In seinem Heimatort Großhöflein bei Eisenstadt (Burgenland) ist Weinbaupionier Anton Kollwentz im 86. Lebensjahr verstorben. Er galt schon zu Lebzeiten als einer der ganz Großen in der österreichischen Weinbaugeschichte. Vinaria hatte Anton Kolwentz bereits im Jahr 2007 mit der Trophy für das Lebenswerk ausgezeichnet.

Margarete und Anton Kollwentz bauten das Weingut Römerhof in Großhöflein bei Eisenstadt zu einem internationalem Musterbetrieb aus. © Anna Stöcher

Von seiner frühen Jugend an war Anton Kollwentz erfüllt von Leidenschaft für den Weinbau. Mehr als 60 Jahren lang blieb er weinbaulich aktiv. Bis ins hohe Alter nämlich stand er seinem Sohn Andi, der als hoch angesehener Weinmacher den Erfolgsweg konsequent weitergeht, unterstützend zur Seite. Beglückt konnte er noch erleben, dass alle drei Enkeltöchter ihre berufliche Rolle in dem von ihm zur Spitze geführten Weinbaubetrieb gefunden haben.

Mit seiner Karriere vom Großhöfleiner Bauernbub zum international angesehenen Topwinzer war Anton Kollwentz vorbildhaft für eine ganze Winzergeneration. Zu Recht wird er immer wieder als Pionier des österreichischen Weinbaus bezeichnet. Die Gründe für den Erfolg des heute hoch geachteten Winzers sind vielfältig. 

Eine bemerkenswerte Äußerung von ihm darf in diesem Zusammenhang als Schlüsselsatz gelten: „Der Weinbau ist mein Hobby und meine Leidenschaft“. Fleiß, Gewissenhaftigkeit, Verantwortungsbewusstsein und Zielstrebigkeit sind jene Tugenden, die für seinen Berufsweg charakteristisch sind. Der eiserne Wille, etwas zu bewegen, war seit dem Beginn seiner Tätigkeit in jeder Lebensphase des Pioniers zu orten.

Kompromissloses Qualitätsstreben seit den 1950er Jahren

Was die Pionierleistungen anlangt, so ist festzustellen, dass diese sich längst nicht auf die weithin bekannten Verdienste von Anton Kollwentz punkto Cabernet Sauvignon beschränken. Allein schon dessen Qualitätsstreben seit den ausgehenden 1950er-Jahren, als es im Burgenland noch ganz wenige Weinbautreibende gab, die gehobene Qualitäten im Visier hatten, ist bemerkenswert. 

Eine herausragende Rolle spielte Kollwentz mit seinem Bemühen um die Sorte Zweigelt. Bereits im Jahr 1966, mithin zu einer Zeit, als dieser Sorte kaum jemand mehr als Schankweinqualität zugetraut hätte, war er der Erste, der ihn reinsortig in Bouteillen füllte. Wenig später wurde Zweigelt von Kollwentz in der Nobelgastronomie am Arlberg kredenzt.

„Early Champion of Blaufränkisch“

Bereits in den frühen 1970er-Jahren, als im Burgenland noch der „liebliche“ Weinausbau bevorzugt wurde, forcierte Anton Kollwentz beim Weißwein die trockene Ausbauweise und verfeinerte diese Schritt für Schritt, indem er etwa weingärtnerisch geeignete Maßnahmen setzte. Darüber hinaus zählt Anton Kollwentz zu jenen raren Pionieren, die das Potenzial des Blaufränkischen schon in den 1970er-Jahren auf ein beachtliches Niveau hoben. 

Dementsprechend wurde er von der internationalen Weinkritik als „Early Champion of Blaufränkisch“ („früher Meister des Blaufränkischen“) bezeichnet. Derselbe Stellenwert wird ihm in diesem Segment auch von der österreichischen Weinpublizistik zugewiesen. Zeit seines Berufslebens bemühte er sich, die österreichische Paraderotweinsorte Blaufränkisch auf ein immer höheres Niveau zu bringen.

Mitbegründer des österreichischen Rotwein-Wunders

Nachdem Anton Kollwentz gegen den zuvor anhaltenden Widerstand der Behörde im Jahr 1980 eine Sondergenehmigung zur Auspflanzung von Cabernet Sauvignon erwirkt und mit dieser Sorte im reinsortigen Ausbau grandiose Erfolge erzielt hatte, löste er damit in Österreich einen regelrechten Cabernet Sauvignon-Boom aus. Das in weiterer Folge rasch steigende Image von Cuvées aus internationalen Sorten, angebaut in heimischen Rieden, bewirkte einen bis dahin nicht für möglich gehaltenen austriakischen Rotweinboom. Alsbald verbreitete sich der Mythos von einem „Österreichischen Rotweinwunder“. 

