Jahr der feinen Töne: Der von wechselhaftem Wetter und relativ später Reife geprägte Jahrgang 2025 barg Chancen wie Risiken – so auch bei Muskateller & Co., wo die qualitative Bandbreite relativ groß ist. Die besten Jahrgangsvertreter bestechen durch feine wie vielfältige Aromatik, Eleganz und Charakter.

Aromatisches Trinkvergnügen: Muskateller & Co. zählen klassisch trocken ausgebaut nach wie vor zu den beliebtesten Aperitif- und Sommerweinen Österreichs. Kaum verwunderlich, zünden doch die mit Unmengen Frucht und Pikanz ausgestatteten vinophilen Genussträger ein Aromenfeuerwerk am Gaumen, das seinesgleichen sucht. 

Und das vermittelt Muskateller meist ohne jegliche Schwere, denn üblicherweise sind die (ohne Edelfäule) zu erreichenden Mostgewichte eher moderat, woraus sich meist Alkoholwerte zwischen 11 und 12,5 Volumenprozent, selten darüber, ergeben. Oft früher reif, breit und teils restsüß, wird der Muskat Ottonel heutzutage oft auch erfolgreich als Leichtwein ausgebaut, wie die Exemplare der Sortenspezialisten zeigen. Kräftiger wird es oft bei den assoziierten Piwis, insbesondere bei Muscaris und Blütenmuskateller, die oft gut und gerne 13 und mehr Volumenprozent Alkohol erreichen.

Die im Laufe der Jahre immer stärker steigende Nachfrage hat zu einer massiven Ausweitung der Rebfläche beim Muskateller gesorgt. Mit rund 1.550 Hektar Rebläche und 3,5 Prozent Anteil an der Gesamtfläche beansprucht die Sorte unter den Weißweinsorten die siebte Stelle, insgesamt liegt sie am neunten Rang. Weit dahinter liegen Muskat-Ottonel (0,7 Prozent) sowie die Piwis Blütenmuskateller, Muscaris und Goldmuskateller mit 0,3 bis 0,1 Prozent.

2025 ist wieder einmal ein Winzerjahrgang

Der Jahrgang 2025 ist wieder einmal ein Winzerjahrgang – und doch ganz anders als die Jahre davor. In der Entwicklung bis Spätsommer zeigen sich – teils zeitversetzt – ein paar Ähnlichkeiten zum Jahrgang 2021. Der Ruhm dieses Ausnahmejahrgangs speist sich allerdings aus einem ebenso prachtvollen wie langen Altweibersommer, der dem Jahr 2025 eindeutig abging. 

Insbesondere für die Sorten der Muskateller-Familie ist das herbstliche Wetter von großer Bedeutung, denn gerade Gelber (und Roter) Muskateller ist anfällig für Pilzinfektionen wie Botrytis und weniger erquickliche Formen des Pilzbefalls. Essenziell sind bei diesen Sorten Weingartenhygiene sowie Selektion und Erntezeitpunkt. Während Muskat Ottonel durchaus auch empfänglich für Pilzbefall ist, spielt dieser bei den pilzwiderstandsfähigen Sorten klarerweise wenig Rolle.

Da Muskateller – je nach Klon – im Allgemeinen durchaus gute Erträge bringen, empfahl sich darüber hinaus in dem vielerorts mit reichlich Ansatz gesegneten Jahr 2025 beherztes Ausdünnen, da ein hoher Behang drohte, die Reife zu verzögern und im Extremfall eine ausreichende Gradation gar nicht erreicht werden konnte.

Der Erntezeitpunkt schließlich richtete sich bei Muskateller nach Gebiet oder Region sowie dem angestrebten Weintypus – die frühesten Exemplare wurden folglich bereits Ende des heißen Monats August eingebracht, die spätesten Exemplare erst im Oktober. Erfolgreich konnte man mit der einen wie der anderen Strategie sein.

Dezent und gediegen in Aromatik und Körperbau

Für die große Vinaria Verkostung Muskateller & Co. 2026 wurden mehr Weine eingereicht als je zuvor: insgesamt beinahe 170 Vertreter aus dem Jahrgang 2025, wobei die Sorte Gelber Muskateller den überragenden Anteil ausmachte.

Das Jahr mit seinem speziellen Klima scheint der gesamten Muskateller-
Gruppe einen Jahrgangsstempel insofern aufgedrückt zu haben, als dass die sich überwiegende Anzahl an Weinen hinsichtlich Aromatik dezent und in Sachen Körperbau schlank präsentiert – nur sehr wenige Ausnahmen bestätigen die Regel. Um diesen etwas zarteren Typus perfekt rüberzubringen, war es jedoch wesentlich, glockenklare Weine mit vorbildlicher Transparenz zu erzeugen. 

Jahrgangsbedingt spielten Zitrusnoten eine markante Rolle, dazu Kernobst in Gestalt von Quitten und Birnen, Holler- und sonstige Blüten sowie Kräuter; einige Vertreter brachten traminerhafte Aromen ins Spiel.

Paul Stierschneider vor Niki Windisch und Silke Mayr

In den Spitzenrängen dominierte heuer Niederösterreich, mehrheitlich von Sortenspezialisten besetzt. An der Spitze landete der Wachauer Muskateller-Zauberer Paul Stierschneider mit seinem prägnanten aromatischen Gelber Muskateller Guglzipf vor Niki Windisch mit seinem Sätzen Privat mit dezentem Holzeinsatz, der schon mehrfach gewonnen hat. 

