Die deutsche Weinbranche steckt – wie auch in anderen Ländern - wirtschaftlich in einer historischen Krise: Die marktwirtschaftlichen Bedingungen seien dramatisch, heißt es in einem aktuellen Bericht des Deutschen Bauernverbands, der vor einem Winzersterben warnt.

Der Weinanbau in Deutschland gerät nach Branchenangaben weiter in Not. „Während die Ernte 2025 qualitativ als außergewöhnlich gut gilt, steckt die Branche wirtschaftlich in einer historischen Krise“, heißt es seitens des Deutschen Bauernverbands. Fassweinpreise von 40 bis 60 Cent pro Liter lägen weit unter den Produktionskosten von rund 1,20 Euro, die damit mehr als doppelt so hoch seien.

Fassweinpreise decken nicht mal halbe Produktionskosten

Deutschlands Bauernpräsident Joachim Rukwied erläutert in dem Bericht, der Weinbau sei in der größten Krise seit Jahrzehnten. „Aufgrund der schlechten Marktlage gehen wir davon aus, dass Deutschland Rebflächen in erheblichem Umfang verlieren wird.“ Der Marktanteil des deutschen Weins im Inland sei auf 41 Prozent gesunken, heißt es in dem Bericht. Zusätzlich sei der Export durch Zölle der USA als wichtigstem Absatzmarkt für deutschen Wein belastet worden. Fast zwei Drittel des deutschen Weins werden über Supermärkte verkauft – mit entsprechend niedrigem Erlös.

Zum Vergleich: in Österreich liegt der Marktanteil heimischer Weine im Inlandskonsum stabil bei rund 85 Prozent! Österreichs Winzer verfügen in der Mehrheit über ein breiteres Absatznetzwerk als ihre deutschen Kollegen, insbesondere über Gastronomie, Fachhandel, Supermärkte und Direktverkauf.

Niedrigste Erntemenge seit 2010 

Die Weinernte 2025 lag demnach mit 7,3 Millionen Hektolitern (zum Vergleich Österreich: 2,5 Mio. Hektoliter) um 16 Prozent unter dem Zehnjahresschnitt. Dies war die niedrigste Erntemenge seit 2010. Besonders betroffen sind die großen Anbaugebiete Rheinhessen, Pfalz, Baden und Württemberg, die teils Mengeneinbußen von 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gehabt haben. 

Alle 13 deutschen Anbaugebiete hätten „eine außergewöhnlich hohe Traubenqualität“ gemeldet, heißt es in dem Bericht. „Die Weine des Jahrgangs 2025 gelten als aromatisch, konzentriert und elegant. Kleine Beeren und intensive Selektion führten zu hoher Qualität, aber reduzierten Mengen.“ 

„Trinkt mehr deutschen Wein“

Zu den Schwierigkeiten am Markt kommen für die deutschen Winzer – wie auch in Österreich - strukturelle Probleme. Saisonarbeitskräfte sind kaum zu finden und die Lohnkosten steigen allgemein rasant. Besonders Winzer mit Flächen in Steillagen sind davon Länder übergreifend betroffen, da die Bewirtschaftung dort kaum mechanisiert werden kann.

Bauernpräsident Joachim Rukwied bleibt daher nur ein Appell an die Verbraucher: „Trinkt mehr deutschen Wein! Wir bieten Qualitäten, die locker mit Weinen aus Frankreich, Spanien oder Italien mithalten können.“