Steirer-Solo an der Spitze: Wieder einmal dominierte die Steiermark die – bisher größte – Vinaria Verkostung österreichischer Sauvignon Blancs.

Gleich vorweg: Der Jahrgang 2019 hat in dieser Verkostung mehr als nur gehalten, was er versprochen hat. Man darf ohne Weiteres festhalten, dass eine derart große Anzahl qualitativ hochwertiger und trinkanimierender Weine in einer Blinddegustation alles andere als üblich ist.

2018 zählt ebenfalls zu den guten Jahrgängen, insbesondere in der Steiermark scheint es eines der herausragenden Sauvignon-Jahre zu sein. Dass 2017 in diesem Weinbaugebiet Großartiges hervorgebracht hat, hat sich schon mehrfach bestätigt.

Es erleichtert das Verständnis der Weine, wenn man die Charakteristika der Jahrgänge kennt:

2019

Die Glückszahl der österreichischen Weinwelt scheint die Neun zu sein, ‚Neuner-Jahrgänge‘ fielen auffallend oft besonders gut aus. Diese legendäre Serie setzt 2019 nun fort: Trotz Hitze und Trockenheit zeigen die Weißweine animierende Frische“, so die Österreich Weinmarketing (ÖWM) schon im Frühling dieses Jahres.

Das Frühjahr 2019 war wechselhaft, der Mai regnerisch und so kalt wie zuletzt 1991. Es folgte ein heißer und trockener Sommer, die Böden hatten jedoch ausreichend Wasser gespeichert. Die Zeit der Rebenblüte war von guter Witterung geprägt, Verrieseln deshalb kaum ein Thema. Der Sommer war der wärmste und trockenste seit Beginn der meteorologischen Messungen. Ende August wurde es kühler, insbesondere in der Nacht, was sich günstig auf die Aromatik und die Säure auswirkte. Petrus bescherte den Winzern einen milden Herbst. Stressfrei konnten vollreife und gesunde Trauben gelesen werden.

Die Weine sind von animierender Frische und glockenklarer Frucht geprägt, die Säurestruktur ist trotz der Wärme während der Reifeperiode markant; Eleganz und Harmonie wie selten zuvor.

2018

Wir erlebten das zweitwärmste Frühjahr, seit es Wetteraufzeichnungen gibt. Entsprechend früh blühten die Reben. Dieser Vegetationsvorsprung zog sich durch den Sommer, der ausgesprochen heiß und trocken war. Speziell junge Reben litten merklich unter dem Trockenstress. Dieses ungewöhnliche Wetter führte zur frühesten Lese seit Menschengedenken. Der Weinjahrgang ist als reif und sortentypisch zu bezeichnen. Dennoch ist der Alkoholgehalt nicht überschießend. Trotz der extremen Witterung war 2018 rein sensorisch kein klassisches Hitzejahr..

2017

Wird als Jahr der extremen Temperaturwechsel in die Annalen eingehen. Der Jänner war sehr kalt, der Februar dafür (zu) warm, der darauffolgende Monat legte diesbezüglich noch eins drauf. Die Meteorologen sprachen vom wärmsten März seit 251 Jahren. Dann kam ein kühler April, in der zweiten Hälfte drohte ein Spätfrost. Sehr warm bis ungewöhnlich heiß ging es in den Sommer, der Regen fiel spärlich. Allerdings war die Steiermark von der Trockenheit nicht so stark betroffen wie der Rest der österreichischen Anbaugebiete. Pünktlich zur recht frühen Ernte ließ Petrus Wasser vom Himmel, nicht unbedingt zur Freude der Winzer. Der Oktober zeigte sich von seiner freundlichen Seite.

Ungeachtet der Wetterkapriolen war die Qualität der Trauben doch sehr gut, was in Verbindung mit penibler Kellerarbeit zu außergewöhnlichen Weinen führte. Die Aromatik war ausgeprägt dank der markanten herbstlichen Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht, die Frucht klar und präsent. In der Steiermark gilt 2017 als großer Sauvignon-Jahrgang.

