Wissenschaftler der Universität Mailand und des Agrarinstituts Crea Viticoltura ed Enologia haben ein vollständig biologisch abbaubares Mittel entwickelt, das den Befall von Peronospora und Botrytis im Weinberg um rund 80 Prozent reduzieren soll. Das Material dazu kommt ebenfalls aus dem Weinberg.

Vorgestellt wurde das innovative Projekt mit Namen „Grape4vine“ im Rahmen der Weinmesse Vinitaly in Verona. „Unserem Produkt liegt der Mechanismus der doppelsträngigen RNA (dsRNA) zugrunde“, erklärt Silvia Toffolatti, Dozentin an der Fakultät für Agrarwissenschaften der Universität Mailand. „Dies ist eine nachhaltige biotechnologische Strategie zum Schutz von Pflanzen, denn die dsRNA-Moleküle sind in der Lage, auf natürliche Weise eine Genstilllegung in den Reben (RNA-Interferenz) zu aktivieren.“

Neuer biologischer Pflanzenschutz wirkt durch RNA-Interferenzen

Die RNA-Interferenz ist ein natürlich vorkommender Mechanismus, der in Zellen von Organismen gezielt die Synthese von Proteinen verhindern kann. Entweder kann dieser direkt genutzt werden, um die Entwicklung von Krankheitserregern zu verhindern, oder um die Empfindlichkeit der Pflanzen zu verringern. 

Bei der Rebkrankheit Peronospora werden mit der dsRNA gezielt Anfälligkeitsgene der Rebe ausgeschaltet, bei Botrytis essenzielle Gene des Pilzes blockiert. Dadurch wird die Entwicklung der Krankheitserreger wirksam gehemmt – bei gleichzeitig hoher Zielgenauigkeit und ohne negative Effekte auf andere Organismen.

Wirkstoff wird aus Trestern und Rebschnitt gewonnen

Ein weiterer zentraler Aspekt des Produkts ist die Nachhaltigkeit: Die Wirkstoffe sind nicht nur vollständig biologisch abbaubar, sondern werden auch aus Nebenprodukten der Weinherstellung wie Trester und Rebschnitt gewonnen. Damit verbindet das Projekt Pflanzenschutz mit Prinzipien der Kreislaufwirtschaft und könnte langfristig synthetische Pflanzenschutzmittel ersetzen.

Angesichts der großen wirtschaftlichen Schäden durch Peronospora in praktisch allen europäischen Weinbauländern gilt der Ansatz als potenziell wegweisend. Nach Abschluss der dreijährigen Forschungsphase läuft bereits eine zweite Projektstufe zur Entwicklung eines verkehrsfähigen Produkts. Als nächste Hürde gilt die Zulassung auf EU-Ebene.

Quelle: Crea Viticoltura ed Enologia