Nach einem ungewöhnlich frühen Austrieb in vielen Regionen Frankreichs nach einem warmen und feuchten Winter führte ein Kälteeinbruch Anfang April 2026 zu teils starken Frostschäden in der Champagne, in Chablis und anderen Regionen. Auch Hochwasser macht Winzern zu schaffen.

Vom Frost erfrorene Knospe an einem Rebstock in der Champagne. © DR

Selbst wenn die Knospen an den Rebstöcken der Champagne nicht sichtbar sind, macht der bereits wahrgenommene Schaden das Jahr 2026 zu einem der schwersten Frostjahre in der Geschichte der Champagne: "Wir sehen Parzellen, die zu 100 Prozent gefroren sind, es gibt eigentlich keine Bereiche, die unberührt blieben“, sagt Maxime Toubart, Präsident der General Union of Champagne Winzers (SGV). Jeder fünfte Betrieb sei zur Gänze betroffen. An manchen Orten blieb vom ersten Frost des Jahres 2026 nicht mehr viel übrig.

Glimpflich davongekommen ist die Côte des Blancs mit dem Departement Aisne und dem Marne-Tal. Schwer betroffen sind auch Teile in Chablis (mit Temperaturen von minus 6 Grad Celsius), Jura und Var, teilweise Loire und Elsass, Savoyen und Gironde. „Es ist eine Katastrophe, es ist pure Verzweiflung", seufzt Winzer Thierry Mothe, Vizepräsident von Chablis AOC

80 Zentimeter Wasser zwischen den Reben: Winzer arbeitet im Kajak

"Angesichts der physiologischen Fortschritte, die wir an den Weinreben sehen, sagte ich mir, ich muss eine Lösung finden, weil ich nicht länger zuwarten kann“, sagt Lionel Tisseyre, ein Wein- und Olivenbauer mit Sitz in Ornaisons (Region Aude, Languedoc; Südwestfrankreich). Mehrere hundert Meter lange Weinkulturen standen bei ihm seit Wochen 80 Zentimeter unter Wasser – nach einer massiven Überflutung konnte das Wasser nicht abfließen und versickerte im durchtränken Boden kaum.

Der Weinbauer holte kurzerhand sein Kajak aus der Garage und machte sich paddelnd zwischen den Rebzeilen an die Arbeit. Schon zuvor konnte er weitere zehn Hektar Rebflächen nur mit hohen Gummistefel zum Rebschnitt durchwaten. Sein Hobby, das Kajakfahren und Paddeln, kam dem findigen Lionel Tisseyre dabei zugute.

Für den Fall, dass die Parzellen noch länger nicht mit Traktoren zu befahren sind, hat die Winzervereinigung von Aude bereits eine Ausnahmegenehmigung beantragt, um mit Drohnen behandeln zu dürfen.

Quelle: vitisphere.com