2016

Wird den Winzern als Jahr der Extreme noch lange in Erinnerung bleiben. Ende April wurde die Alpenrepublik vor einem Spätfrost besonders hart getroffen. Der Qualität litt nicht unter dem Kälteeinbruch, ganz im Gegenteil. Die Rebstöcke hatten viel weniger Trauben als üblich mit Nährstoffen zu versorgen, und Sonne gab es ausreichend. Abgesehen von den Turbulenzen kurz nach dem Austrieb war das Jahr bis in die Lese hinein absolut in Ordnung. Es brachte trinkanimierende und aromatische Sauvignons.

2015

Der Sommer brachte neue Rekorde bezüglich Temperatur, Trockenheit und Sonnenscheindauer. Dieses Hitzejahr ist als sehr guter Jahrgang in den Annalen verzeichnet.

Stilfrage

Für das Finale hatten sich 24 Weine qualifiziert, und die kommen ausschließlich aus der Steiermark, alle Jahrgang 2018 und älter. Sie repräsentieren die ganze Stilbreite dieser Varietät made in Austria. Wenig überraschend schafften es die einfachen, leichten und trinkanimierenden Weine nicht in die zweite Runde.

Unter den Finalisten finden sich sowohl Sauvignons, welche ausschließlich im Stahltank ausgebaut wurden, als auch solche mit Erziehung im großen oder im kleinen Holz sowie Kombinationen aus diesen drei Behälterarten.

Der Erstplatzierte, der 2018er Ried Hochgrassnitzberg vom Weingut Polz, kommt aus großen, gebrauchten Holzfässern, ebenso der mit nur 0,2 Punkten Rückstand drittgereihte Pössnitzberg 2017 von Erwin Sabathi. Die betörende Eleganz dieses Weines wäre mit einer kräftigeren Eichennote kaum darstellbar.

Der zweitgereihte 2017er Obegg von Skoff Original wurde mit einem Barriqueanteil von acht Prozent abgerundet. Der ebenfalls im Finale platzierte Ried Kranachberg reifte zur Gänze im Edelstahl, der Sauvignon aus der Lage Hochsulz zur Hälfte. Völlig den Edelstahlbehältern verschrieben haben sich Daniel Jaunegg, dessen 2017er Ried Muri die Sortenspezifika perfekt transportiert, und Werner Schwarz mit dem gleich alten und auf hohem Niveau klassisch geprägten Ried Wunsum.

Stefan Potzingers JOSEPH Ried Sulz von 2018, die 2017er Steinkogl Reserve vom Kollerhof und der 2018er Ried Hochstermetzberg von Wolfgang Maitz lagerten in kleinen Holzgebinden, Reinhard Muster setzte bei seinen beiden Ried Grubthal Privatarchiv auf teilweisen Barriqueeinsatz (Jahrgänge 2015 und 2016). Das Weingut Gross wählte beim 2017er Privat Barriques für die Gärung, für den anschließenden Ausbau lagerte der Wein in kleinem Holz und in Edelstahl.

Dass keine 2019er im Finale vertreten waren, ist angesichts des beachtlichen Niveaus dieser mehrheitlich einfacheren Weine verständlich. Die Lagen und Reserven werden wohl erst in den kommenden Jahren zu Sortenverkostungen eingereicht werden.

Preis-Leistung-Sieger 

Der Sieg an einer wichtigen Nebenfront wurde der Steiermark allerdings entrissen und ausgerechnet in die Wachau „entführt“: Den Best Buy-Titel der großen Vinaria Verkostung holte sich Franz-Josef Gritsch aus Spitz mit seinem SB Ried Hartberg Federspiel.

Abo bestellen - Die gesamte Verkostungs-Reportage mit allen Weinbewertungen und -beschreibungen und den Winzer-Interviews sowie Fotos finden Sie in der Ausgabe Vinaria 5/2020. Bestellen Sie Vinaria jetzt einfach & bequem zum Erscheinungstermin nach Hause. Das Jahresabo Vinaria mit 7 Ausgaben pro Jahr inklusive dem großen Weinguide Österreich ist um € 49,00 (EU-Ausland € 65,00) erhältlich. Jetzt im Vinaria Abo-Shop bestellen

Topliste Sauvignon Blanc Österreich (Auszug)

