In Bordeaux erfolgt die Vorstellung des jüngsten Jahrgangs traditionell bereits im Frühjahr nach dessen Ernte. 

© Shutterstock

Ein Schwarm an Fachleuten pilgerte auch heuer wieder Mitte April nach Bordeaux, um den frenetisch gefeierten 2025er zu entdecken und evaluieren. Vinaria-Chefredakteur Peter Schleimer dabei und verkostete gut 500 Weine.

 Die ebenso ruhmreiche wie riesige Weinregion Bordeaux hat es in den vergangenen Jahren nicht leicht gehabt. Sorgte das wenig begründete Bordeaux-Bashing über 10, 15 Jahr noch eher für Schulterzucken, so hat ein Teufelskreis aus Qualität und Preis sowie Angebot und Nachfrage der wohl berühmtesten Herkunft der Welt gehörig zugesetzt. 

Hat die Nachfrage nach Wein in den meisten Kategorien weltweit merklich abgenommen, so spürt die Region Bordeaux ganz besonders. Kaum verwunderlich, dass man in höchstem Maße darum bemüht ist, das G‘riss um den jeweils jüngsten Jahrgang anzuheizen. 

Jahrgang wurde wohl zu früh "in den Himmel gelobt"

In besonderem Maß scheint das für den 2025er zu gelten, dem man bereits zur Ernte herausragende Qualität attestierte, und nun en primeur als großen Jahrgang feiert, zudem als würdigen Vertreter der legendären 5er-Jahrgänge. Vielerorts wird der Vergleich zum tatsächlich famosen Jahrgang 2022 bemüht, manchmal ein Mix aus 2023 und 2022, manchmal 2019 und 2020, manche wagen auch den Verglich mit 2009 und 2010, sogar 1989.

Nach Verkostung von gut 500 Weinen kann ich die Euphorie nicht ganz teilen. Mit 2022 hat dieser jüngste Jahrgang sowohl stilistisch wie auch in Sachen Körperbau oder Struktur kaum Ähnlichkeiten, und auch zum 2020er finde ich wenige Parallelen. Dafür ist er viel besser als die schwierigen Jahrgänge 2024 und 2021. 

Vergleich 2025 mit 2023 scheint derzeit legitim

In jüngerer Vergangenheit scheint am ehesten ein Vergleich mit 2023 legitim, vermutlich stellt 2025 sogar eine bessere Version davon dar. Jedenfalls gibt es am Rotweinsektor viele Vertreter mit klarer wie vibrierend frischer Frucht, überwiegend moderatem Alkohol sowie überraschend früher Zugänglichkeit. Dazu gibt es eine schöne Menge an ausgezeichneten Roten mit Tiefgang und Potenzial. 

Die Weißen präsentieren sich harmonisch und fruchtbetont, mit teils sensorisch milderer Säure als die Roten. Ähnliches gilt auch für die mit eher moderatem Botrytiseintrag und teils betonter Restsüße aufwartenden Prädikatsweine.

 Auf Hitze und Dürre folgte Regen

2025 war vom Wetterverlauf her ein äußerst ungewöhnlicher Jahrgang, der etliche Extreme aufwies – und man konnte eine Zeitlang durchaus Parallelen zu 2022 ziehen. Der Austrieb erfolgte extrem früh – etwa eine Woche früher als der langjährige Durchschnitt (klingt krass, aber 2026 ist noch früher dran!). Erstmals seit Jahren gab es trotz eines frühen Starts keinen Frost. 

Die Blüte erfolgte dementsprechend etwa 10 bis 12 Tage früher Mitte Mai. Obwohl beide Phasen relativ reibungslos verliefen, war der Ansatz aber dennoch moderat (vermutlich wegen des Regenwetters in der Blüte im Jahr 2024), womit bereits zu diesem Zeitpunkt klar war, dass die Erntemengen geringer ausfallen würden.

Der Sommer war teils extrem heiß und trocken, vielerorts hatte man mit der Dürre schwer zu kämpfen – insbesondere in sandigen, teils auch schottrigen Böden und natürlich vor allem in Junganlagen. 

Temperaturspitzen erreichten über 40° Celsius

Es gab mehrere Hitzewellen – davon zwei bedeutende: eine gegen Ende Juni und eine weitere gegen Anfang August. Bereits im Juni gab es mehr als 15 Tage mit über 30 °C. In manchen Appellationen stellten Weingüter sogar offizielle Anträge auf Bewässerung. Vielerorts gab es von Ende Mai bis Ende August fast keinen Regen, die Temperaturspitzen erreichten über 40° Celsius. In dieser Phase schalteten die Reben auf Notbetrieb oder überhaupt ab. Die Beeren blieben klein, mit mäßigem Saftanteil.

Die Lese der Trauben für trockene Weißweine erfolgte fast zur Gänze bereits im August. Der Farbwechsel bei den Roten dauerte 2025 in den meisten Fällen nur 10 Tage (verglichen mit 6 Wochen im Jahr davor), und Ende August sah es ganz danach aus, als würde tatsächlich ein weiteres opulentes Jahr wie 2022 bevorstehen.

Dann kam jedoch der Regen. Vom 27. bis 30. August fielen je nach Gegend zwischen 50, 80 und mehr Millimeter Regen, die Temperaturen sanken von da an und blieben eher niedrig, der Jahrgangscharakter veränderte sich. War der September insgesamt eher trocken, so fielen um den 10. bis 12. September weitere 20 bis 30 Millimeter Regen, gefolgt von einem weiteren, stärkeren Niederschlag um den 24. September. 

Vielfach früheste Lese aller Zeiten

Zweifellos war der Regen nach der Dürre hilfreich, doch mancherorts doch etwas mehr als gewünscht. Die Temperaturen blieben den ganzen September über kühl.

Dank der recht guten Reife der Trauben und der Wetterunsicherheit wurde vielerorts bereits früh und meist ziemlich flott gelesen – vielleicht in manchen Fällen ein paar Tage vor dem idealen Zeitfenster. Es handelte sich bei 2025 um eine, mancherorts überhaupt um die früheste Ernte aller Zeiten. Die Lese der Merlots begann teils schon Ende August und war bis Mitte September erledigt, die Lese der Cabernets erfolgte fast durchwegs im Lauf des Septembers. 

Überraschend war für viele der relativ moderate Alkoholgehalt, fast alle Weine lagen zwischen 12,5 und 13,5 %. Die Erntemengen waren extrem niedrig – vielerorts lag der Ertrag deutlich unter 30 Hektoliter pro Hektar.

 

Vinaria bringt in der kommenden Ausgabe 03/2026 einen ausführlichen Beitrag über Bordeaux 2025 en primeur, mit umfassenden Kostnotizen.