Die Drittplatzierte Silke Mayr ist mit ihrem Sortenvertreter ebenfalls regelmäßig im Spitzenfeld, wobei der 2025 sich durch besonders eleganten Schliff auszeichnet. Obwohl sein Herz vorwiegend bei Veltliner und Riesling liegt, macht Matthias Hirtzberger auch richtig guten Wachauer Muskateller und bei Rudi und Anita Schwarzböck zählt der stets glockenklare leichtfüssige Vertreter sowieso seit jeher zu den Rennern. 

Im weiteren Spitzenfeld befinden sich mit Salomon Undhof aus Krems-Stein, Nina Holzmann aus Bad Pirawarth, Sebastian Jatschka aus Stetten und Johannes Schwarzl – als bestplatziertem Steirer – erfahrene Kenner und Könner der Sorte. 

Lentsch hat besten Muskat Ottonel, Josef Scharl besten Muscaris

Doch auch dahinter folgen mit jeweils knappen Abständen zahlreiche wunderbare wie empfehlenswerte Vertreter, wobei das Seegut Lentsch den besten Muskat Ottonel, Josef Scharl mit Muscaris den besten Piwi stellte.

 

Topliste Muskateller & Co.

16,9Paul Stierschneider Urbanushof2025 Gelber Muskateller Guglzipf WA
16,7Niki Windisch2025 Gelber Muskateller Ried Satzen Privat NÖ
16,4Vorspannhof Mayr2025 Gelber Muskateller NÖ
16,3Matthias Hirtzberger2025 Muskateller Federspiel WA
16,3Weingut R. & A. Schwarzböck2025 Gelber Muskateller NÖ
16,2Salomon Undhof2025 Gelber Muskateller NÖ
16,1Nina Holzmann2025 Roter Muskateller NÖ
16,1Sebastian Jatschka2025 Gelber Muskateller Kirchen NÖ
16,0Familie Lackner2025 Gelber Muskateller Ried Kalvarienberg WST
16,0Weingut Steininger2025 Gelber & Roter Muskateller NÖ
15,9Weingut Baier2025 Gelber Muskateller NÖ
15,9Weingut Paul Stierschneider Urbanushof2025 Gelber Muskateller Ovillus WA
15,8Weingut Eder2025 Muskateller NÖ
15,7Oberer Germuth2025 Gelber Muskateller SST
15,7Kollerhof – Familie Lieleg2025 Gelber Muskateller Eichberg SST
15,7Seegut Lentsch2025 Muskat Ottonel BG
15,7Weingut Rixinger2025 Muskateller WA
15,7Weinhof Josef Scharl2025 Muscaris Klassik ST
15,6Weingut Taferner2025 Gelber Muskateller NÖ

 

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Eine aromatische Verlockung aus Wösendorf boten Hanna und Mathias Hirtzberger mit ihrem Federspiel © Pamela Schmatz
Sortenspezialisten aus Bad Pirawarth: Karl und Nina vom Weingut Holzmann. © Weingut Holzmann
Muskateller-Kompetenz aus Hagenbrunn: Katharina, Philipp, Rudi und Anita Schwarzböck. © Marton Weber
Jahrelange Muskateller-Kompetenz in Langenlois haben die Steiningers (v.l.): Brigitta, Karl, Eva und Peter Steininger © Weingut Steininger
Sebastian und Sabrina Jatschka aus Stetten glänzten mit ihrem Muskateller Kirchen. © Weingut Jatschka
Muskateller-Spezialisten: Birgit und Harald Lieleg vom Kollerhof mit Hanna und Max. © Weingut Kollerhof
Nicht nur beim Schilcher, auch beim Muskateller Spitze ist Christoph Lackner aus Krottendorf-Gaisfeld. © Weingut Lackner
Markus und Thomas Lentsch vom Seegut Lentsch überzeugten mit Muskat-Ottonel. © Seegut Lentsch
Martin Eder vom Gedersdorfer Weingut Eder. © Weingut Eder
Stefan und Herbert vom Weingut Oberer Gerrmuth brillierten mit ihrem Gebietswein. © Nikola Milatovic
Der Wachauer Muskateller-Zauberer Paul Stierschneider holte mit seinem prägnanten aromatischen Gelber Muskateller Guglzipf den Sieg in der großen Vinaria Sortenverkostung. © Pamela Schmatz
Der Muskateller von Robert und Marietta Keringer war unter den Preis-Leistungs-Hits. © Weingut Keringer
Ein bildhübscher Sortenvertreter aus Krems-Stein vom Weingut Salomon Undhof: Bert und Gertrud mit Nachfolgern Fanny und Bert. © Susanne Hassler Smith
Geheimtipp Josef Baier glänzte mit seinem Muskateller aus Niederrußbach. © Weingut Baier
Katharina und Johannes Schwarzl aus Ottenberg bei Ehrenhausen überzeugten mit ihrem Gelbem Muskateller Südsteiermark. © Nikola Milatovic
Josef und Andrea Scharl überzeugten mit ihrem Muscaris. © Sophie Kirchner
Einer der bekanntesten Muskateller Österreichs stammt aus Carnuntum vom Weingut Taferner, im Bild Caro Taferner. © Julius Hirtzberger