18,0  Erich & Walter Polz | 2018 Ried Hochgrassnitzberg GSTK
17,9  Skoff Original | 2017 Ried Obegg
17,8  Erwin Sabathi | 2017 Ried Pössnitzberg GSTK
17,6  Hannes Sabathi | 2016 Ried Kranachberg Reserve
17,6  Bernd Stelzl  | 2018 Ried Hirritschberg
17,6  Tschermonegg | 2018 Ried Lubekogel
17,5  Jaunegg Koglmuri | 2017 Ried Muri
17,5  Muster.gamlitz | 2015 Ried Grubthal Privatarchiv
17,5  Erich & Walter Polz | 2018 Ried Witscheiner Herrenberg
17,5  Hannes Sabathi | 2017 Ried Kranachberg GSTK
17,5  Skoff Original | 2018 Ried Hochsulz
17,5  Skoff Original | 2018 Ried Kranachberg
17,5  Weingut Wohlmuth | 2018 Ried Edelschuh
17,4  Kollerhof am Eichberg | 2017 Steinkogl Reserve
17,4  Wolfgang Maitz | 2018 Ried Hochstermetzberg GSTK
17,4  Muster.gamlitz | 2016 Ried Grubthal Privatarchiv
17,4  Erich & Walter Polz | 2018 Ried Pössnitzberg
17,4  Stefan Potzinger | 2018 JOSEPH Ried Sulz
17,4  Schauer | 2018 | Ried Gaisriegl
17,4  Werner Schwarz | 2017 Ried Wunsum
17,4  Tschermonegg | 2016 Ried Lubekogel

Erwin Goldfuss und Wolfgang Wachter, Autor dieses Beitrages. Pointierte Kommentare der Kollegen sind zum Teil wörtlich wiedergegeben.

Topliste Best Buy Sauvignon Blanc Österreich (Auszug)

16,3  F.J. Gritsch 2019 | Ried Hartberg Federspiel € 12,00
16,3  Mayer am Pfarrplatz | 2019 Sauvignon Blanc € 12,00
16,2  Adam-Schererkogl | 2018 Sauvignon Blanc Südsteiermark € 8,50
16,2  Gollenz | 2018 Sauvignon Blanc Vulkanland DAC   € 10,50
16,2  F. & K. Menhart  | 2019 Sauvignon Blanc Gamlitz € 9,50
16,2  Rossmann | 2019 Sauvignon Blanc Steiermark € 9,00
16,2  Rossmann | 2019 Sauvignon Blanc Vulkanland DAC € 9,00
16,2  Tschermonegg | 2019 Sauvignon Blanc Südsteiermark DAC € 10,70
16,1  Manfred Birnstingl  | 2019 Sauvignon Blanc Klassik € 8,50
16,1  Bernhard Frauwallner  | 2019  Sauvignon Blanc Vulkanland DAC € 9,50
16,1  Gründl-Stefan | 2019 Ried Stermetzberg  € 9,30
16,1  Bernhard Lambauer  | 2019 Schiefer € 11,00
16,1  Posch | 2019 Ortswein Oststeiermark DAC € 11,90
16,1  Pugl | 2019 Sauvignon Blanc € 8,90
16,1  Strablegg-Leitner | 2019 Ried Wurzenberg € 9,00
16,1  Thomas Unger | 2018 Sauvignon Blanc Südsteiermark DAC € 8,90

© Königshofer

Christoph Polz

Birgit & Harald Lieleg vom Kollerhof

Stefan Krispel

Johannes & Michael Gross

Stefan Potzinger

Wolfgang Maitz

Werner & Johann Schwarz

Bernhard & Stefan Schauer

Menhart Karl mit seinen Söhnen Karl und Franz

Adam Scherkogl

Irmgard, Helmut, Matthias, Manuel Rossmann

Alois Gollenz

Gerhard Lobner und Dragos Pavelescu vom Weingut Mayer am Pfarrplatz

© Karin Lernbeiß

Reinhard Muster

© Weingut Jaunegg

Daniel Jaunegg und Jasmin Edelsbrunner

© Marco Rossi

Ried Lubekogel: Erwin Tschermonegg und seine Söhne Franz-Josef und Lorenz

© Weingut Erwin Sabathi

Patrizia & Erwin Sabathi

© Gregor Semrad

Franz-Josef Gritsch in seiner steilen Terrassenlage Ried Hartberg

© Chris Rogl

Eva Skoff-Liebau und Walter Skoff