Die Weinlese in der Wachau ist längst abgeschlossen, nun sind auch die letzten Weine vergoren. Emmerich H. Knoll, Obmann des Gebietsschutzverbandes Vinea Wachau blickt auf ein spannendes und letztlich höchst erfreuliches Weinjahr zurück.

„2021 hat der Wachau einen zweifellos ausgezeichneten Jahrgang beschert. Mengenmäßig liegt die Ernte im langjährigen Durchschnitt“, fasst Knoll zusammen. Die ersten Jungweine sind bereits abgefüllt. Besonders die Steinfederweine darunter zeichnen sich durch die Vinea Wachau-eigene Stilistik aus, etwa durch den Verzicht auf Aufbesserung. Klassisch trocken durchgegoren mit maximal 11,5% vol. sind sie die Vorboten eines sehr guten Jahrgangs.

Später Austrieb, langes Reife-Finish in sonnig-kühlem Herbst

Das Besondere am Weinjahr 2021 war der ungewöhnlich späte Austrieb, auf den sogleich eine trockene Phase bis anfangs Juli folgte. Dagegen waren im Juli und August häufige Regenfälle zu verzeichnen, auch mit Hagelereignissen in Rossatz und in Dürnstein/Loiben. „Auch wenn der Verlust den einzelnen Winzer immer schmerzt, versuchen wir doch mit unserer vereinsinternen „Traubenbörse“ zu unterstützen und Härtefälle zu vermeiden“, betont Knoll. „Jedenfalls verantworten gerade diese feuchten Sommermonate die frischen Säurewerte, die insbesondere unseren Rieslingen ausgezeichnet stehen werden“, sagt Franz Hirtzberger aus Spitz an der Donau.

Der entscheidende Herbst bot schließlich sonniges und trockenes Wetter bei kühlen Temperaturen. Er ermöglichte eine lange Verweildauer der Trauben am Stock und erlaubte ihre perfekte physiologische Reifung. „Wir haben damit alle Voraussetzungen für charakterstarke Weine mit einem hohen Lagerpotential. In Einzelfällen brachte spät einsetzende Botrytis in der Kombination mit den hohen Säurewerte auch ideale Bedingungen für edelsüße Weine bis hin zur Riesling Trockenbeerenauslese“, zeigt sich Knoll begeistert.

Projekt zu ökologischer Unterstockbegrünung

In den besonders steilen Terrassenlagen der Wachauer Weingärten gibt es nur wenig Möglichkeiten, den Reb-Unterstockbereich zu bewirtschaften. Denn mechanische Bearbeitungen sind kaum machbar. Zudem verschärft der Klimawandel die Situation mit zunehmenden Trockenperioden, in denen alle Pflanzen verstärkt um das Wasser kämpfen müssen. Die Vinea Wachau hat daher in Kooperation mit der Domäne Wachau, der HBLA Klosterneuburg, der HBLFA Raumberg-Gumpenstein und mehreren Experten und Partnern das dreijährige Projekt „Ökologische Beikrautunterdrückung im Reb-Unterstockbereich“ gestartet.

Ziel des Öko-Projektes, das im Jänner 2022 beginnt, ist die gezielte Bedeckung des Reb-Unterstockbereiches mit Pflanzen, die sogenannte „problembehaftete Beikräuter“ (hochwachsend, tiefwurzelnd und mit hohem Wasserbedarf) natürlich verhindern.

Nachhaltig Austria-Zertifizierung im vollen Gange

Seit dem Beschluss der Vinea Wachau vom 11. Mai 2021, sich als gesamter Gebietsschutzverband mit dem Gütesiegel „Nachhaltig Austria“ zertifizieren zu lassen, arbeiten die Winzer an der Umsetzung. „Die ersten Betriebe sind bereits damit fertig, einige weitere befinden sich noch im Prozess, den Jahrgang 2021 zu zertifizieren“, berichtet Vinea Wachau-Obmann Stellvertreter Herwig Jamek. Die Zertifizierung soll für alle rund 200 Mitgliedsbetriebe in den nächsten zwei Jahren abgeschlossen sein.

Vinea Wachau Obmann Emmerich H. Knoll © Monika Loeff
Herwig Jamek, Obmann-Stellvertreter der Vinea Wachau © Florian Schulte
Franz Hirtzberger jun. © Julius Hirtzberger