins österreichische Weingesetz vorbereitet, parallel dazu arbeiteten die ÖTW auch mit dem VDP in Deutschland zusammen. Auch die Weinregion Tokaj in Ungarn ließ sich von der Arbeit der ÖTW inspirieren.

145 Rieden tragen inzwischen die Bezeichnung ÖTW Erste Lage (1ÖTW). Die über drei Jahrzehnte entwickelte Lagenklassifikation mit dem zweistufigen System aus Erster Lage und Großer Lage soll mit dem neuen österreichischen Weingesetz gesetzlich verankert werden – so die ÖTW in einer Mitteilung zum Obmannwechsel.

Die Entwicklung der ÖTW-Lagenkarten und des ÖTW-Lagenbuchs erstreckt sich über die gesamte Funktionsperiode von Obmann Moosbrugger. Beide Publikationen sind auch international vielfach beachtet.

Single Vineyard Summit mit starker internationaler Beteiligung

Auch der 2013 ins Leben gerufene Single Vineyard Summit trägt seine Handschrift. Was als konzentrierte Vorschau auf den neuen Jahrgang begann, ist heute eines der international wichtigsten Arbeitsformate für österreichische Herkunftsweine. 2026 stehen in Schloss Grafenegg 556 Weine von 170 Weingütern zur Verkostung.

Neben den ÖTW-Regionen nehmen STK, Vinea Wachau und Weingüter aus dem Burgenland teil. Erstmals reisen auch Teilnehmende aus Aserbaidschan, Georgien und Brasilien an, neben Gästen aus Zentraleuropa, Kanada, Thailand, Hongkong, den USA und Skandinavien. Im Vorjahr kamen mehr als 300 Fachgäste aus über 30 Ländern.

„Unsere Arbeit ist dann erfolgreich, wenn sie über den Verein hinaus Nutzen für Weinliebhaber, Sommeliers und andere Experten stiftet. Die gesetzliche Verankerung der Lagenklassifikation - erwartet im neuen Weingesetz im Herbst 2027 - ist deshalb kein Schlusspunkt, sondern die Verpflichtung, sie mit Leben zu erfüllen. Michael Malat hat diesen Weg im Vorstand fast von Beginn meiner Amtszeit an mitgetragen“, zieht Noch-Obmann Michael Moosbrugger Bilanz.

Hoffnung auf gesetzliche Verankerung der Lagenklassifikation

Malat sieht die kommende Periode als bewussten Phasenwechsel. In den vergangenen Jahren floss viel Kraft in das Fundament, auf dem aufbauend nun weitergearbeitet werden kann: in die Erweiterung um neue Gebiete, die gemeinsame Klassifikationsarbeit und belastbare Strukturen. Nun soll diese Arbeit noch stärker nach außen wirken. Gemeinsam mit Geschäftsführer Michael Tischler-Zimmermann will Malat die gewachsenen Strukturen nutzen, um die ÖTW in wichtigen Märkten noch sichtbarer zu machen, die Lagenklassifikation verständlich zu vermitteln und neue Zielgruppen zu erreichen.

„Mit der gesetzlichen Verankerung der Lagenklassifikation beginnt für uns eine neue Phase. Jetzt geht es darum, sie mit Sinn zu erfüllen, zu erklären, zu schützen und international noch stärker zu kommunizieren“, steckt Michael Tischler-Zimmermann, Geschäftsführer der Österreichischen Traditionsweingüter, die Ziele ab.

Topwinzer Markus Huber neuer Obmann Stellvertreter

An Malats Seite steht Obmann-Stellvertreter Markus Huber. Er ist seit Jahrzehnten in verschiedenen ehrenamtlichen Funktionen in der Weinbaupolitik und der Wirtschaftskammer tätig und bringt diese Erfahrung sowie sein gewachsenes Netzwerk in die Arbeit der ÖTW ein.


Quelle: ÖTW

Mit Michael Malat kehrt das Obmannamt der ÖTW in die Familie zurück: schon Vater Gerald Malat war ÖTW Obmann (bis 2007). © Anna Stöcher