Das Noma aus Kopenhagen gilt als eines der besten Restaurants der Welt. Doch Ex-Mitarbeiter werfen Chefkoch und Gründer René Redzepi laut „New York Times“ Gewalt und Demütigungen vor – Vinaria berichtete. Jetzt zieht der Däne Konsequenzen und tritt zurück.

Das Noma in Kopenhagen wurde fünfmal zum besten Restaurant der Welt gekürt, ist aber auch seit Jahren mit schweren Vorwürfen hinsichtlich der Arbeitskultur konfrontiert. Auf Instagram reagierte Noma Chef René Redzepi nun auf die Vorwürfe und gestand seine Schuld ein. © Shutterstock, Pe3k

„Es tut mir leid, dass ihr alle in dieser Situation seid“, sagte Redzepi in einem Video vor Mitarbeitern, das er auf Instagram veröffentlichte. „Ich habe daran gearbeitet, ein besserer Chef zu sein.“ Eine Entschuldigung allein reiche jedoch nicht: „Ich weiß, wie ich gewesen bin.“ Wegen der Aufmerksamkeit um seine Person übernehme er Verantwortung und trete zurück.

Rücktritt unmittelbar vor Start des Pop Up in den USA

Das Noma-Team um René Redzepi bereitet sich gerade auf das Pop-up in Los Angeles vor, das Projekt wurde Anfang des Jahres vorgestellt. Schlagzeilen machte vor allem der Preis pro Gast mit 1500 US-Dollar (1250 Euro). Der Rücktritt erfolgte wohl, um das aufwendige Projekt in den USA nicht zu gefährden. Ob der Rücktritt von Dauer ist, wird sich weisen.

Die jüngsten Anschuldigungen gingen von Jason Ignacio White aus, der zwischen 2017 und 2022 das Fermentationslabor des Restaurants leitete. White veröffentlichte auf Instagram eigene Schilderungen sowie anonyme Aussagen weiterer früherer Teammitglieder und verwies auf die Website noma‑abuse.com, auf der es heißt, es seien gegenwärtig 38 anonyme Erfahrungsberichte gesammelt worden. 

Kultur der Angst, Demütigungen, Gewalt, Psycho-Druck

Die Bandbreite der erhobenen Vorwürfe ist groß. Ehemalige Mitarbeitende sprechen den auf der Website veröffentlichten Texten zufolge von einer „Kultur der Angst“, massivem psychischem Druck und Demütigungen im Arbeitsalltag. Darüber hinaus wird über angebliche körperliche Übergriffe, mangelhafte Reaktionen auf Arbeitsunfälle, medizinische Vernachlässigung sowie sexuelle Übergriffe geschrieben. Mehrere anonyme Berichte richten sich dabei ausdrücklich gegen René Redzepi persönlich. Auch eine angebliche „Blacklist“ für missliebige Praktikanten wird erwähnt.

Darüber hinaus enthalten einzelne anonyme Berichte auf der Website Schilderungen von sexuellen Übergriffen und unangemessenem Verhalten durch Vorgesetzte. Betroffene werfen dem Management vor, Beschwerden intern ignoriert oder relativiert zu haben. In mehreren Aussagen wird zudem behauptet, wer Kritik äußere, müsse mit beruflichen Nachteilen rechnen, etwa durch informelle Warnungen innerhalb der Branche. Eine offizielle Stellungnahme des Restaurants Noma zu den neuesten Vorwürfen liegt bislang nicht vor. Ebenso gibt es derzeit keine bestätigten juristischen Schritte oder Untersuchungen seitens der dänischen Behörden.