Die sich durch die Amerikanische Rebzikade rasant ausbreitende Goldgelbe Vergilbung (Flavescence dorée) macht den Winzern zunehmend Sorgen. Die Behörden in den Weinbau-Bundesländern erhöhen den Druck auf „säumige“ Winzer. Hohe Strafen drohen.

Durch Verordnungen auf Bundesländerebene werden derzeit gefährdete Zonen und obligatorische Bekämpfungsmaßnahmen wie Weingartenrodung und Insektizideinsatz vorgeschrieben. Winzer, die sich nicht daran halten, riskieren empfindliche Geldstrafen. Die Behörden können auch Ersatzvornahmen anordnen, die Maßnahmen also durch befugte Firmen durchführen lassen. Die Kosten müssen dann die Weingartenbesitzer tragen. 

Vertreter der Amtlichen Pflanzenschutzdienste der Landesregierungen sind laufend in den Weinbaugebieten unterwegs, kontrollieren die Rebanlagen und markieren stichprobenartig befallene Stöcke. Besonders wichtig: das Roden befallener Rebstöcke muss mitsamt der Wurzel erfolgen.

Neben der Steiermark wurde die Quarantänekrankheit mittlerweile auch in großen Teilen des Burgenlandes festgestellt. Überträger der Krankheit ist die Amerikanische Rebzikade, die mittlerweile auch im Weinviertel in hoher Population auftritt. In allen Weinbaugebieten mit stark steigender Tendenz. Ebenso in den Nachbarländern Ungarn und Slowenien.

„Nationaler Krisenstab muss her, sonst ist unser Weinbau am Ende!“

Das Präsidium des Österreichischen Weinbauverbandes ist der Meinung, dass es über diese Maßnahmen hinaus notwendig ist, einen nationalen Krisenstab einzurichten, um der Krankheit noch schlagkräftiger und akkordiert begegnen zu können. „Wir dürfen wirklich keine Zeit mehr verlieren. Ohne nationalen Krisenstab und entsprechende Schritte ist der Weinbau am Ende“, warnt Johannes Schmuckenschlager, Präsident des Österreichischen Weinbauverbandes.

Wünschenswert wäre es zudem, „den Winzern in den Befallsgebieten anzubieten, befallene Weingärten zu roden und für einen bestimmten Zeitraum stillzulegen. Aber dazu müsste eine entsprechende Finanzierung angeboten werden können“, so Schmuckenschlager. Diese sogenannte „Gesundungsbrache“ wird von Experten als das effizientes Mittel der Bekämpfung angesehen.

„Gesundungsbrache“ legt gerodete Rebanlagen für mehrere Jahre still

Unterdessen reden sich die Weinbaufunktionäre in der Steiermark – hauptbetroffen ist dort das Vulkanland – und dem Burgenland die Münder wund. Gemeinsame Lokalaugenscheine von Stefan Potzinger, Weinbaupräsident in der Steiermark und Herbert Oschep (Wein Burgenland) zeigten jüngst das erschreckende Ausmaß des Befalls der Rebanlagen.

Potzinger hatte bereits im Vorjahr die Whatsapp-Gruppe „Prävention Rebzikade“ gegründet, der mittlerweile 681 steirische Winzer folgen. Dort findet ein reger Austausch an Erfahrungen statt, vor allem werden die Winzer anhand von zahllosen Beispielen am frühzeitigen Erkennen der Erkrankung in den Rebanlagen sensibilisiert. Zahllose Infoabende stießen bereits auf starkes Interesse, ein Symptomkatalog wurde erstellt.

„Zusammenhalten, klaren Kopf bewahren – gemeinsam schaffen wir das!“

Im Burgenland appelliert Weinbaupräsident Andreas Liegenfeld an die Winzer: „Bitte zusammenhalten, klaren Kopf bewahren – gemeinsam schaffen wir das!“ Liegenfeld spricht von der größten Herausforderung seit 30 Jahren und meint damit Goldgelbe Vergilbung, die Absatzkrise beim Rotwein und akut die enorme Hitze und Trockenheit.

Auch im Burgenland steht laufend Info- und Schulungsabende am Programm. Weinbau-Fachbereichskoordinatorin Verena Klöckl von der Burgenländischen Landwirtschaftskammer nahm die dramatische Situation rund um die Goldgelbe Vergilbung zum Anlass, Ende Juli fünf Schulungen zu organisieren, in denen sie auf die wichtigsten Sofort-Maßnahmen zur Bekämpfung und die Symptome an den Rebstöcken im Weingarten einging. Bei den Veranstaltungen in Gaas, Deutsch Schützen, Horitschon, St. Margarethen und Gols unterstrichen über 300 Teilnehmern das rege Interesse an der Eindämmung der Rebseuche. 

Weitgehend bereits gerodeter Weingarten im Südburgenland. © Privat
Erste goldgelbe Verfärbungen der Blätter deuten auf den Befall des Rebstockes hin. © Privat
Weit fortgeschrittene Goldgelbe Vergilbung, der Rebstock muss rasch gerrodet werden. © Privat