Die in den vergangenen Jahren arg gebeutelte Europa-Weinmesse ProWein ging Mitte März in Düsseldorf (Deutschland) in Szene: weiter verkleinert hinsichtlich Ausstellern und Besuchern, aber mit unbestrittener Berechtigung und daher mit guten Überlebenschancen in Zukunft.

Wie mehrfach berichtet, geriet die ProWein in den vergangenen Jahren ins Visier der neuen starken Messe Wine Paris und unter die Räder spezifisch deutscher Probleme: regelmäßige Preisexzesse zur Messezeit (Hotels, Restaurants, Flüge, Taxis) und Streiks, die den Nah- oder Flugverkehr lahmlegten, tausende Besucher und Aussteller ihre Rückflüge versäumen ließen.

3400 Aussteller, 31.000 Besucher = Halbierung

Die Ausstellerzahlen sanken von einst fast 7000 auf 3400 in diesem Jahr, die der Besucher von rund 65.000 auf 31.000. Auch die Teilnehmerfelder schrumpften stark, aus Österreich etwa von zu Spitzenzeiten 370 Winzern und dieses Jahr 132. Selbst die Präsenz der deutschen Prädikatsweingüter halbierte sich. 

ProWein versuchte in den beiden vergangenen Jahren verzweifelt, sich ein neues, redimensioniertes und stark auf den Businessbereich (b2b) fokussiertes Profil zu verpassen. Zumindest in Teilen scheint dieses zu greifen. „Mit der Entwicklung der ProWein in den vergangenen Jahren können wir uns nicht zufrieden geben – unser Anspruch ist es, die Messe konsequent weiterzuentwickeln. Deshalb schärfen wir die ProWein klar in Richtung Handelsrelevanz und Entscheidungsdichte. Mit Frank Schindler (ehemaliger Weingutsleiter bei Esterhazy im Burgenland; Anm.) haben wir seit Oktober 2025 einen Director an Bord, der die Branche kennt und diesen Weg mit klarem Fokus vorantreibt“, sagt Marius Berlemann, Geschäftsführer der Messe Düsseldorf.

Fokussierung auf b2b, DACH-Raum & Skandinavien

Im Gespräch mit Vinaria sieht Bundesweinbau-Präsident Johannes Schmuckenschlager eine gute Zukunft für die ProWein: „Nach meinem Messebesuch bin ich überzeugt, dass die ProWein ihren neuen Platz finden wird, mit Fokus auf den deutschsprachigen Raum, Benelux und Skandinavien. Die interkontinentalen Besucher und Aussteller werden wohl eher nach Paris tendieren.“

Die österreichische Weinwirtschaft zieht jedenfalls eine durchaus positive Bilanz nach der ProWein Mitte März in Düsseldorf: 132 Weingüter aus ganz Österreich präsentierten auf der wichtigsten Weinmesse im deutschsprachigen Raum ihre Produkte. Am Stand der Österreich Wein Marketing GmbH (ÖWM) machten 13 Masterclasses und eine Tasting Area die Stärken des österreichischen Weins greifbar und sorgten für regen Zulauf. Die neue Platzierung der Österreicher in Halle 1 gemeinsam mit Deutschland erwies sich als sehr positiv.

ProWein bleibt Fixpunkt im Kalender österreichischer Winzer

„Die ProWein ist immer ein Fixpunkt in unserem Kalender“, so Chris Yorke, Geschäftsführer der Österreich Wein Marketing GmbH (ÖWM), „Dank unserer Winzer, die mit ihren Weinen den Nerv der Zeit treffen: umweltbewusst, frisch, hochqualitativ!“ Besonders der Jahrgang 2025 schlägt mit frischen, eleganten und fruchtbetonten Weinen mit moderatem Alkoholgehalt erneut in diese Kerbe. Die aus Österreich an den großen Messen teilnehmenden Winzer werden sich künftig wohl aufteilen zwischen Paris und Düsseldorf, nur der kleinere Teil wird beide Messen besetzen.

Unter gemeinsamer Organisation der ÖWM und der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) zeigten die 132 Weingüter mehr als 1.400 Weine. Die ÖWM veranstaltete an ihrem Stand 13 Masterclasses mit hochkarätigen Speakers, wie etwa „Das Beste der Steiermark“, „Zweigelt: Meisterklasse in Vielseitigkeit und Vielfalt“ oder „Austria’s Next Generation – Junge Winzer im Rampenlicht“. Ein besonderes Highlight waren die Masterclasses „on air“. Dabei gab Top-Sommelier Gerhard Retter den Teilnehmern eine interaktive Tour von Stand zu Stand „Auf den Spuren der Zeit“ sowie zu „Terroir & Tradition“.

Der erfolgreiche Messe-Reigen wird mit der heimischen VieVinum (16- bis 18. Mai) fortgesetzt. 

Winzer-Stimmen zur ProWein 2026

Gerhard Wohlmuth, Südsteiermark: „Ich glaube, wenn sich die ProWein als Messe für „cool climate“-Regionen etabliert, dass sie auch in Zukunft ihre Berechtigung hat.“ 

Wolfgang Hewarth (Weingut Esterházy), Leithaberg: „Der Sonntag war für uns besser als erwartet. Wir hatten gute und viel Laufkundschaft. Auch die mittelständischen Unternehmen waren wieder unterwegs, die die letzten Jahre ein bisschen gefehlt haben.“ 

Katharina Baumgartner, Weinviertel: „Ich finde, dass Österreich dieses Jahr super platziert ist, da sehr viele Leute nach Österreich gehen, egal ob sie es geplant hatten oder nicht. Ich würde schon sagen, dass sich ein Besuch bei der ProWein weiterhin lohnt.“