Die legendäre Grand Dame der Wirtshausküche und Autorin eines vielbeachteten Kochbuchs, Hedi Klinger (92), ist in ihrer oberösterreichischen Heimat verstorben. Den folgenden sehr persönlichen Nachruf hat ihre Tochter verfasst, die Schriftstellerin Hedwig Breuer:

Mit Sohn Willi verfasst Hedwig Klinger das Kochbuch „Klassiker der Österreichischen Küche“, mittlerweile ein Standardwerk. © Brandstätter Verlag

Oberösterreich hat eine Hüterin der feinen traditionellen Küche verloren. Am 24. März, in den frühen Morgenstunden ist Hedi Klinger, Seniorchefin des Gasthofs Klinger verstorben.
1933 auf einem stattlichen Bauernhof in Aistersheim geboren, war sie von Kindesbeinen an mit vielstündiger körperlicher Arbeit vertraut. Der Vater schwer herzkrank, musste sie in den frühen Fünfzigerjahren als Älteste von vier Kindern auch sogenannte Männerarbeiten übernehmen. Dafür machte sie sogar den Traktor-Führerschein und als sie im Hochsommer einmal das Gefährt in kurzen Hosen durch den Ort lenkte, brachte ihr das eine Rüge des Pfarrers ein.

1956 heiratete sie Wilhelm Klinger, einen Gastwirts- und Transportunternehmerssohn aus Gaspoltshofen. Der Verbindung entsprossen vier Kinder und als wirtschaftliches Nebenprodukt der Gasthof Klinger, der bereits ab den 1980er Jahren von wissenden Feinspitzen aufgesucht wurde. Ohne Hedi hätte „Da Klinger“ nie den Sprung vom guten Wirtshaus zum haubengekrönten Landgasthof geschafft. Ihre Kochkunst war die tragende Säule, ihr Mann Willi war der Wilde Wein, der sich drumherum rankte und das Glück der Esser mit seinem speziellen Charme komplettierte.

Hedi Klinger war Autodidaktin. Sie setzte ihr Wissen mit großer Intuition um. Dabei waren ihre Gerichte einfach, aber nie simpel, fein aber nicht glamourös. In ihrem Willen zur Qualität war sie, auch was die Zutaten anging, kompromisslos. Mit ihrem geschulten Gaumen konnte sie feinste Geschmacksnuancen detektierten. Wenn sie noch nicht ganz zufrieden war, machte sie hmm, mit zusammengepressten Lippen, und neigte den Kopf ganz leicht zur Seite. Dann fehlten vielleicht noch eine Spur Thymian oder „a bisserl Rahm und a Schuss Rotwein“ für ihre legendäre Wildsuppe.

Die medial oftmals aufgekochte Bernhard'sche Frittatensuppe veranlasste sie schon mal zu der Äußerung: „Wia waun i nix aundas kochen kinad.“ 2022 wurde sie vom Gault Millau in Wien, im Rahmen eines feierlichen Events, für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Die Größen der österreichischen Restaurantszene spendeten ihr damals stehend minutenlang herzlichen Applaus. 

Nun ist für Hedi Klinger der letzte Vorhang sanft gefallen. Was bleibt ist die Erinnerung und ein kulinarisches Erbe, festgehalten für kommende Generationen zwischen den Buchdeckeln von Hedi Klingers Familienküche, dem Kochbuch, das sie gemeinsam mit Ihrem Sohn Willi verfasst hat. Ein Glück für alle, die heute oftmals vergeblich auf der Suche nach dem Geschmack von Mutters Küche sind.