Begleitend zur großen Vinaria Sortendegustation Sauvignon Blanc in diesem Beitrag ein Blick auf die Jahrgänge 2025 bis 2021, die Gegenstand dieser Verkostung sind. Von klassisch über fordernd und schwierig bis launisch und traumhaft.

2025: klassisch Österreich 

In Niederösterreich, Wien und Burgenland spricht man von einem klassisch österreichischen Jahrgang, der elegante und fruchtige Weißweine mit bemerkenswertem Trinkfluss ermöglichte. In der Steiermark sind die 2025er duftig, sie zeigen eine trinkanimierende Leichtigkeit, sie sind frisch, die Riedenweine sind fein und klar strukturiert. Durch die Bank sind die Weine elegant mit klarem Sortenausdruck und moderatem Alkoholgehalt. Die Erntemenge war leicht überdurchschnittlich.

Der Winter war sonnig, mild und trocken. Im Frühling spendete Petrus das von den Winzern heiß ersehnte Wasser, die gesättigten Böden hatten Feuchtigkeitsreserven für die Vegetationsperiode. Dank des wechselhaften Wetters trieben die Reben vergleichsweise spät aus, was sich angesichts eines Kälteeinbruches Anfang April als Segen erwies. Ende Mai wurde es richtig warm und sonnig. Der Sommer war wechselhaft. Extreme Temperaturen blieben aus. Im September war es feuchtwarm, was insbesondere in der Steiermark Botrytis-Infektionen anfachte. Viele Winzer ernteten im Eiltempo. In Verbindung mit akribischer Selektion konnte gesundes, physiologisch reifes Traubenmaterial gelesen werden.

2024: fordernd 

Spätfröste, Hagelschauer und sintflutartiger Regen forderten Österreichs Winzer teilweise bis aufs Äußerste, auch die Erntemenge litt darunter. Die Weißweine zeigen ansprechende Frucht, Fülle und gemäßigte Säure. Sie sind überwiegend harmonisch und waren schon früh zugänglich. Generell konnten sehr gut ausgereifte, eher dickschalige Beeren in bestem Zustand gelesen werden, die zu großzügigen Weißweinen mit feinem Bukett und früher Balance geführt haben. 

Der Alkoholgehalt ist je nach Gebiet und Erntezeitpunkt recht unterschiedlich ausgefallen, bewegt sich im Allgemeinen aber im höheren Bereich, während die Säurewerte eher moderat sind. In der Steiermark, wo bei geringen Erntemengen teilweise ungewöhnlich hohe Zuckergrade erreicht wurden, präsentiert sich Sauvignon Blanc durchwegs mit sortenspezifischem Ausdruck und klarem Fruchtcharme.

2023: schwierig 

Der Jahrgang 2023 gestaltete sich herausfordernd für Österreichs Winzer. Nach einem äußerst trockenen Winter setzten im April und Mai 2023 die ersehnten, ergiebigen Niederschläge ein. Die späte Blüte wurde überwiegend positiv gesehen. Häufige Verrieselung sorgte allerdings für Mengenverluste, während frühzeitig auftretende Peronospora penible Pflanzenschutzmaßnahmen erforderte. Der Sommer war von Hitzeperioden geprägt. Hagelunwetter traten fast in allen Weinbaugebieten punktuell auf. Im August und knapp vor der Lese einsetzende Regenfälle kurbelten die Traubenreife noch einmal kräftig an, sodass früh mit der Hauptlese begonnen wurde.

In den Weinbergen von Niederösterreich, Wien und dem Burgenland sind die Weißweine sortentypisch, kraftvoll und saftig mit klaren Fruchtaromen. Die aromatischen Varietäten konnten ihre sortenspezifischen Merkmale ausspielen. In der Steiermark sorgte Petrus für reichlich Niederschlag. Das hatte pointierte, elegante Weißweine von kühler Frische zur Folge, dicht und moderat im Alkohol. 

2022: launisch 

Witterungsmäßig war 2022 ungewöhnlich. Zunächst sah es nach einem weiteren Trockenjahr aus, doch vereinzelte Regengüsse zwischendurch verhinderten Schlimmeres. Mitunter freilich kamen sie zum falschen Zeitpunkt, was erhöhten Pilzdruck, Verrieselung oder Fäulnis bedeutete und den Winzern einiges an zusätzlicher Arbeit abverlangte. Trockenstress stellte sich häufig ein. Hinsichtlich Qualität gab es regionale Unterschiede. Insgesamt aber sind die 2022er reif, fruchtig und mit harmonischer Säure ausgestattet.

2021: traumhaft 

Man kann es nicht oft genug sagen: 2021 gilt in ganz Österreich als Traumjahr. Die Weißweine sind kristallklar, ausgereift und stoffig, die Säure sorgt für Spannung und ist harmonisch eingebunden. Selbst altgediente Winzer können sich nicht erinnern, jemals eine Ernte unter so perfekten Bedingungen eingebracht zu haben wie 2021. Die Analysen zeigten eine höhere Gesamtsäure als üblich, wobei die sensorisch sanftere Weinsäure gegenüber der spitzen Äpfelsäure weit überwiegt. Auch das ist ein Charakteristikum der weißen 2021er. 

 

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