Nach Frankreich und Deutschland nun auch Österreich: 10 Millionen Liter Rotwein – vor allem aus dem Burgenland – sollen in Form einer EU-geförderten Krisendestillation entsorgt werden. Das Präsidium des Österreichischen Weinbauverbands gab dazu eine klare Empfehlung ab. Noch ist allerdings viel zu tun.

Das Präsidium des Österreichischen Weinbauverbandes bilden die Präsidenten Andreas Liegenfeld (Burgenland), Johannes Schmuckenschlager (Österreich), Stefan Potzinger (Steiermark), Norbert Walter (Wien) und Reinhard Zöchmann (Niederösterreich). © LWmedia, Leonardo Ramirez

Angesichts des massiven Marktungleichgewichtes bei Rotwein durch rückläufigen Konsum und dem dadurch erfolgten Aufbau umfangreicher Lager österreichischer Rotweine, die am Markt nicht mehr untergebracht werden können, sprach sich das Präsidium des Österreichischen Weinbauverbandes in seiner jüngsten Sitzung für die Umsetzung einer Krisendestillation aus.

Das Präsidium bilden die Weinbau-Präsidenten Johannes Schmuckenschlager (Österreich), Reinhard Zöchmann (Niederösterreich), Andreas Liegenfeld (Burgenland), Stefan Potzinger (Steiermark) und Norbert Walter (Wien). Viel Druck zu einer solchen Maßnahme kam aus dem Burgenland.

Damit folgt Österreich vor allem dem Beispiel Deutschlands, das erst kürzlich die Krisendestillation für Rot- und Roséweine aus den Anbaugebieten Rheinhessen und Württemberg auf den Weg gebracht hatte. Angesprochen werden in beiden Ländern Mittel aus der sogenannten EU-Agrarreserve. „Da ist noch viel zu tun und zu dokumentieren, schließlich müssen wir die Marktverwerfungen exakt beweisen“, erläutert Johannes Schmuckenschlager.

Parameter zur Förderung erfüllen nur überschüssige Rotweine

Die Daten als Grundlage für Genehmigung und Mittelfreigabe seitens der EU werden ab sofort mit dem Landwirtschaftsministerium (Bundesminister: Norbert Totschnig) erarbeitet. „Die förderbaren Parameter der EU werden wir voraussichtlich nur mit Rotwein erfüllen können“, schätzt Schmuckenschlager. Die Altweine werden dann zu Industriealkohol, Desinfektionsmittel oder Biosprit. Damit könnten die Weine auch als Bioethanol – ein Bestandteil des E10-Kraftstoffs – im Tank landen. Ein Einsatz der Destillate in der Lebensmittelproduktion ist ausgeschlossen.

Hier ist aber auch der allergrößte Bedarf gegeben. Während sich der Markt für österreichische Weißweine stabil präsentiert und vor allem die kleine Ernte 2024 viel Nachfrage schuf, sind die Rotweinlager randvoll. Das betrifft die klassischen Anbaugebiete und die wieder vor allem das Burgenland. Vor allem die großen Genossenschaften, die Weine von jeweils hunderten Mitgliedswinzern verarbeiten und lagern, sind massiv betroffen.

Erste Notverkäufe von Genossenschaften bereits erfolgt

Im Sommer 2026 fanden bereits – wie berichtet – Notverkäufe von Alt-Rotweinen statt, für die Händler nur noch rund 35 Cent pro Liter bezahlten, weit unter Produktionskosten. Diese regulär unverkäuflichen Weine landen zum Beispiel in Glühweinen für die kommende Wintersaison.

Diesen Einzelfällen soll nun die geordnete Krisendestillation folgen, die rund 10 Millionen Liter Rotwein der Jahrgänge 2025 und älter umfassen wird. Das sind Weine, die noch im Tank oder Fass lagern und mittels LKW abtransportiert werden können. Flaschenweine kommen aus logistischen und Kostengründen für Destillation nicht infrage.

45 bis 50 Cent pro Liter Förderung werden angestebt

Die entscheidende Frage für Winzer und Genossenschaften ist die Höhe der Förderung als „Preis“ für die Krisendestillation. Die Deutschen erhielten zuletzt aus Brüssel Grünes Licht für 43 Cent pro Liter plus 16 Cent für Logistik- und Brennkosten. Österreich strebt eine Bandbreite von 45 bis 50 Cent pro Liter plus Logistikosten an.  Die Genehmigung der EU sollte noch im Herbst 2026 erfolgen. Vorausgesetzt, das Bundesministerium erarbeitet die Unterlagen dazu rasch.