Eigentlich sind es zwei Verkostungen, die Vinaria diesmal durchgeführt hat: Zum einen die schönen und klaren Brände, zum anderen jene Fruchtbrände, die einer Fasslagerung zu geführt wurden. Großartige und perfekt gereifte Destillate aus Österreich.

Die Würde, „Schnapsbrennerei des Jahres 2020“ zu sein, ist aufgrund der Medaillenbilanz an Anton und Christoph Vogl vom Guglhof aus Hallein gegangen. Mit großartigen Produkten von Apfelschnaps über Alten Birnen brand bis hin zu Whisky und Wodkanem Veltliner aus der Ried Silberbichl. Gleich dahinter, aber eigentlich schon gleichauf, finden sich zwei weitere Altmeister in der Kunst des Schnapsmachens, nämlich Alois Gölles und Manfred Wöhrer.

Der Schnapsfreund kennt Gölles natürlich, aber wer bitte ist Wöhrer? Kein Geheimtipp, sondern eine Empfehlung. Damit wären kurz und prägnant die Top-3-Brenner des Jahres 2020 auf die Bühne geholt. Österreich hat nicht nur die tollsten Skifahrer der Welt, sondern auch die weltbesten Schnapsbrenner.

Das Land funkelt nur so von Brennereien, jede davon in der Lage, eine goldene Medaille zu holen und sich in die Gaumen der Schnapskenner einzuprägen. Um nicht zu sagen: einzubrennen. Kann man aber nicht so sagen, weil „brennen“ tut hier schon lange nichts mehr, vielmehr spürt man die Kraft und den Saft der jeweiligen Frucht, wenn diese so gekonnt verarbeitet ist wie bei uns im Land mittlerweile schon fast üblich.

Wunderfrucht Zwetschke

Die Zwetschke ist die Frucht dieser Verkostung. Drei von vier Schnäpsen, die von der Vinaria Jury mit dem Titel „Schnaps des Jahres 2020“ ausgezeichnet wurden (weil sie die Höchstbewerteten waren), stammen von der Prunus domestica. Quasi eine Wunderfrucht für Schnapsbrenner.

„Gerade die Hauszwetschke zeigt in der Vollreife einen feinen Körper von fruchtigen Aromen mit einer schönen Balance aus dem vorhandenen Fruchtzucker und der dazugehörigen Säure“, beschreibt Christoph Vogl die besonderen Merkmale dieser Frucht. Alois Gölles ist ergänzend der Meinung, dass Zwetschken aufgrund des Zuckerreichtums der ideale Ausgangsstoff für Kleinbrenner sind.

Manfred Wöhrer, seit 40 Jahren als „Garagenbrenner“ einschlägig bekannt, nennt die Zwetschke „eindeutig meine Lieblingsfrucht – sowohl klar als auch fassgereift“. Die gemeine Zwetschke leidet zwar noch immer unter dem „Slivowitz-Image“, hervorgerufen durch unsaubere Maischeführung und fehlerhafte Destillation, aber richtig und sauber verarbeitet ergibt sie, sagt Wöhrer, „einen stabilen Brand, ideal geeignet für die Fassreifung. Die Zwetschke ist eine bodenständige Frucht, die immer mehr an Beliebtheit gewinnt.“

Die „Alte Birne“

Man nehme sich eine „Alte Birne“ zur Brust und gönne sich das eine und andere Stamperl. Die Alte Birne ist kaum 30 Jahre alt und schon eine Legende. Damals, sagt Toni Vogl, waren sie die Ersten und die Einzigen, die einen Birnenschnaps ins Fass gelegt haben.

Die Vinaria Jury verkostet das (geile) Zeug seit 14 Jahren und darf berichten: Einen komplexeren, authentischeren und dabei fruchtigeren Birnenschnaps, der jeweils gute zehn Jahre Fasslagerung hinter sich hat, kennen wir nicht.

Die klaren Brände des Jahres

Auch bei den klaren Schnäpsen liegen die Prunusfrüchte – um exakt zu sein: der Schlehenbrand von Hans Krenn – sehr gut, müssen sich die Spitze freilich mit Himbeeren und Brombeeren, mit Williamsbirne, Weichsel und Kirschen teilen. Die Top-Produzenten in diesem klaren Ranking heißen Manfred Wöhrer, Bernhard Leitner, Otto Hotzy, Franz Ratzinger von der Brennerei Parzmair sowie Hans Krenn.

Garagenbrenner Manfred Wöhrer findet sich schon wieder – wie auch im Jahr 2018 – unter den besten Brennereien in unserer Verkostung. Auch wenn er nicht jedes Jahr neue Brände auf den Markt bringt, kann man sich darauf verlassen, dass praktisch alles, was in Wöhrers Garage im Zentrum von Traun destilliert wird, von überdurchschnittlicher Qualität ist.

Gleiches gilt auch für die Brennerei Leitner, ein „Geheimtipp“ in Tirol. Bernhard Leitner ist der Mann für die feminine Eleganz. Die Schnäpse aus der Brennerei in Stanz, dem Dorf der Tiroler Haus-Zwetschken oberhalb von Landeck, zeichnen sich durch viel Pikanz und Rassigkeit aus. Ob Brombeere oder Himbeere, ob Hauszwetschke oder Williamsbirne: In praktisch jeder Verkostnotiz finden sich Zuschreibungen wie Eleganz und Finesse, rassige Balance und würzige Kraft.

