Messeveranstalter ProWein veröffentlichte jüngst einen Leitfaden, der einen US-Weinmarkt mit geringerem Konsum, höheren durchschnittlichen Flaschenpreisen, hohen Lagerbeständen und starkem Druck von Distributoren und Einzelhändlern auf die Endverbraucherpreise beschreibt. 

Das Dokument „The U.S. Wine Market: A ProWein Guide“ wurde von Robert Joseph gemeinsam mit ProWein Düsseldorf und der Agentur Wineworlds Weinmarketing erstellt. Es heißt darin, die USA blieben nach Wert der weltweit größte Weinmarkt und nach Volumen der viertgrößte, doch diese Größe gehe nun mit sinkendem Konsum und einer wachsenden Abhängigkeit von teureren Flaschen einher, um den Umsatz zu stützen.

Der Bericht, der unter anderem IWSR, das Alcohol and Tobacco Tax and Trade Bureau, das Wine Institute, Statista und das U.S. Census Bureau zitiert, sagt, nur etwa ein Drittel der Amerikaner trinke überhaupt Wein. Der Pro-Kopf-Konsum fiel 2024 auf 9,6 Liter von 11,35 Litern Mitte des vergangenen Jahrzehnts, während das Absatzvolumen jährlich um etwa 2 Prozent zurückgeht. Gleichzeitig stieg der durchschnittliche Flaschenpreis 2024 auf 12,50 US-Dollar von 9,80 US-Dollar im Jahr 2019, ein Plus von 27 Prozent.

Flaschenpreis stieg im Schnitt um eine Viertel

ProWein führt diese Veränderung auf eine Abkehr von Supermarktflaschen im Bereich von 8 bis 10 US-Dollar hin zu dem zurück, was der Leitfaden als „premium everyday“-Weine im Preisbereich von 15 bis 25 US-Dollar bezeichnet. Als Beispiele für Weine, die von dieser Entwicklung profitieren, nennt der Leitfaden Sonoma- und Oregon-Pinot-Noir, Chianti Classico und Rioja Reserva. Diese Veränderung, so der Bericht, erklärt mit, warum der Markt weniger Flaschen verkauft, in einigen Segmenten aber dennoch höhere Umsätze erzielt.

US-Händler sitzen auf 4,5 Milliarden Flaschen Wein

Der Bericht sagt, das dringendste Problem sei das Überangebot. Geschätzt wird, dass der Markt bereits Mitte 2025 rund 4,6 Milliarden Flaschen auf Lager hatte, was etwa 18 Monaten Versorgung entspricht - rund 1 Milliarde Flaschen über dem Niveau, das sich profitabel verkaufen ließe. Außerdem heißt es dort, ein Einbruch um 90 Prozent in Kanada (in Folge des Streits um die von Präsident Trump verhängten Zölle) könne weitere 190 Millionen bis 200 Millionen Flaschen US-Wein in den heimischen Markt zurückführen. Seit 2023 habe Kalifornien laut Bericht rund 38.000 Hektar Rebfläche gerodet und aus dem Weinbau genommen, knapp 20 Prozent seiner Fläche, ohne ein Subventionsprogramm wie es in der Europäischen Union verfügbar ist.

Kalifornien: 38.000 Hektar geordet, ohne Förderprogramme

Dem Leitfaden zufolge zeigt sich dieser Überschuss bereits in Form von Rabatten. Er nennt Fälle, in denen Napa Cabernet, der normalerweise für rund 100 US-Dollar verkauft würde, bei Trader Joe’s – einem großen US-Einzelhändler - für 20 US-Dollar angeboten wurde. Ein Rabatt von 80 Prozent. Außerdem heißt es, Distributoren bauten Personal ab und nähmen weniger neue Labels auf, was es Produzenten erschwere, in den Markt einzutreten oder dort zu wachsen.

Ein Drittel aller von USA importierten Weine kommt aus Italien

Der Bericht unterteilt den Markt in ein Stillweinsegment mit 81,7 Prozent des Gesamtabsatzes, darunter 44 Prozent Rotweine und 38 Prozent Weißweine, ein Schaumweinsegment mit 14 Prozent und ein Segment für Süß- und Likörweine mit 4,3 Prozent. Rosé wird nicht als eigener Block ausgewiesen, doch die Studie schätzt für diese Kategorie ein jährliches Wachstum von bis zu 10 Prozent. Etwa ein Drittel des in den Vereinigten Staaten konsumierten Weins wird importiert. Nach Wert führen laut Leitfaden italienische Weine die US-Weinimporte mit 32 Prozent an, gefolgt von Frankreich mit 26 Prozent und Spanien mit 13 Prozent.

Ein großer Teil des Leitfadens ist dem US-Three-Tier-System gewidmet, das er als einen der Hauptgründe dafür nennt, dass importierter Wein für Verbraucher deutlich teurer wird. Nach diesem System verkauft ein Erzeuger oder Importeur an einen lizenzierten Distributor, der dann an einen Einzelhändler oder ein Restaurant verkauft. Das System funktioniert getrennt in allen 50 Bundesstaaten, jeweils mit eigenen Steuern, Lizenzen und Regeln. 

Kompliziertes Weinhandels-System in den USA verteuert Importweine

Übliche Aufschläge der Distributoren liegen bei 25 bis 35 Prozent. Der Weinhandel außer Haus macht etwa 70 bis 75 Prozent aus, die Konsumation in Restaurants, Bars und Hotels umfasst 25 bis 30 Prozent. Die drei größten Distributoren Southern Glazer’s, RNDC und Breakthru kontrollieren laut dem Bericht mehr als 60 Prozent des US-Weinmarkts. 

Ein Preisbeispiel zeigt einen Wein, der einen europäischen Keller für 10 Euro verlässt und nach Fracht, Importkosten, Distribution und Einzelhandelsaufschlägen im US-Regal bei rund 39 US-Dollar landet. ProWein schätzt, dass die Kette von den Einstandskosten bis zum Endverkaufspreis 110 bis 150 Prozent hinzufügt, während Steuern nur etwa 8 Prozent des Einzelhandelspreises ausmachen.

Der Leitfaden besagt, 38 Prozent der US-Weintrinker seien 55 Jahre oder älter, ein Drittel zwischen 35 und 54 und etwas mehr als ein Viertel  zwischen 21 und 34 Jahre. Ältere Konsumenten treiben weiterhin einen großen Teil des Volumens und der Premiumkäufe, während jüngere Erwachsene weniger trinken und stärker auf Alkoholgehalt, Anlass und Format achten. Haushalte mit einem Einkommen von mehr als 100.000 US-Dollar jährlich werden als wichtigste regelmäßige Käufer und Kernmarkt für höherpreisige Flaschen beschrieben.

Wachstumsfelder biodynamische und alkoholärmere Weine

ProWein identifiziert zudem Bio-, biodynamische und alkoholärmere Weine als Wachstumsfelder. Der US-Markt für Bio- und biodynamische Weine wird auf rund 1,2 Milliarden US-Dollar beziffert und soll jährlich um 10 bis 12 Prozent wachsen, wobei Verbraucher bereit seien, bis zu 25 Prozent mehr für diese Weine zu zahlen. Der Bericht verweist außerdem auf alkoholärmere Stile als möglichen Vorteil für europäische Erzeuger, besonders in Kategorien, in denen jüngere Trinker ihren Konsum reduzieren.

Quelle: The U.S. Wine Market: A ProWein Guide