Eine Frage der Reife: der Jahrgang 2025 hat für die Winzer große Herausforderungen in der Weingartenbewirtschaftung gebracht.  Gerade in der Mittelklasse stand der Ausreifungsgrad der Trauben im Fokus. Hier die große Vinaria Verkostung der „mittelgewichtigen“ Rieslinge aus 2025 bis 12,5 Volumenprozent.

Die idyllische Kellergasse von Mittelberg bei Langenlois mit ihren 48 Presshäusern. © Weingut Am Berg

Auf einen überdurchschnittlich sonnigen Winter mit milden Temperaturen und Trockenheit folgte ein sehr wechselhafter Frühling. Nach Prachtwetter in der ersten Märzhälfte mit hohen Temperaturen und viel Sonne setzten Mitte und Ende des Monats zwei markante Regenphasen ein, die die Wasserreserven zum Teil wieder auffüllten. Warme und recht trockene Bedingungen führten Mitte bis Ende April zum Austrieb. 

Die weitere Entwicklung der Reben wurde durch ungewöhnlich tiefe Temperaturen und vielerorts trübes Wetter im Mai gebremst.  Hohe Temperaturen und viel Sonnenschein befeuerten Ende Mai das Wachstum der Reben. 

Im heißen Juni mit günstiger Niederschlagsverteilung die relativ späte, dafür prächtig verlaufende Blüte mit sehr gutem Traubenansatz. Nach warm-trockenem Start gestaltete sich der Sommer wechselhaft. Ungewöhnlich kühle Temperaturen und wiederholte Regenfälle im Juli sorgten für langsame Entwicklung mit kräftigem vegetativem Wachstum. Der August war hingegen von viel Sonne gekennzeichnet. 

Relativ warme Temperaturen im September beschleunigten die Beerenreife. Die Lese erfolgte meist erst ab September. Dank vielfach akribischer Selektion und der meist im Eiltempo durchgeführten Lese konnte mehrheitlich gesundes, physiologisch reifes Traubenmaterial eingebracht werden.

Klassisch rassig Riesling bis 12,5 %

Riesling gilt als eine der hochwertigsten Weißweinsorten der Welt – kein Wunder, glänzt die Sorte doch durch ihren markanten, in allen Gewichtsklassen vorhandenen Sortencharakter ebenso wie durch bemerkenswerte Konstanz, allen Jahrgangsschwankungen zum Trotz. 

Tadelloses Weingartenmanagement, penible Selektion und Warten auf die physiologische Vollreife waren 2025 unerlässlich; der Preis waren massive Ertragseinbußen, insbesondere beim Riesling. Die verzögerte Reife erforderte eine spätere Lese, während feucht-warmes Septemberwetter den Infektionsdruck zusätzlich erhöhte.

Allen Widrigkeiten zum Trotz sind auch 2025 sehr ansprechende Sortenverteter entstanden, wenn auch die Spitze und das Qualitätslevel an jenes der Jahre 2023 und insbesondere 2021 wohl nicht heranreichen dürften. Die gelungenen Vertreter aus 2025 punkten aber mit Feinfruchtigkeit, Kühle, Klarheit und ziselierter Säure. 

Hälfte aller Proben erreichte Prädikat „sehr gut“

Für die Vinaria Verkostung der mittelgewichtigen Rieslinge wurden heuer gut 90 Weine eingereicht. Diese kamen fast zur Gänze aus Niederösterreich, lediglich eine Handvoll Weine stammte aus Wien, dem Burgenland und dem Vulkanland Steiermark. 2025 ist ein eher schlanker Jahrgang mit dezenter, teils fast filigran wirkender Frucht, im Allgemeinen alkoholleichter und rassiger als seine Vorgänger. Immerhin erreichten mehr als die Hälfte der Sortenvertreter das Prädikat „sehr gut“.

Es überrascht wenig, dass Weine aus den donaunahen Herkünften Niederösterreichs das Vorderfeld dominierten: Inmitten der Phalanx aus Kamptal, Kremstal und Wachau sowie Traisental konnte aber immerhin ein Wein aus Klöch im steirischen Vulkanland bestehen.

Jamek vor Bründlmayer und Eichinger

Im durchaus hochwertigen Finale konnte sich ein Spitzentrio klar behaupten, aus dem zwei renommierte Riedenweine besonders hervorstachen: Letztendlich konnte sich das fantastische Klaus Federspiel von Jamek mit seiner vibrierenden Mischung aus Mineralität, Frucht und Struktur vor dem köstlich verführerischen, pikanten Steinmassl von Willi Bründlmayer ganz knapp durchsetzen. Den gesicherten dritten Platz erreichte der ungemein fruchtbetonte Ortswein Strass von Gloria und Birgit Eichinger

Mit kleinem Sicherheitsabstand folgte dann eine Riege aus hochwertigen Sortenvertretern in knappen Abständen. Den vierten Platz teilten sich Stefan Müller aus dem südoststeirischen Klöch mit seinem Basalt, Michael Gruber vom Weingut am Berg in Langenlois (Kamptal) mit dem äußerst günstigen Ortswein Mittelberg sowie die Familie Steininger mit dem Ortswein Langenlois. Nur ein Zehntelpunkt dahinter lagen das Weingut Schloss Gobelsburg mit Urgestein, die Weinhofmeisterei Hirtzberger mit Federspiel Zier und Petra Unger mit ihrem Ortswein Furth. 

