Schon die alten Römer haben ihn geliebt, den Traminer, nur hieß er damals nicht so. Seine Herkunft ist unklar, als wahrscheinlich gilt Südosteuropa (vermutlich Griechenland). Namensgebend war das bekannte Weinbaudorf Tramin in Südtirol. Als „Heida“, Heidentraube, wird er 1586 im Wallis erwähnt. 

Traminer, diese sehr alte und ausgesprochen edle Varietät mit unverwechselbarem Charakter, nimmt einen Ehrenplatz im Sortenspiegel Europas ein. In vielen Qualitätsrebsorten hat sie ihren genetischen Fußabdruck hinterlassen.

Viele Jahre war es still um diesen aromatischen und gehaltvollen Wein. Es gibt ihn in verschiedenen Spielarten wie Gewürztraminer, Gelber Traminer oder Roter Traminer. In Südtirol, im Elsass und in Deutschland wird Traminer vielfach geschätzt. In Österreich gehen die Uhren etwas anders, hierzulande kommt er laut „Dokumentation Österreich Wein“ aktuell auf rund 263 Hektar, was 0,6 Prozent der gesamten Weingartenfläche entspricht, Tendenz rückläufig. 

Mit 102 Hektar entfällt der größte Anteil auf Niederösterreich, gefolgt vom Burgenland mit knapp 84 Hektar und der Steiermark mit rund 66 Hektar, wobei der Schwerpunkt im Vulkanland Steiermark liegt, genauer gesagt im Bereich um Klöch.

Traminer-Hochburg Elsass

Weltweit führend im Anbau dieser an Facetten reichen Rebsorte ist unbestritten das Elsass in Frankreich, an der Grenze zu Deutschland. Aktuell sind mehr als 3.000 Hektar mit dieser Varietät bestockt, was rund 20 Prozent der gesamten Anbaufläche dieses traditionsreichen Weinbaugebietes entspricht. Es gibt ihn hier in einer großen Bandbreite – von trocken als einfacher Sortenrepräsentant über Grand Crus bis hin zu phantastischen Prädikatsweinen. Die geologischen Verhältnisse ändern sich in diesem Land innerhalb kürzester Distanzen. Diese Bodenverhältnisse spiegeln sich in den Weinen wider, was für Abwechslung sorgt.

Schon lange in Deutschland

Laut DWI (Deutsches Weininstitut) betrug die Anbaufläche für Traminer im Jahr 2023 etwas mehr als 1.100 Hektar, was rund ein Prozent der gesamten deutschen Rebfläche entspricht. Primär wird Gewürztraminer angebaut, wobei die Schwerpunkte in der Pfalz, in Baden und in Rheinhessen liegen. Historische Dokumente belegen, dass die Sorte bereits im 16. Jahrhundert als solche bekannt war. Im pfälzischen Weindorf Rhodt findet sich noch heute ein sortenreiner, etwa 400 Jahre alter Weingarten für Gewürztraminer.

Südtirol namensgebend

Im Weinbaudorf Tramin trat die Rebsorte im 11. Jahrhundert nachweislich unter der Bezeichnung Traminer in Erscheinung. Die hier aus dieser Traube gekelterten Weine waren gefragt und fanden bald Verbreitung in Mitteleuropa, weshalb „Traminer“ im deutschsprachigen Raum bereits im 13. Jahrhundert ein Begriff war. Aktuell sind rund 620 Hektar – oder elf Prozent der gesamten Anbaufläche Südtirols – dem Gewürztraminer gewidmet.

In Südtirol wird seit einiger Zeit großer Wert auf frische Säure gelegt. Heute fahren die Kellermeister eine straffere, elegantere und fruchtbetonte Linie, was dem Zeitgeist entspricht und den Traminer zu einem der beliebtesten Weißweine Italiens gemacht hat, insbesondere als Begleiter von Krustentieren, Muscheln und orientalischen Gerichten.

Die Genetik der Rebsorte Traminer

Unabhängig voneinander in Italien, Frankreich, Deutschland und Österreich durchgeführte DNA-Analysen beweisen, dass die französischen Sorten Savagnin Blanc (Weißer Traminer), Savagnin Rosé und Gentil Rosé Aromatique, die Schweizer Sorten Heida, Heidarot und Païen, der italienische Traminer Aromatico und alle im deutschsprachigen Raum als Traminer bezeichneten Sorten praktisch identisch sind, um nur einige zu nennen.

Geschmackliche Eigenschaften

Weine aus der Rebsorte Traminer sind extraktreich und ausgesprochen aromatisch. Sie erinnern an Rosenblüten, Rosenholz, Zitrus, Melonen, helles Steinobst, Kokos, Kräuter, getrocknete Holunderblüten, Gewürznelken, Dörrobst und tropische Früchte, allen voran Litschi, und mitunter auch an Marzipan. Alleine am Bukett ist diese Varietät vergleichsweise leicht zu erkennen. Sie transportiert die Charakteristika der jeweiligen Böden recht klar. 

 Traminer ist sehr gut für süße Prädikatsweine geeignet, auch trocken und halbtrocken ausgebaut üben die stroh- bis goldgelben Weine großen Reiz aus, insbesondere als vielseitig einsetzbare Speisenbegleiter. Zudem entpuppen sie sich nicht selten als Langstreckenläufer mit Potenzial für längere Lagerung. 

Wichtige Merkmale

Die Trauben des Traminers sind vergleichsweise klein, kegelförmig, geschultert und von mittlerer Dichte. Die Beeren lagern viel Zucker ein, sie sind rund bis oval, sie reifen – abhängig von der Herkunft – mittelspät bis spät, ihre Haut ist dick und von gelber bis rot-grauer Farbe. Das bringt uns zu den Sortenbezeichnungen. Je nach Beerenfarbe werden verschiedene Spielarten mit feinen Geschmacksnuancen unterschieden: Roter Traminer für Trauben mit roten Beeren, Gelber Traminer für gelbliche Früchte, Gewürztraminer für hellrote bis gelb-rosafarbene Beeren. Als Überbegriff ist Gewürztraminer generell zulässig und gebräuchlich.

Die Blätter sind klein, rundlich, fünflappig und wenig gebuchtet. Traminer stellt hohe Ansprüche an den Boden und an die Lage, die wegen der Anfälligkeit auf Verrieselung besonders windgeschützt sein soll. Die Sorte liebt tiefgründige Böden. Sie ist tolerant gegenüber Winterfrost, aber wegen des frühen Austriebs durch Spätfrost gefährdet. Eine Schwachstelle ist die hohe Empfindlichkeit gegenüber Chlorose, Pilzkrankheiten lassen Traminer eher kalt.