Starker Tobak: „Die Weinbranche ist im Vergleich zu Industrieexporten volkswirtschaftlich kaum relevant und überschätzt ihre Bedeutung“ sowie „Subventionen verzerren Märkte, begünstigen nur wenige Akteure“. Zwei kernige Aussagen aus dem neuen ProWein Business Report 2026.

Studienautorin Professorin Simone Loosen ist Inhaberin der Professur für Betriebswirtschaft des Wein- und Getränkesektors an der Hochschule Geisenheim. © Hochschule Geisenheim

Die beiden Kernaussagen stehen im den White Papers „Jenseits des US-Marktes“ im neu erschienenen ProWein Business Report 2026. Dafür analysierte Professorin Simone Loose von der Weinbau-Hochschule Geisenheim (Deutschland) mehrere hundert Stellungnahmen von Weinproduzenten zur aktuellen Situation des Exports in die USA.

Die Studie wird wohl für heftige Reaktionen sorgen, zumal die selbstbewusste und politisch in der Regel in den jeweiligen Ländern eng vernetzte Branche wirtschaftlich stark unter Druck steht. In allen Weinbauländern Europas, so auch in Österreich, wo erst im Herbst 2025 umfangreiche Studien zur Wertschöpfung durch Weinbauverband und Österreich Wein Marketing präsentiert wurden. Diese Untersuchungen kamen zum Schluss, dass die Weinwirtschaft in den betreffenden Bundesländern, aber auch in ganz Österreich ein wichtiger und unterschätzter Wirtschaftszweig sei. Also ein diametrales Ergebnis zur Studie der Geisenheim-Professorin Simone Loose.

„Weinbranche überschätzt ihre Bedeutung“

In der Studie wird von den Befragten mehr Realismus und Anpassung an die sich verändernden Märkte statt staatliche Interventionen gefordert. Die Weinbranche überschätze ihre Bedeutung im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen, schreibt Loose. Die Akteure sollten ihren „begrenzten politischen Einfluss akzeptieren" und sich an die Bedürfnisse der Konsumenten anpassen, statt Subventionen zu fordern. Diese würden die „Situation verzerren und nur wenigen Akteuren zugute kommen".

„An Konsumenten denken anstatt dauernd Subventionen zu fordern“

Die Probleme am US-Markt seien nicht nur auf die unberechenbare Zollpolitik zurückzuführen, sondern auch auf eine strukturelle Nachfrageschwäche. Für eine Erholung sei eine Normalisierung der Nachfrage erforderlich, aber nicht unbedingt handelspolitische Schritte.

Als Ersatz für den deutlich sinkenden US-Export sollten Anpassungen innerhalb Europas statt einer vollständigen globalen Verlagerung erfolgen. Die interessantesten neuen Absatzmärkte seien Osteuropa, Skandinavien und die Benelux-Länder. Im Export wird Asien als zukunftsträchtige Region genannt, hier vor allem China, Japan, Südkorea und Südostasien. 

US-Exporte ersetzen durch Osteuropa, Asien, Kanada, Brasilien

Auf dem amerikanischen Kontinent könnten Kanada und Brasilien künftig einige der bisherigen US-Exporte ersetzen. Lateinamerikanische Länder werden in der Analyse aber - so wie Afrika und Ozeanien - als Nischenmärkte eingeschätzt. Die Exporte sollten aber strategisch diversifiziert werden, um die Risiken zu streuen, anstatt zu versuchen, den US-Markt mit nur einer einzigen Region zu ersetzen.