Über Hans Krenn, den Kaiserholz und Kletzenbirnen-Meister aus dem Yspertal im südlichen Waldviertel, über Professor Otto Hotzy aus Hadersdorf am Kamp und Franz „Revolution“ Ratzinger von der Brennerei Parzmair Worte des Lobes zu finden fällt ungefähr gleich schwer, wie den Marillenbrand aus dem Kamptal für den Besten zu befinden oder die Quitten aus Parzmairs Schnapsdorado zur Königin zu küren.

 

Die höchstbewerteten Schnäpse des Jahres (5 Sterne)

Brennerei Gölles XA Alte Zwetschke 1999 / Schnaps d.J. / Gold 45%, 19,7 Punkte
Brennerei Guglhof Alter Birnenbrand 2010 / Schnaps d.J. / Silber 40%, 19,5
Brennerei Gölles Alte Zwetschke Fassstärke 2009 / Schnaps d.J. / Silber 60,6%, 19,5
Brennerei Wöhrer Zwetschke 48er Reserve 2016 / Schnaps d.J. / Silber 48%, 19,5
Brennerei Gölles Alte Herzkirsche 2009 40%, 19,3
Brennerei Wöhrer Williamsbirne 2019 42% ,19,2
Brennerei Guglhof Gin Alpin o.Jg. 42%, 19,2
Brennerei Krenn Schlehenbrand 2016 42,7%, 19,2
Brennerei Gölles Alte Zwetschke 2009 40%,19,2
Brennerei Wöhrer Himbeere 2019 42%, 19,0
Brennerei Leitner Brombeere 2018 40%, 19,0
Brennerei Parzmair Williams Revolution 2019 41,3%, 19,0
Brennerei Leitner Rote Williamsbirne 2018 40%, 19,0
Brennerei Hotzy Weix’l Weichselbrand 2017 40%, 19,0
Brennerei Guglhof Kriecherlbrand 2013 41%, 19,0
Brennerei Leitner Hauszwetschke 2018 40%, 19,0
Brennerei Wöhrer Zwetschke 2018 42%, 19,0
Brennerei Wöhrer Traubenkirsche 2015 42%, 19,0
Brennerei Gölles Alter Apfel – Fassstärke 2009 60,3%, 19,0
Brennerei Guglhof Rum Art & Spirits 8 Jahre 40%, 19,0

Klare Brände

Krenn Schlehenbrand 2016 42,7%, 19,2
Wöhrer Williamsbirne 2019 42%, 19,2
Guglhof Gin Alpin o.Jg. 42%, 19,2
Wöhrer Himbeere 2019 42%, 19,1
Leitner Brombeere 2018 40%, 19,0
Hotzy Weix’l Weichselbrand 2017 40%, 19,0
Guglhof Kriecherlbrand 2013 41%, 19,0
Wöhrer Traubenkirsche 2015 42%, 19,0
Parzmair Williams Revolution 2019 41,3%, 19,0
Leitner Rote Williamsbirne 2018 40%, 19,0
Leitner Hauszwetschke 2018 40%, 19,0
Wöhrer Zwetschke 2018 42%, 19,0

Obstbrände fassgelagert

Gölles XA Alte Zwetschke 1999 / Schnaps d.J. / Gold 45%, 19,7
Guglhof Alter Birnenbrand 2010 / Schnaps d.J. / Silber 40%, 19,5
Gölles Alte Zwetschke Fassstärke 2009 / Schnaps d.J. / Silber 60,6%, 19,5
Wöhrer Zwetschke 48er Reserve 2016 / Schnaps d.J. / Silber 48%, 19,5
Gölles Alte Herzkirsche 2009 40%, 19,3
Gölles Alte Zwetschke 2009 40%, 19,2
Gölles Alter Apfel – Fassstärke 2009 60,3%, 19,0
Brunn Öpfeldos/Apfelmostbrand 2018 44%, 18,7
Gölles Alte Marille 2009 40% ,18,7
Brunn Alter Apfel mit Dörräpfel veredelt / Eichenfass 2018 43,5%, 18,6

Sondersorten fassgelagert

Guglhof Rum Art & Spirits 8 Jahre 40%, 19,0
Trausner Single Malt Gerstenmalz 2019 43%, 18,7
Guglhof Tauern Rogg Whisky 10 Jahre 41%, 18,7
Parzmair Rum 2010 47%, 18,5
Brunn Rum Nr. 86 2013 43 %, 18,5
Brunn Enzianbrand 2018 45%, 18,2

 

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Alois Gölles © Brennerei Gölles
Judith Horvath und Michael Kantor © Christoph Kerschbaum
Otto Hotzy, Weingut und Brennerei Turmhof © Robert Paget
Martina und Hans Krenn © Christoph Kerschbaum
Bernhard Leitner © Brennerei Parzmair
Franz Ratzinger, Destillerie Parzmair © Johannes Kernmayer
Anton jun., Anton sen. Und Christoph Vogl vom Guglhof © Stefan Zenzmaier
„Garagenbrenner“ Brigitte und Manfred Wöhrer © Michaela Pucher
© Kurt-Michael Westermann
Vene Maier © Kurt-Michael Westermann
Vinaria Verkoster: Hermann Botolon © Restaurant Fuhrmann
© Kurt-Michael Westermann