Ex‑Mitarbeitende berichten von Angstkultur und Missständen: das Kopenhagener Spitzenrestaurant Noma, über Jahre hinweg eines der einflussreichsten Restaurants der Welt, steht seit wenigen Tagen erneut im Zentrum massiver Kritik. Ausgerechnet kurz vor dem Start des Noma Pop Ups in Los Angeles.

Mehrere ehemalige Mitarbeitende haben in sozialen Netzwerken schwere Vorwürfe gegen den Betrieb und dessen Mitgründer sowie Küchenchef René Redzepi erhoben. Auslöser der aktuellen Debatte ist eine öffentliche Kampagne unter dem Hashtag #NomaAbuse. Die Vorwürfe beruhen bislang auf anonymen Erfahrungsberichten, deren Wahrheitsgehalt ohne Informationen über weitere Details nicht ohne Weiteres von außen überprüft werden kann. Behördliche Ermittlungen oder gerichtliche Feststellungen sind nach derzeitigem Stand nicht bekannt. Es gilt die Unschuldsvermutung. Eine Entgegnung von Noma oder Eigentümer René Redzepi liegt bislang nicht vor.

Kultur der Angst, Demütigungen, Gewalt, Psycho-Druck

Die jüngsten Anschuldigungen gingen von Jason Ignacio White aus, der zwischen 2017 und 2022 das Fermentationslabor des Restaurants leitete. White veröffentlichte auf Instagram eigene Schilderungen sowie anonyme Aussagen weiterer früherer Teammitglieder und verwies auf die Website noma‑abuse.com, auf der es heißt, es seien gegenwärtig 38 anonyme Erfahrungsberichte gesammelt worden. 

Anschuldigungen auch gegen René Redzepi persönlich

Die Bandbreite der erhobenen Vorwürfe ist groß. Ehemalige Mitarbeitende sprechen den auf der Website veröffentlichten Texten zufolge von einer „Kultur der Angst“, massivem psychischem Druck und Demütigungen im Arbeitsalltag. Darüber hinaus wird über angebliche körperliche Übergriffe, mangelhafte Reaktionen auf Arbeitsunfälle, medizinische Vernachlässigung sowie sexuelle Übergriffe geschrieben. Mehrere anonyme Berichte richten sich dabei ausdrücklich gegen René Redzepi persönlich. Auch eine angebliche „Blacklist“ für missliebige Praktikanten wird erwähnt.

Darüber hinaus enthalten einzelne anonyme Berichte auf der Website Schilderungen von sexuellen Übergriffen und unangemessenem Verhalten durch Vorgesetzte. Betroffene werfen dem Management vor, Beschwerden intern ignoriert oder relativiert zu haben. In mehreren Aussagen wird zudem behauptet, wer Kritik äußere, müsse mit beruflichen Nachteilen rechnen, etwa durch informelle Warnungen innerhalb der Branche. Eine offizielle Stellungnahme des Restaurants Noma zu den neuesten Vorwürfen liegt bislang nicht vor. Ebenso gibt es derzeit keine bestätigten juristischen Schritte oder Untersuchungen seitens der dänischen Behörden. 

Skandal um unbezahlte Praktika schon 2022

Das Noma steht wegen harter Hierarchien und Arbeitsbedingungen seit längerem in der Kritik. Bekannt ist insbesondere die frühere Praxis unbezahlter Praktika, die international eine Debatte über Ausbeutung in der Spitzengastronomie auslöste. Das Noma führte erst ab 2022 eine Bezahlung für sogenannte Stagiaires ein. René Redzepi selbst hatte zudem bereits 2015 öffentlich eingeräumt, sich gegenüber Mitarbeitenden unangemessen verhalten zu haben, und von Mobbing sowie aggressivem Umgangston gesprochen. 

In Kürze gastiert das Noma – Vinaria berichtete - in Los Angeles (Kalifornien). Das mehrmonatige Pop Up gastiert in Los Angeles und wird ein Degustationsmenü zum Preis von 1500 Dollar anbieten (1250 Euro). Das relativ große Medienecho darauf hatte die Berichte über die angeblichen Misstände befeuert.

Quellen: noma‑abuse.com; Redaktion; Eater (New York); restaurant-ranglisten.de