Mit 42 Grünen Veltlinern Federspiel, viele davon bereits Wachau DAC, war diese große Verkostung unter Beteiligung von Vinaria eine Nabelschau der Kategorie aus dem herausfordernden Jahrgang 2020. Die Weine stammten von beiden Ufern der Wachau.

Georg und Josef Högl © Weingut Högl

Die mittelgewichtigen Grünen Veltliner bis 12,5 % vol. Alkohol sind so etwas wie die Butterbrotweine der Wachau. Sicher die mengenmäßig stärkste Kategorie der Wachauer Weine. Ohne Worthülsen wie Cup, Grand Prix und ähnliches strapazieren zu müssen, wurde für die Verkostung ein sehr beispielhafter Querschnitt aus der aktuellen Wachauer Winzerszene zusammen gestellt.

Dem Jahrgang entsprechend gestaltete sich die Probe sehr durchwachsen, immerhin vier Federspiele schafften in der Bildverkostung der Jury jeweils 4 Sterne nach dem Vinaria-Ranking und damit 16,5 oder mehr von 20 Punkten. Was sehr ansehnlich ist. Der Siegerwein holte sogar knapp 5 Sterne. Am anderen Ende der Skala gab es allerdings auch eine nennenswerte Anzahl schwächelnder bis sogar fehlerhafter oder zumindest sortenuntypischer Weine; vor allem der gefürchtete „Böckser“ hatte sich dort und da eingeschlichen (Die Gründe für diesen Weinfehler beleuchtet ein Beitrag in der Rubrik Weinwissen in der aktuellen Vinaria Ausgabe 2/21 mit dem Titel „Der Ziegenbock im Wein“).

Högl siegt mit Ried Schön

Zurück zur Federspiel-Verkostung am vergangenen Wochenende. Im „kleinen Finale“ der zehn Bestplazierten setzte sich ein echter Sir der Wachauer Winzerelite durch: Josef Högl aus Vießling im Spitzer Graben mit seinem Federspiel-Klassiker Grüner Veltliner Ried Schön; er holte noch dazu als einziger 17,5 Punkte und damit fünf Sterne!

Auf den Plätzen 2 bis 5: Johann Donabaum aus Spitz mit seinem Peunt vor Georg Frischengruber aus Rossatz mit seinem Frauenweingarten und Jameks Achleiten (Weißenkirchen/Joching) sowie Manfred Konrad aus Unterloiben mit seinem Klostersatz. Auf den weiteren Rängen: der sehr verlässliche Paul Stierschneider (Frauenweingarten) und der junge Simon Gattinger (Klostersatz), beide aus Loiben, vor Franz Pichler jun. mit seinem PAX (Wösendorf) und Martin Mittelbach vom Tegernseerhof in Loiben mit seiner Supperin. F.X. Pichler komplettierte mit dem Klostersatz die Top 10. (Das Weingut F.X. Pichler verwendet nach dem Austritt aus der Vinea Wachau die Marke Federspiel nicht mehr.)

Immerhin bis zum 25. Platz wurden Punktewertungen erzielt, die für jeweils 3 Sterne reichten, was ein sehr solides Mittelfeld bedeutet. Die Weine kamen – in alphabetischer Reihenfolge – von Alzinger, Eder, Franz-Josef Gritsch, Hitzberger, Jäger, Karthäuserhof, Knoll, Lehensteiner, Franz Pichler, Prager, Polz, Schmelz, Schloss Dürnstein und Sigl.

Einmal mehr liegt die Betonung auf dem herausfordernden Jahrgang 2020. Dieser gestaltet sich in der Wachau – wie in ganz Österreich – als durchaus trinkfreudig mit gutem Fluss, eine durch die Bank nicht üppig ausgeprägten Frucht und einer oftmals sehr präsenten Säurestruktur. Die Weine eignen sich zum Konsum ab sofort bis Ende 2022.

FEDERSPIEL
Das Federspiel ist eine registrierte Marke des Gebietsschutzvereins Vinea Wachau Nobilis Districtus, dem rund 200 der etwa 230 Wachauer Winzer und Traubenproduzenten angehören. Die offizielle Beschreibung lautet: Ein nuancenreicher und starker Charakter zeichnet diesen klassisch trockenen Wein aus. Er gilt als idealer Speisenbegleiter. Der Name "Federspiel" stammt von der Falkenjagd (zum Zurückholen des Beizvogels), eine in früheren Zeiten in der Wachau beliebte Form herrschaftlicher Jagd.

Für die etwas leichteren Weine gibt es analog die Bezeichnung „Steinfeder“, für kräftigere Weine „Smaragd“. Die drei Marken sind nicht an Rebsorten oder Lagen geknüpft. Deren Verwendung ist – wie die Mitgliedschaft in der Vinea Wachau – mit der Einhaltung des „Codex Wachau“ zwingend verbunden. Dieser regelt die Richtlinien der Weinbereitung und der Herkunft der Trauben im Weinbaugebiet Wachau.