Rund zwei Monate vor der Weinlese kämpft eine der traditionsreichsten Winzergenossenschaften Deutschlands ums Überleben: Die 1935 gegründete „Winzer von Baden eG“ stellt mit Beginn des neuen Geschäftsjahres Anfang Juli 2026 einen Insolvenzantrag. Betroffen sind rund 900 Winzer in über 20 Gemeinden.

Die Kellerei der Winzer von Baden eG in Wiesloch. © Winzer von Baden eG

Zwischen den Reben der Badischen Bergstraße und den Hügeln des Kraichgaus (Baden-Württemberg) wächst zwar der neue Jahrgang heran, doch die Stimmung ist angespannt. Auf knapp 600 Hektar Anbaufläche reifen Grauburgunder, Weißburgunder, Riesling oder Rosé. Statt Vorfreude auf die Weinlese sorgt jedoch die finanzielle Krise der Genossenschaft für große Unsicherheit. Das berichtete zuerst die Tageszeitung bild.de.

Die rund 900 Winzer sind in mehreren Genossenschaften organisiert, die zusammen die „Winzer von Baden eG“ bilden. Das sind die Winzergenossenschaften Bergstraße, Kraichgau, Dachsbuckel, Zeutern, Heidelsheim und Tiefenbach. Regional trägt sich das Drama im Großraum rund um Mannheim und Heidelberg zu.

Winzer von Baden stellt Insolvenzantrag

Der geschäftsführende Vorstandsvorsitzende Matthias Göhring bestätigte: „Dieser Schritt wurde notwendig, da sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in der Weinbranche in den vergangenen Monaten nochmals deutlich verschlechtert haben. Gestiegene Kosten für Energie, Verpackung und Logistik sowie ein verändertes Konsumverhalten haben die finanzielle Situation des Unternehmens erheblich belastet“.

In der Insolvenz sieht die Geschäftsführung den einzigen Weg, den Betrieb unter den aktuellen Marktbedingungen neu aufzustellen und zu sanieren. In den kommenden Wochen soll ein vorläufiger Insolvenzverwalter gemeinsam mit der Geschäftsführung einen Restrukturierungsplan erarbeiten.

Betrieb läuft trotz Insolvenz weiter

Für Kunden soll sich zunächst nichts ändern. Der Verkauf sowie die Belieferung von Restaurants, Hotels und Gaststätten laufen normal weiter. Auch die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter sind über das Insolvenzgeld für die kommenden Monate gesichert. Die Beschäftigten wurden bereits in einer Betriebsversammlung über die Situation informiert.

Vorstand Göhring betont, dass die Produktion einschließlich der 2026er-Ernte fortgeführt werden soll. Versprechen könne er das derzeit allerdings noch nicht. Zunächst müsse sich die Geschäftsführung mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter abstimmen.

Angespannten Marktlage: Weinbranche steckt in der Krise

„Wir haben uns diesen Schritt nicht leicht gemacht. Doch angesichts der angespannten Marktlage im Weinbau ist eine tiefgreifende Restrukturierung unumgänglich“, sagt Göhring. Weiter erklärt er: „Mit der Expertise des vorläufigen Insolvenzverwalters und unserem motivierten Team werden wir alles daransetzen, das Unternehmen neu auszurichten, um die Marke ‚Winzer von Baden‘ zu erhalten.“

Nach Angaben von North Data (Wirtschaftsauskunftei) weist die Genossenschaft  „Winzer von Baden“ eG für 2025 Verbindlichkeiten in Höhe von 6,84 Millionen Euro aus.

Schon zuvor hatten sich die wirtschaftlichen Probleme verschärft. So wurden die Traubengeldauszahlungen 2025 vom März in den Sommer verschoben. Im Dezember 2025 erhielten die Mitgliedswinzer zudem nur zwei von vier fälligen Raten. Mehrere kleinere Genossenschaften, die zuliefern, kehrten der „Winzer von Baden“ eG in den vergangenen Monaten den Rücken, zuletzt die Winzergenossenschaft Zeutern. Göhring rechnet laut BILD-Informationen mit noch mehr Austritten.

Quellen: Winzer von Baden eG; bild.de

Die Badische Bergstraße gilt als Frühlingsgarten Deutschlands. Geschützt durch die Berge des Odenwaldes, bietet das angenehme Klima hervorragende Bedingungen für den Weinbau. © Winzer von Baden eG