Der neue Boom ging in hohem Maße auf den Erfolg von österreichischen Winzern mit Cuvées aus vorwiegend internationalen Sorten zurück. Der Aufschwung des österreichischen Rotweins wurde demnach wesentlich durch die internationalen Sorten Cabernet Sauvignon und Merlot eingeleitet. Grundgelegt hatte diese Entwicklung Anton Kollwentz, und zwar einerseits mit der von ihm erfochtenen Sonderbewilligung zur Auspflanzung des Cabernet Sauvignon in heimischen Rieden und andererseits mit seinen vorbildhaften Prämierungserfolgen.

Die Qualitätsbemühungen von Anton Kollwentz blieben nicht allein auf Rot- und Weißweine beschränkt. 1963 produzierte er als erster Winzer außerhalb von Rust und Oggau einen „Ausbruch“. Seine Prädikatswein-Bestrebungen haben bis heute im Weingut einen sublimen Nachhall.

Rieden und Herkünfte in den Fokus gerückt

Das Kenntlichmachen von Rieden und die beharrliche Sensibilisierung der Weinkunden auf Herkünfte zu einem Zeitpunkt, als in Österreich beim Wein noch rustikale Fantasienamen das Marketinggeschehen prägten, ist eine weitere Pionierleistung. Mit seinen frühen Erfolgen mit Riedenweinen und seiner Präzision im Weinausbau hat er andere Weinbauakteure in ihrem Aufwärtsstreben durch das Vorbild erheblich beflügelt.

Gründungs-Präsident der Renommierten Weingüter Burgenland (RWB)

Eine herausragende Rolle spielte Anton Kollwentz bei der Gründung des Vereins „Renommierte Weingüter Burgenland“, dem er zehn Jahre lang als Präsident und später als Ehrenpräsident vorstand. Gemeinsam mit den anderen Mitgliedern der Gruppe, zu denen weitere Pioniere zählen, war es ihm möglich, das Elitedenken beim Wein im Burgenland zu steigern und Visionen umzusetzen. 

Komturkreuz des Landes Burgenland als höchste Auszeichnung der Heimat

Der weit über die Landesgrenzen hinaus angesehene Weinbaupionier erfuhr im Laufe seines außergewöhnlich erfolgreichen Berufslebens mannigfaltige Anerkennung. Ungezählt sind die Prämierungserfolge, die er für seine Weine erhielt. Von seiner Heimatgemeinde Großhöflein erhielt er den Ehrenring, der Bundespräsident zeichnete ihn mit dem Titel Ökonomierat aus, und sein Heimatland ehrte ihn mit der höchsten zu vergebenden Auszeichnung, mit dem Komturkreuz des Landes Burgenland. Vinaria verlieh Anton Kollwentz bereits im Jahr 2007 die Vinaria Trophy für das Lebenswerk.

Trotzdem bewahrte sich Anton Kollwentz seine bescheidene Wesensart. Er blieb ein aufrechter Burgenländer mit Heimatliebe und pflegte zusammen mit seinem Sohn den Großhöfleiner Dialekt. Zu seinem 80. Geburtstag, der im Weingut mit einem großen Fest begangen wurde, erschien eine umfängliche Biografie.

Anton Kollwentz verstarb in Großhöflein in jenem bäuerlichen Anwesen, in dem er dereinst das Licht der Welt erblickt hatte. Es war ihm vergönnt, bis zuletzt im Kreise seiner Familie zu leben. Stets hatte er betont, wie hoch der Anteil seiner Ehefrau Margarete, der er ein Leben lang innig verbunden war, am Erfolg des Betriebes gewesen ist. Seine Familie war ihm alles, mit ihr teilte er seine Leidenschaft für den Wein. 

Anton Kollwentz hinterlässt seine Frau Margarete, Sohn Andreas (der mit Ehefrau Heidi das Weingut führt) und Tochter Elisabeth sowie die drei Enkeltöchter Eva Maria, Barbara und Christina. Am 10. März 2026 wird Anton Kollwentz auf dem Großhöfleiner Ortsfriedhof zur letzten Ruhestätte geleitet.

Anton Kollwentz und Sohn Andi holten zahlreiche der höchsten Auszeichnungen für ihre Weine. © Bernhard Angerer
Die Familie war sein Ein & Alles, führt sein Lebenswerk gemeinsam weiter (v.l.): Barbara, Heidi, Andi, Eva Maria, Christina, Anton und Margarete Kollwentz © Berhard Angerer
Andi Kollwentz und seine Frau Heidi führen seit vielen Jahren das Weingut Kollwentz als einen österreichischen Leitbetrieb. © Martina Lex
Auszeichnung mit der selten vergebenen Vinaria Trophy für das Lebenswerk im Jahr 2007 (v.l.): Vinaria Autor Viktor Siegl (†), Preisträger Anton Kollwentz, Vinaria Chefredakteur Peter Schleimer © Martina Lex