Hohe Wellen schlagen schon die ersten Tage nach der Übernahme des bekannten Wiener Innenstadt-Cafés Engländer durch die prominenten Gastronomen Mario Plachutta und Peter Friese. Die Arbeiterkammer kritisiert Plachutta scharf, die 20 Mitarbeiter dürften geschlossen ausgetreten sein. Das Café ist zu.

Der Arbeiterkammer Wien nimmt zu den Berichten über die angeblichen Ausfälle des Wiener Gastronomen Mario Plachutta (58) im Café Engländer Stellung. Dieser hatte zusammen mit Peter Friese (Schwarzes Kameel) das Café aus der Insolvenz übernommen. Mittlerweile ist die Belegschaft geschlossen ausgetreten, das Café Engländer in der Wienere Innenstadt wurde von einem Tag auf den anderen geschlossen.

„Eigentlich hätte das Café Engländer ein Musterbeispiel für eine gelungene Weiterführung eines zahlungsunfähigen Betriebs werden können“, so AK-Referent Dvořák. Der Insolvenzentgeltfonds ist im August und September für die Löhne eingesprungen. Durch die gewonnene Zeit konnte ein Bieterverfahren abgehandelt und der Betrieb unter neuem Firmenmantel weiterbetrieben werden. Durch den Kauf der Betreibergesellschaft wurde viel Geld in die Masse gespült, was nun auch allen Gläubigern zugute kommt.

„…dann kam der neue Besitzer persönlich vorbei“

Dvořák: „Die Belegschaft hatte zuerst hoffnungsvoll auf die bevorstehende Übernahme geblickt. Aber dann kam der neue Besitzer persönlich vorbei.“ Die Kollegen des Engländer erzählten in der Beratung bei der AK, dass der Gastronom die ohnehin schon leidgeprüften Mitarbeiter angeherrscht habe. Und Menschen, die den Betrieb trotz aller Schwierigkeiten aufrechterhalten hatten, mit den Worten: „Ich habe Geld und Kontakte“ gedroht habe, dass sie künftig nirgendwo anders in der Gastronomie Arbeit finden würden.

„Entweder dieser Herr hat sich wirklich nicht im Griff. Oder diese Drohung ist ein durchsichtiger Versuch, die Belegschaft davon abzuhalten, sich woanders zu bewerben und stattdessen in seinem Betrieb zu Niedrigstlöhnen weiterzuarbeiten“, so Dvořák. „Wenn das der Fall gewesen sein sollte, ging der Schuss wohl nach hinten los: Stattdessen haben wir eine starke Solidarität unter Kollegen gesehen. Und dem Herrn Plachutta sei ins Stammbuch geschrieben: Gäste fühlen sich dort willkommen, wo motiviertes Personal sie gerne umsorgt.“

Mario Plachuttas Anwalt hat die von der Arbeiterkammer erhobenen Vorwürfe zurückgewiesen.