Die extreme Reife des Jahrgangs 2026 beschleunigt in der Champagne einen Trend, der sich seit Jahren abzeichnet: Immer mehr Erzeuger produzieren neben Schaumweinen auch Stillweine unter der Herkunftsbezeichnung Coteaux Champenois. 

So werden beim Champagnerhaus Gosset in diesem Jahr gezielt besonders reife Partien als Stillwein ausgebaut. Einzelne Moste erreichen laut französischen Branchenmedien mehr als 13 Volumenprozent potenziellen Alkohol. Für den Stil der „Brut sans année“ seien sie damit zu reif. Auch andere Häuser sollen Teile ihrer Ernte entsprechend umwidmen.

Coteaux Champenois ist keine neue Erfindung. Die AOP für stille Weiß-, Rosé- und Rotweine besteht seit 1974. Neu ist die Dynamik: Nach Zahlen des INAO stieg das deklarierte Volumen von rund 700 Hektolitern 2018 auf rund 1.526 Hektoliter im Jahr 2022. Gleichzeitig wuchs die Zahl der beteiligten Erzeuger von knapp 100 auf mehr als 250. Die Mengen bleiben im Vergleich zum Champagner dennoch klein.

Der Klimawandel erleichtert die Erzeugung reifer Stillweine, stellt die Champagne 2026 aber zugleich vor ein technisches Problem. Nach mehreren Hitzeperioden liegen die potenziellen Alkoholwerte vieler Trauben ungewöhnlich hoch. Bei der zweiten Gärung in der Flasche steigt der Alkoholgehalt nochmals um etwa ein bis 1,5 Prozentpunkte.

Das „Syndicat Général des Vignerons“ (SGV) hat deshalb beim Nationalen Institut für Herkunft und Qualität INAO eine vorübergehende Änderung des Pflichtenhefts beantragt. Die derzeitige Grenze von 13 Volumenprozent nach der zweiten Gärung soll für bestimmte Weine des Jahrgangs 2026 gelockert werden. Dabei geht es ausdrücklich nicht um eine dauerhafte Freigabe von Champagner mit 15 Volumenprozent. Die Ausnahme betrifft vor allem Assemblagen aus angereicherten und nicht angereicherten Grundweinen.


Quellen: Comité Champagne; SGV; wein.plus.de