Das der Stadt Wien gehörende Weingut Cobenzl steht nach einem Zeitungsbericht im Verdacht, konventionell produzierten Wein mit Bio-Siegel in den Handel gebracht zu haben. Die Stadt Wien dementiert den „Schwindel“ scharf und möchte rechtlich dagegen vorgehen.

Laut Recherchen der Tageszeitung Kurier wurde die Hälfte der 60 Hektar Rebfläche seit 2024 wieder konventionell bewirtschaftet. Als Grund gibt die zuständige Magistratsabteilung MA 49 (Klima, Land- und Forstwirtschaft) der Stadt Wien „betriebsstrategische Gründe“ an. Ein ehemaliger Mitarbeiter habe zuvor synthetischen Dünger auf den rund 30 Hektar Rebflächen am Bisamberg (nördlich der Donau) ausgebracht, was im Zuge einer regelmäßigen Qualitätskontrolle aufgefallen sei. 

Ex-Mitarbeiter hatte teilweise synthetisch gedüngt

Laut der Stellungnahme der MA 49 erfolgte sofort eine Meldung über die Umstellung auf konventionelle Bewirtschaftung aus Parallelerzeugung an die Wiener Landwirtschaftskammer sowie die Biozertifizierungsstelle. Die MA 49 schließt daher aus, dass Cobenzl-Wein mit biologischer Auszeichnung in den Handel gekommen sei. 

Allerdings wurde laut Kurier noch zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Beitrages in der Interspar Weinwelt ein „Grüner Veltliner Bisamberg 2024“ mit Bio-Siegel angeboten. Dieser wurde mittlerweile von den Webshops des Händlers und des Weinguts entfernt.

Intrige von innen deckte Skandal auf

Warum der Kurier sich in auffälliger Breite dieser Sache annahm, bleibt offen. Logische Erklärung wäre wohl ein „Zund“. Just im Jahr 2024 kam es im Weingut Cobenzl zu einem Staub aufwirbelnden Wechsel an der Spitze: Thomas Podsednik, der 2024 nach 37 Jahren und großen Erfolgen das Weingut Cobenzl überraschend verlassen musste, betont, dass er nur bis April 2024 Betriebsleiter gewesen sei. „Bis dahin war alles Bio“, erklärte er. Podsednik, der mittlerweile Geschäftsführer des Wiener Weinguts Mayer am Pfarrplatz ist, schweigt über die Gründe seines Weggangs.

Fachmedien berichteten damals, dass sein Wunsch nach Ausgliederung von der MA 49 in eine eigene Gesellschaft, um flexibler agieren zu können, ausschlaggebend gewesen sei. Er legte sich damit mit seinem direkten Chef, dem mächtigen Wiener Forstdirektor an und zog den Kürzeren. Auffällig, dass wenig später auch der Forstdirektor seinen Hut nehmen musste und seitdem in anderer Verwendung der Stadt Wien dient.

Weingut Cobenzl wieder am Weg zur kompletten Zertifizierung

Die betroffenen Rebflächen befinden sich wieder in Umstellung auf biologische Bewirtschaftung. Diese kann aber frühestens 2028 abgeschlossen werden. Der Kurier schätzt daher, dass dem Weingut dadurch bei einer Gesamtproduktionsmenge von 320.000 Litern in vier Jahren rund eine Million Euro Einnahmen entgehen. Bio-Wein könne – so die Annahme des Kurier - für rund 1,50 Euro pro Liter teurer als konventioneller verkauft werden. In dieser Zeit müsse der Betrieb nach Bio-Richtlinien arbeiten, erziele ohne Zertifikat aber nicht den entsprechenden Preis.

Brancheninsider meinen indes, dass nicht nur das Weingut Cobenzl von solchen Problemen geplagt wird. Nur selten fällt das allerdings auf, was wieder die Annahme eines „Zunds“ an die Zeitung untermauert. Dieser dürfte allerdings von „innen“, also aus dem Weingut oder aus Kreisen der Stadt Wien stammen.