Die Hoffnungen waren groß und sie wurden nicht enttäuscht. 2015 war in Bordeaux ein sehr guter, teils ausgezeichneter Jahrgang. Vinaria huldigte diesem mit einer großen Degustation, an der auch viele Big Names teilnahmen. Insgesamt ein überaus hohes Niveau.

Florence und Daniel Cathiard mit Hund beim herbstlichen Spaziergang durch die Weingärten von Château Smith Haut Lafitte in Pessac-Léognan © Luc Palissoneau

Der Witterungsverlauf im Jahr 2015 war höchst ungewöhnlich, wurden doch in diesem von Extremen geprägten Jahr eine Reihe von Rekorden geradezu pulverisiert. Schon im Vorfeld war Wasser ein Thema, denn Spätsommer und Herbst 2014 waren durch Dürre und warme Temperaturen geprägt: Der Herbst war gar der heißeste und trockenste der letzten 115 Jahre. Umso verständlicher war die Freude, als es im November dann 120 Millimeter Niederschlag gab.

Trockenster Herbst seit 115 Jahren!

Im ungewöhnlich warmen März drängten die Reben schon zum Austrieb. Als dann am 6. April plötzlich die Temperaturen in die hohen Zwanziger emporschossen, erfolgte ein erstaunlich rascher Austrieb, und zwar unisono durch alle Farben und Sorten hindurch. April und Mai waren trocken und sehr warm.

Einem raschen und effizienten Blüteverlauf folgte eine kurze Hitzewelle Anfang Juni, im Sommer dann Dürre im Juli, Hitze Regen im August.

Die Lese der frühesten Weißweinlagen begann schon in der letzten Augustwoche unter nahezu perfekten Bedingungen. Ungeachtet der ab Mitte September wiederholt feuchten Witterung wurde mit der Lese zugewartet, da die Trauben überwiegend sehr gesund waren.

Hohes Niveau: reifes, vollmundiges Trinkvergnügen

Zehn Jahre nach der Ernte präsentiert sich der Jahrgang 2015 so, wie das Vinaria auch schon en primeur eingeschätzt hatte: ein Weinjahr mit hohem Qualitätsniveau, ein Jahr mit vollmundigen, saftigen und kraftvollen Rotweinen, die durch reife, überwiegend samtige Tannine bestechen. Aufgrund der sehr hohen Reife, der daraus resultierenden Fülle und Opulenz sowie milder bis mittlerer Säure haben sich die Weine schon früh zugänglich und trinkanimierend gezeigt. 

Den verlockenden Charakter haben die 2015er über die Jahre nicht abgelegt. Aufgrund der beschleunigten Evolution präsentieren sich viele Weine schon herrlich vollreif, die besonders gelungenen mit Vitalität und Energie für viele weitere Jahre. Eine Reihe von Jahrgangsvertretern wurde zwei Mal oder öfter verkostet, wobei sich mitunter deutliche Unterschiede im Reifestadium der jeweiligen Flaschen zeigten. Jedenfalls kann und sollte man die 2015er bereits in vollen Zügen genießen.

Wunderbare Weine aus allen Appellationen

Auf dem Papier schienen das Libournais am rechten Ufer, Graves und Pessac-Léognan sowie Margaux im südlichen Médoc wetterbedingt im Vorteil. Die Verkostungsergebnisse bestätigen dies jedoch nicht, denn aus allen Appellationen gibt es wunderbare Weine zu entdecken. Aus der damals besonders hochgelobten Herkunft Pomerol konnten sich Bon Pasteur und überraschenderweise auch Moncets aus Lalande de Pomerol im Vorderfeld platzieren, in weiterer Folge auch Clinet und einige andere. 

Stark vertreten war die Appellation St. Émilion, deren Topweine aus den unterschiedlichen Terroirs des Gebiets stammten: Zum einen beeindruckte der hochelegante und fast noch juvenile Cheval Blanc mit großem Potenzial, der wie Figeac aus dem Westen des Gebiets nahe Pomerol stammt, wo Lehm, Schotter und Sand vorherrschen. 

Energetische und strukturierte Weine mit noch viel Potenzial

Zum anderen brillierten einige der wuchtigen, zugleich aber auch energetischen und strukturierten Vetreter vom Kalksteinplateau und dessen Hängen: La Mondotte, Troplong-Mondot und Pavie-Macquin wie auch weitere wie Laroque, Clos Dubreuil und Trottevieille, dazu Péby Faugères im Osten der Appellation.

Höchst beeindruckend präsentierte sich die Appellation Pessac-Léognan an der Spitze, deren Spitzenvertreter in Gestalt von Smith Haut Lafitte, Haut Bailly und Malartic Lagraviere durch tiefgründige Dunkelfrucht und steinige Bodennoten bestachen.

Sieger Léoville Poyferré sorgt für beeindruckende Furore

Selbstverständlich kamen auch aus dem Médoc herausragende Weine. Besonders angetan war die Jury in dieser Blindkost von dem wunderbaren Léoville Poyferré aus St. Julien, der in seiner Komplettheit und Noblesse für Furore sorgte – tolle Harmonie bei gleichzeitigem großem Tiefgang, am Beginn seines Zeniths, der lange dauern dürfte. 

