Vor 30 Jahre hat Carlo Petrini, Mitbegründer von Slow Food, den ersten Weinguide Italiens auf den Markt gebracht, ein Vorläufer der bekannten Weinbibel Gambero Rosso. Am Sonntag hob Petrini die Slow Wine Coalition aus der Taufe.

Drei Jahrzehnte hat es gedauert, die Slow Wine Coalition zu gründen, die sich vergangenes Wochenende erstmals in Bologna (Emilia Romagna) einer breiten Öffentlichkeit vorstellte. Rund 600 Winzer aus 12 Länder - das Gros stammt aus Italien - präsentierten sich auf der Slow Fair, die noch bis 29. März 2022 läuft. Das Weingut Weszeli aus dem Kamptal repräsentierte dabei als einziger Betrieb Österreich.

Weintrinker der Zukunft mit anderen Ansprüchen

Für Carlo Petrini ist Slow Wine der Eintritt in eine neue Phase des Weinbaus. Denn „Wer sind die Konsumenten von morgen? Das sind jene jungen Leute, die heute auf die Straße gehen, um auf die Folgen des Klimawandels aufmerksam zu machen. Sie werden andere Ansprüche an die Winzer und die Weine stellen.“ 

Wenig überraschend mag sein, dass die drei Säulen von Slow Wine - ganz der Philosophie von Slow Food enntsprechend - nachhaltiger Anbau, Schutz der Landschaft und soziale Integration sind. Aber auch das Thema Kooperationen nimmt einen wesentlichen Part im Manifest ein, das vergangenes Jahr nach jahrelanger Vorbereitungszeit mit Experten aus unterschiedlichsten Fachgebieten erstmals präsentiert wurde.

Kooperationen vom Erzeuger bis zum Konsumenten

„Kooperation ist wichtig“, so Petrini: „ In den vergangenen Monaten haben Online-Verkäufe stark zugelegt, aber allein davon kann ein Winzer nicht leben. Wenn ich mir die Dörfer in meiner Heimatregion, der Langa, ohne Restaurant und Vinotheken vorstelle - das funktionriert nicht. Barolo und Barbaresco können nicht nur vom Export alleine überleben.“ Umso wichtiger ist die Zusammenarbeit aller Protagonisten, begonnen beim Winzer über Restaurants, Hotels, Sommeliers bis hin zum privaten Geniesser.

Giancarlo Gariglio, Mastermind des Slow Wine Guides, ist sich bewusst, dass für die Winzer die Investitionen in den bilogischen beziehungsweise biodynamischen Weinbau erheblich sind, aber es ist eine Investition in die Zukunft.

Das Manifesto der Slow Wine Coalition
- 70 Prozent  der Trauben müssen aus dem eigenen Weinbau stammen
- Kein Einsatz von chemischen Düngemitteln und Herbiziden
- Keine Techniken für die physikalische Mostkonzentration
- Sulfite: die von der EU festgelegte Grenze für den Einsatz von Sulfiten darf nicht überschritten werden
- Zusammenarbeit in der Region des Betriebes muss forciert werden
- Biodiversität im Weingarten soll gefördert werden 

Meistgefährdetster Priester Italiens

Die Auftaktveranstaltung ging unter größten Sicherheitsvorkehrungen über die Bühne. Nicht nur wegen der Ikone Carlo Petrini, sondern auch wegen des wohl meistgefährdetsten Priesters Italiens: Don Luigi Ciotti gilt als Vorkämpfer gegen die Mafia und deren ausbeuterische Praktiken vor allem in der Landwirtschaft Süditaliens. Von sklavenartigen Arbeitsbedingungen in Gütern der Mafiosi bis zu Schutzgelderpressung und Betrug bei den Produkten. Don Luigi Ciotti ist in seiner Mission auch Präsident der Liberia Produzione Agricole e legalita.

1995 gründete Ciotti die Antimafia-Zeitschrift Narcomafie und im selben Jahr die Antimafia-Organisation Libera („frei“). Ciotti hatte die Idee, Ländereien und Immobilien, welche sich die Mafia angeeignet hatte, der Zivilgesellschaft zurückgegeben und an gemeinnützigen Organisationen zu übergeben. Er sitzt bis heute der Organisation als Präsident vor. Libera ist Dachorganisation von über 1300 Vereinen und Bürgerinitiativen, die sich in ganz Italien gegen die Mafia einsetzen. Der Organisation wurden von Staats wegen mehrere Hundert Hektar von Mafia-Mitgliedern beschlagnahmten Grundbesitzes übertragen. Libera betreibt auf diesem Land mit ehemaligen Kriminellen, Drogenabhängigen sowie mit Arbeitslosen und Mafiaaussteigern landwirtschaftliche Betriebe. Mehrfach waren die Projekte das Ziel von Anschlägen durch die Mafia.

Nach Morddrohungen der Mafia gegen Ciotti steht der in Turin lebende Priester unter ständigem Polizeischutz. Rund zehn Polizisten überwachen ihn rund um die Uhr, damit ist er intensiver geschützt als die meisten italienischen Mafia-Ermittler.

 

Alexandra Salvinetti

Carlo Petrini, Slow Food und Slow Wine Gründer © Pasquale Minopoli
Don Luigi Ciotti, der meistgefährdetste Priester Italiens und Anti-Mafia-Vorkämpfer © Pasquale Minopoli
Einziges Slow Wine-Mitglied aus Österreich: David Weszeli aus dem Kamptal © Weingut Weszeli