Der Weinbau im Piemont befindet sich nach Angaben regionaler Konsortien (Landwirtschafts- und Regionalrat, Winzervereinigung) in einer strukturellen Krise. Davon betroffen sind alle Weine und Rebsorten, mittlerweile auch die Nebbiolo-Flaggschiffe Barolo und Barbaresco.

Im Vorjahr (2025) sank die Weinproduktion im Piemont um vier Prozent gegenüber 2024, trotzdem stiegen die Lagerbestände an und gestalten sich astronomisch. Bei Barolo sind nach Daten von „Cantina Italia“ die Bestände um 15 Prozent gestiegen auf fast 75 Millionen Flaschen (2029: 65 Mio. Flaschen). Barbaresco verzeichnete einen Zuwachs der Bestände von 14 Prozent in sechs Jahren auf 21,8 Millionen Flaschen. 

Die Traubenproduzenten stöhnen unter drastischem Preisverfall, weil die etablierten Weinbaubetriebe ihre Traubenzukäufe massiv reduziert oder gar gestrichen haben. Nebbiolo-Trauben für Barbaresco waren 2025 um 27 Prozent billiger im Vergleich zum Vorjahr, während Nebbiolo d’Alba und Langhe Nebbiolo um bis zu 28 Prozent sanken. Barbera d’Asti-Trauben, vor allem die Top-Qualitäten, verloren bis zu 30 Prozent an Preis und Wert. Arneis und Dolcetto mussten Einbußen zwischen 14 und 21 Prozent hinnehmen.

"Wenn wir die Winzer nicht unterstützen", sagte Stefano Ricagno, Präsident des Asti-Konsortiums, "wird der Sektor auch für Premium-Weine eine Katastrophe erleben."

Gefordert werden kurzfristige Interventionen zur Entlastung des Marktes, darunter die Krisendestillation überschüssiger Weine, sowie längerfristige Strategien zur Stärkung der Nachfrage durch gezielte Werbekampagnen und eine Diversifizierung der Vertriebskanäle. Francesco Monchiero, Präsident der Organisation „Piemonte Land of Wine“, betonte, vor allem Weine aus Rebsorten wie Barbera, Dolcetto, Cortese und Moscato benötigten besondere Unterstützung.

Italiens Winzer sitzen auf 61 Millionen Hektoliter Wein

Als Ursachen für die Krise nennen die Verbände den rückläufigen Weinkonsum in den vergangenen fünf Jahren, erschwerte Exportbedingungen mit einem Rückgang von sieben Prozent außerhalb der EU – vor allem in die USA - sowie zunehmende extreme Wetterereignisse durch den Klimawandel. Die Lager der Winzer und Kellereien sind darart voll, dass die nächste Ernte kaum untergebracht werden kann.

Trotz der geringeren Produktion im Jahr 2025 sind die Bestände in italienischen Weingütern gestiegen auf mittlerweile 61 Millionen Hektoliter (+ 6 % im Vergleich zum Jahr davor). Das ist mehr als das 23-fache der gesamten österreichischen Weinproduktion (2,6 Mio. hl) und die fast 1,5-fache italienische Jahresproduktion.