Auch dahinter ging es eng zu, wobei der Vorspannhof Mayr und Rudi Rabl knapp vor den ersten Betrieben aus dem Traisental – Preiß und Karner – lagen. Mit Schuster schaffte es auch ein Betrieb aus der Herkunft Wagram ins Spitzenfeld. Ganz klar sehr gut, wenn auch zum Verkostungszeitpunkt etwas von reduktiven Noten geprägt, zeigte sich der Siegerwein der letzten beiden Jahre – Lorenz Allrams Riesling Strass, der sein wahres Potenzial sicherlich in Bälde ausspielen dürfte.

 

 

Topliste Riesling bis 12,5 % 

17,1Weingut Jamek2025 Ried Klaus Federspiel WA
17,0Weingut Bründlmayer2025 Ried Steinmassl 1ÖTW KA
16,7Weingut Eichinger2025 Zöbing Riesling KA
16,3Weingut Müller2025 Riesling Klöch Basalt VLST
16,3Weingut Am Berg2025 Riesling Mittelberg KA
16,3Weingut Steininger2025 Riesling Langenlois KA
16,2Schloss Gobelsburg2025 Schlosskellerei Gobelsburg Urgestein Riesling KA
16,2Weinhofmeisterei Hirtzberger2025 Zier Federspiel Riesling WA
16,2Weingut Unger2025 RI Furth KR
16,1Vorspannhof Mayr2025 Riesling Ried Kremsleithen KR
16,1Weingut Rabl2025 Langenlois Riesling KA
16,0Weingut Preiß 2025 Riesling Ried Pletzengraben TR
16,0Weingut Karner2025 Inzersdorf Riesling TR
16,0Weingut Öhlzelt2025 Ried Kogelberg KA
16,0Weingut Sigl 2025 Riesling Federspiel Rossatz WA

 

Best Buy Riesling bis 12,5 % bis € 10,00 

16,3Weingut Am Berg2025 Riesling Mittelberg K€ 9,00
16,1Weingut Rabl2025 Langenlois Riesling KA€ 9,80
16,0Weingut Karner2025 Inzersdorf Riesling TR€ 8,30
15,9Vorspannhof Mayr2025 Riesling vom Löss KR€ 9,90
15,8Ferdinand Mayr Weine 2025 RI Na Alsdann NÖ€ 7,99
15,5Weingut Blaha 2025 Riesling vom Urgestein NÖ€ 7,50
15,5Weingut Steinschaden2025 Riesling Langenlois Urgestein KA€ 7,20
15,5Topf Reinhard2025 RR Ried Gaisberg KA€ 9,50
15,5Weingut Deim2025 Kamptal Riesling KA€ 8,90
15,5Weingut Mayer-Hörmann2025 Riesling Steinterrassen KA€ 8,00

 

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Famoser Steinmassl-Riesling 2025 aus Langenlois (v.l.): Thomas Klinger und Andreas Wickhoff, Willi und Hedwige Bründlmayer © Anna Stöcher
Riesling-Sieger Herwig Jamek punktet mit einem herrlichen Wein aus der Wachauer Paradelage Ried Klaus. © Mia Bodenstein
Dreifacher Erfolg für Gloria Eichinger aus Strass: Riesling Zöbing sowie die Grünen Veltliner Ried Hasel und Ried Wechselberg landeten im Spitzenfeld. © Herbst
Riesling-Könner aus dem Vulkanland Steiermark: Stefan Müller aus Klöch © Weingut Müller
Mathias und Hanna Hirtzberger von der Weinhofmeisterei in Wösendorf © Pamela Schmatz
Michael Gruber vom Weingut Am Berg in Mittelbach bei Langenlois © Weingut Am Berg
Rudolf und Tobias Rabl aus Langenlois © Weingut Rabl
Eva und Michael Moosbrugger von Weingut Schloss Gobelsburg © Regina Hügli
Eva und Peter Steininger aus Langenlois © Julius Hirtzberger
Silke Mayr führt den Vorspannhof Mayr in Droß. © Robert Herbst
Petra Unger aus Furth-Palt © Julius Hirtzberger
Barbara Öhlzelt hat ihr Weingut in Zöbing. © Weingut Öhlzelt
Geteilte Aufgaben im Weingut Preiß: Viktoria Preiß ist für Keller und Vermarktung zuständig, Klaus Wiebogen für den Weingarten. © Katja Preiss
Topadresse in der südlichen Wachau: Adrienne und Heinz Sigl aus Rossatz © Monika Loeff
Weinakademiker Ferdinand Mayr sorgte mit Riesling Na Alsdann für Überraschung. © Weingut Mayr
Thomas und Carina Schuster erzeugen in ihrem Bioweingut hochelegante Rieslinge und Veltliner. © Steve Haider
Friedrich und Carina aus Spitz zählen zu den verlässlichsten Erzeugern in der Westwachau. © Weingut Rixinger