Riesling-Sieger Herwig Jamek punktet mit einem herrlichen Wein aus der Wachauer Paradelage Ried Klaus und holt sich die große Vinaria Verkostung „mittelgewichtiger“ Rieslinge bis 12,5 Volumenprozent. Im Interview über Wein, Riede & Potenzial sowie die Zukunft von Steinfeder, Federspiel und Smaragd.

2025 Ried Klaus Federspiel WA © Weingut Jamek

Vinaria: Die Ried Klaus ist untrennbar mit der Familie Jamek verbunden und zählt zu den großen Lagen der Wachau. Wie kam es dazu?

Herwig Jamek: Josef Jamek hat Mitte der 50er Jahre den Hauptteil der Ried Klaus gekauft und damit begonnen, die zum Großteil verfallenen Terrassen neu aufzubauen. Es wurden tausende Quadratmeter Natursteinmauern errichtet. Ein Projekt, das ihn bis in die 90er Jahre begleitete. Der erste von Josef Jamek aus der Ried Klaus abgefüllte und mit der Lage bezeichnete Wein war Jahrgang 1959. Die Ernte von Federspiel und Smaragdweinen hat mit der Einführung der drei stilistischen Weinkategorien der Vinea Wachau begonnen. Federspiel seit 1986 und Smaragd seit 1988.

Vinaria: Der Name Ried Klaus stammt woher?

Herwig Jamek:Der Name der Ried Klaus leitet sich übrigens von „Klause“, der Bezeichnung für einen schluchtartigen Engpass eines Tales im Alpenraum ab. Bis zum Bau der Bundesstraße entlang der Donau im Jahr 1957 reichte die Ried Klaus nämlich noch bis zum Donauufer.

Vinaria: Was sind die wichtigsten Charakteristika der Ried Klaus und warum wird dort überwiegend Riesling angebaut?

Herwig Jamek: Die Ried Klaus ist nach Südosten ausgerichtet. Der Boden besteht aus Paragneis und Migmatit-Amphibolit mit nur einer dünnen bis etwa zwei Meter dicken Vegetationsschicht darauf. Da die Weinstöcke nicht in den Gneis einwurzeln können, müssen sie mit dem kargen Angebot des Oberbodens zurechtkommen. Die Paradesorte dafür ist eben der Riesling, der mit genau diesen Bedingungen gut zurechtkommt. Aus diesem Grund wurden über Jahrzehnte die am besten geeigneten Stöcke vermehrt und in diese Lage gepflanzt.

Vinaria: Stammt das Klaus Federspiel aus einem spezifischen Bereich oder stellt es eine Traubenselektion dar?

Herwig Jamek: Federspiel aus der Klaus wird meist in den ersten Oktoberwochen ausgelesen und etwas später die Smaragde, abhängig von Reifegrad und Wetter. Einen speziellen Bereich im Weingarten dafür gibt es nicht. Die Trauben von jüngeren Stöcken finden sich jedenfalls im Federspielwein.

Vinaria: Wie war die Lese und wann der Lesezeitpunkt?

Herwig Jamek: Im Jahr 2025 wurde nach dem Regen im September der Federspielwein von 8. bis 14. Oktober geerntet. Der Ertrag war im Jahr 2025 durch den Regen doch wesentlich kleiner als üblich. Der Selektionsaufwand war allerdings sehr hoch. Die durch den Regen geschädigten Beeren wurden ausgelesen und durften nicht mit in den Keller. 

Vinaria: 2025 war etwas später reifend, wie war der Jahrgang aus Ihrer Sicht?

Herwig Jamek: Die durch den Septemberregen kleinere Ernte im Jahr 2025 hat sich in der hohen Qualität der Trauben bemerkbar gemacht. Die Säurewerte waren wunderbar und es war ein Vergnügen, im Rahmen der Vinifikation speziell beim Riesling damit arbeiten zu können. 

Vinaria: Wie sieht es mit der Lagerfähigkeit hochwertiger Federspiele aus?

Herwig Jamek: Aktuell bieten wir in unserem Restaurant auch Ried Klaus Riesling Federspiel Jahrgang 2016 an. Ein Wein mit einer überzeugenden Frische und Balance. Dies zeigt, dass sich auch Federspielweine nach zehn oder mehr Jahren Lagerung noch von ihrer besten Seite zeigen können.

Vinaria: Steinfeder, Federspiel und Smaragd – wie sehen Sie deren Bedeutung im Wandel der Zeit?

Herwig Jamek: Die mittlere Kategorie Federspiel ist für uns die wichtigste der drei stilistischen Weinkategorien der Vinea Wachau, weil diese Weine nahezu immer passende „Allrounder“ und wunderbare Speisenbegleiter sind. Die Kategorie Steinfeder hat die Wachau in den 80er Jahren bekannt gemacht, weil es der erste Leichtwein Österreichs war. Als Mitgliedsbetrieb der Vinea Wachau haben wir versucht, in möglichst allen Jahren Steinfeder, Federspiel und Smaragdweine zu vinifizieren, um alle drei Kategorieweine anbieten zu können. Tatsächlich gab es in den vergangenen Jahren bei vielen Kollegen eine merkliche Bewegung weg von der Steinfeder und hin zum Federspiel und teilweise auch vom Federspiel hin zum Smaragd. Je später gelesen und je mehr Extrakt der Wein zeigen konnte, desto beliebter war er. In einer Zeit, in der aber viele Kunden nach Leichtweinen suchen, gehe ich davon aus, dass es in Zukunft wieder mehr Steinfederweine geben wird.

 

 

Topliste Riesling bis 12,5 % 

17,1Weingut Jamek2025 Ried Klaus Federspiel WA
17,0Weingut Bründlmayer2025 Ried Steinmassl 1ÖTW KA
16,7Weingut Eichinger2025 Zöbing Riesling KA
16,3Weingut Müller2025 Riesling Klöch Basalt VLST
16,3Weingut Am Berg2025 Riesling Mittelberg KA
16,3Weingut Steininger2025 Riesling Langenlois KA
16,2Schloss Gobelsburg2025 Schlosskellerei Gobelsburg Urgestein Riesling KA
16,2Weinhofmeisterei Hirtzberger2025 Zier Federspiel Riesling WA
16,2Weingut Unger2025 RI Furth KR
16,1Vorspannhof Mayr2025 Riesling Ried Kremsleithen KR
16,1Weingut Rabl2025 Langenlois Riesling KA
16,0Weingut Preiß 2025 Riesling Ried Pletzengraben TR
16,0Weingut Karner2025 Inzersdorf Riesling TR
16,0Weingut Öhlzelt2025 Ried Kogelberg KA
16,0Weingut Sigl 2025 Riesling Federspiel Rossatz WA

 

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