Palmer & Mouton Rothschild führen weiteres Topranking an

In seiner jugendlichen Anmutung einen Deut dahinter landete der exzellente Mouton Rothschild. Das Topranking im Médoc komplettierte der reichhaltige wie seidig-profunde Palmer aus Margaux. Dahinter tummelten sich große Namen wie Cos d’Estournel, Bechevelle, Léoville Barton, Calon-Ségur und Léoville Las Cases, für eine Überraschung sorgte Château Desmirail aus Margaux.

Hervorzuheben bleibt, dass dieser Jahrgang reifes, vollmundiges Trinkvergnügen mit gleichzeitig ausgeprägtem Bordeaux-Feeling bringt. Unter der kleinen Auswahl an trockenen Weißweinen gab es mit La Louvière einen sehr schönen Vertreter, das halbe Dutzend an süßen Sauternes präsentierte sich stark mit einem tollen Spitzenquartett.

 

Topliste Bordeaux Gesamt

18,5Léoville Poyferré
18,4Smith Haut Lafitte
18,3Château Mouton Rothschild
18,1Haut Bailly
18,0Palmer
18,0La Mondotte
18,0Troplong-Mondot
18,0Cheval Blanc
17,9Malartic-Lagravière
17,9Pavie Macquin
17,8Cos d‘Estournel
17,8Beychevelle
17,8Léoville Barton
17,8Desmirail
17,7Laroque
17,6Calon Ségur
17,6Clos Dubreuil
17,6Lafaurie-Peyraguey
17,5Léoville Las Cases
17,5Peby Faugeres

 

Topliste Bordeaux Blanc

16,5La Louvière 
15,7Luchey-Halde

 

Topliste Sauternes

17,6Lafaurie-Peyraguey 
17,4Lafaurie-Peyraguey 
17,3Clime
17,2Guiraud

 

Topliste Médoc

18,5Léoville Poyferré
18,3Château Mouton Rothschild 
18,0Palmer 
17,8Cos d‘Estournel
17,8Beychevelle
17,8Léoville Barton
17,8Desmirail
17,6Calon Ségur
17,5Léoville Las Cases
17,4Malesot St. Exupery
17,3Phélan Ségur

 

Topliste Pessac-Léognan

18,4Smith Haut Lafitte
18,1Haut Bailly
17,9Malartic-Lagravière
16,4La Garde
16,2Latour-Martillac
16,1Léognan 

 

Topliste Libournais

18,0La Mondotte
18,0Troplong-Mondot
18,0Cheval Blanc 
17,9Pavie Macquin 
17,7Laroque 
17,6Clos Dubreuil 
17,5Peby Faugeres 
17,4Moncets 
17,4Le Bon Pasteur 
17,4TrotteVieille
17,4Croix de Labrie 
17,3Lassègue 
17,3Laroze

 

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Philippe Blanc führte Château Beychevelle aus Saint Julien im Lauf der vergangenen 31 Jahre zu neuen Höhen. © Château Beychevelle
Großzügiger Barriquekeller von Saint-Émilion Starweingut Troplong Mondot. © Romain Ricard
Das ebenso markante wie zauberhafte Château Cos d‘Estournel in Saint Estèphe. © Château Cos d’Estournel
Denis Lurton von Château Desmirail in Margaux landete mit seinem 2015er einen Überraschungserfolg. © Clovis Durand-Moldawan
Glückliche Erntemannschaft in den Weingärten vom legendären Pessac-Léognan-Château Haut-Bailly. © Florent Larronde
Stephan von Neipperg und sein Sohn Ludovic führen neben Canon-la-Gaffelière u. a. auch das kultige Miniweingut La Mondotte. © Brice Braastad
Zwei Generationen der Barton-Familie aus Saint-Julien: Mutter Lilian Barton-Sartorius flankiert von ihren Kindern Melanie und Damien. © Deepix
Kompetentes Team von Pavie-Macquin (v.l.): Cyrille und Nicolas Thienpont mit Berater Stéphane Derenoncourt. © Pavie-Macquin
Sara Lecompte Cuvelier von Léoville Poyferré stellte den überragenden Siegerwein der großen und überaus stark besetzten Vinaria Verkostung Bordeaux 2015. © Château Léoville Poyferré
Kellermeister Simon Deleporte vom 1er Grand Cru Classé Lafaurie-Peyraguey glänzte mit seinem 2015er-Sauternes. © Lafaurie-Peyraguey
Die Erfolgsmannschaft von Château Mouton Rothschild in Pauillac: Chef de Culture Eric Bouscary, Technical Director und Head Winemaker Jean-Emmanuel Danjoy, Maitre de Chai Gérard Linaires © Mathieu Anglada
Tankkeller voller hochmoderner Edelstahltanks auf Château Calon Ségur in Saint-Estèphe. © Château Calon Ségur
Château Malartic Lagraviere liegt bei Vinaria Bordeaux-Verkostungen regelmäßig im Spitzenfeld: Veronique und Jean-Jacques mit Frau Séverine Bonnie. © latelierdestyle HD
Thomas Duroux, langjähriger Direktor des Kult-Weinguts Château Palmer in der Appellation Margaux, hat einen tollen 2015er zwischen Eleganz und Kraft zu bieten. © Olivier Metzger
Der Reifekeller auf Château Laroque, Geheimtipp und Grand Cru Classé aus Saint-Émilion. © Château Laroque