Ein persönlicher Nachruf von Renè Gabriel: Er war 78 Jahre alt und noch voller Tatendrang. Michel Rolland hat als Önologe und Berater die Weinwelt verändert wie kein Zweiter. Wein-Consultants gab es vorher schon. Meist gelernte Professoren, welche berühmte Weingüter mit externen Ratschlägen unterstützen und bei der Assemblage halfen. Er verstarb übertraschend an einem Herzinfarkt.

Michel Rolland revolutionierte viele Weingüter rund um die Welt! Verhalf zu viel besseren Weinen. Nicht nur beim Verschnitt, sondern in allen Prozessen von der Traube bis in die Flasche. Er wusste, was die Konsumenten wollten. Er wusste aber auch, was sein Freund Robert Parker wollte. Dort wo Rolland als Consultant eingesetzt wurde, stiegen in der Folge die begehrten 100/100-Scores von Parker.

Wir sind uns früher ab und zu im Bordelais begegnet. Er hat mich immer akzeptiert, was für einen nicht ausgebildeten Weinverkoster schon ein ziemlich großes Kompliment war. Einmal durfte ich für eine ganz besondere Geburtstagsparty beim Beschaffen der Weine (Latour, Lafite, Mouton, Margaux, Haut-Brion, Pétrus etc.) – alle vom Jahrgang 1947 – helfen und beim großen Weinfest dabei sein. Der Event fand auf Château Jonqueyres statt. Gastgeber war Jean-Michel Aurcaute (Château Clinet), Michel Rolland und Robert Parker. Was dieses Trio, nebst den Weingemeinsamkeiten verband? Alle waren im Jahr 1947 geboren. 

Später begegneten wir uns sporadisch auf Weingütern, wenn er grad am Arbeiten war. Aber auch beim Spaghetti-Plausch bei Sophie Fourcade (Clos St. Martin), auf Faugères mit Silvio Denz oder aber auch bei mehreren Dinner-Einladungen auf seinem eigenen Weingut in Fronsac (Fontenil). 

Nebst eigenen Weingütern war Michel Rolland mit seinem Team für über 100 Weingüter in aller Welt engagiert. So trafen wir uns auch mal auf Lapostolle in Chile. Als ich ihn einmal über sein für mich nicht ganz nachvollziehbares Engagement in Indien interviewte meinte er lakonisch: „Das war bisher mein grösster Erfolg. Ich konnte die Weine von untrinkbar in trinkbar switchen!“ 

Damals erzählte er mir, dass er praktisch nur ein halbes Jahr im Bordelais weile und den Rest des Jahres als „Flying Winemaker“ unterwegs war. Jedes Mal, wenn er im Flieger zurück nach Bordeaux unterwegs gewesen sei, dann freute er sich auf ein Omelett mit den heimischen schwarzen Steinpilzen. 

Nun ist Michel im Alter von 78 Jahren im Schlaf an einem Herzinfarkt gestorben. Unzählige, durch ihn verbesserte Weine werden mich an ihn erinnern. Er war der Initiant der modernen Weine und vielleicht hat er zu Beginn seiner unglaublichen Beratungskarriere die Barrique-Grenzen manchmal reichlich großzügig ausgelotet. 

Doch die letzten zwei Jahrzehnte hat er mit seinem unglaublichen Erfahrungsschatz jeden Wein in seiner Eigencharakteristik unterstützt, neue technische Möglichkeiten adaptiert und die minutiöse Qualitätskontrolle in allen Produktionsetappen stetig adaptiert. Dabei hat er viele Nachfolger generiert und ausgebildet. Sein enormes Wissen wird jedenfalls weiterleben.