Spitzengastronom Heston Blumenthal wird sein mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnetes Restaurant Dinner by Heston in London im Jänner 2027 schließen. Der Grund sind exorbitante Kosten für das Restaurant im Luxushotel Mandarin Oriental. Headsommelier dort ist der Österreicher Stefan Neumann.

Wie die Tageszeitung The Times berichtet, endet damit nach genau 16 Jahren die Betriebsdauer des im Jahr 2011 eröffneten Hauses in London, etabliert im Luxushotel Mandarin Oriental an der Knightsbridge, vis-á-vis des Nobelkaufhauses Harrods. Heston Blumenthal  bezeichnete diesen Schritt als eine bittersüße Entscheidung. 

Da das Unternehmen lediglich als Mieter in dem Gebäude fungiere und der Mietvertrag auslaufe, sei die Schließung die logische Konsequenz. Ursprünglich hätte das Mietverhältnis bereits im Sommer enden sollen, wurde jedoch laut Blumenthal um sechs Monate verlängert, um das 16-jährige Jubiläum zu erreichen.

900 Portionen Geflügelleber-Parfait in Mandarinenform pro Woche

Die Schließung stellt eine Zäsur für die gehobene Londoner Gastronomie dar, da das Restaurant kurz nach der Eröffnung internationale Bekanntheit durch Gerichte wie das Geflügelleber-Parfait in Mandarinenform erlangte, von dem wöchentlich rund 900 Portionen serviert wurden. Insgesamt ist Dinner by Heston im Hotel Mandarin Oriental ein kultiges Lokal, dessen Bedeutung weit über London und Großbritannien hinaus reicht.

Head-Sommelier aus Österreich: Stefan Neumann

Betroffen von der Schließung im Jänner 2027 wird auch Head-Sommelier Stefan Neumann sein, ein Österreicher, der seit vielen Jahren als Weindirektor im Dinner by Heston tätig ist und in der Branche einen exzellenten Ruf genießt.

Hinter der Entscheidung stehen ökonomische Faktoren. Blumenthal erklärte gegenüber der Presse, dass die meisten Gastronomiebetriebe derzeit unter den steigenden Lebensmittelpreisen und hohen Lohnkosten leiden würden. Im Fall des im Hotel Mandarin Oriental angesiedelten Restaurants hätten zudem die Budgetvorstellungen des Hotelpartners nicht immer mit den betrieblichen Notwendigkeiten übereingestimmt. 

Blumenthals Holding mit 2,3 Millionen Euro Verlust

Laut Informationen der Zeitung Daily Mail stand das Firmengeflecht des Kochs zudem kürzlich unter Beobachtung, da die Muttergesellschaft SL6 Ltd von einem Insolvenzantrag durch die britische Steuerbehörde betroffen war. Ein Sprecher Blumenthals gab dazu an, dass es sich um ein administratives Versäumnis während einer Systemumstellung gehandelt habe und die Forderungen mittlerweile beglichen seien. Die Bilanzen des Unternehmens wiesen für das Jahr 2024 Verluste in Höhe von mehr als zwei Millionen Britischen Pfund aus.

Neben den geschäftlichen Rahmenbedingungen thematisierte Blumenthal seine gesundheitliche Situation. Vor zweieinhalb Jahren wurde bei dem Koch eine bipolare Störung diagnostiziert, nachdem er zuvor Phasen manischen Verhaltens durchlebt hatte und zeitweise in einer psychiatrischen Klinik behandelt werden musste. Blumenthal gab an, dass die Erkrankung seine Arbeitsabläufe verlangsamt habe, er jedoch inzwischen seine Kreativität zurückgewonnen habe.

Fokus auf das Stammhaus in Bray

Trotz der Aufgabe des Standortes in London bleibt das Hauptrestaurant von Blumenthal bestehen. Der Gastronom wird seine Zeit künftig zwischen seinem Wohnsitz in der Provence (Südfrankreich) und seinem mit drei Michelin-Sternen prämierten Betrieb The Fat Duck in Bray nahe Londons aufteilen. Im Hinblick auf die regionale Verteilung der Sternegastronomie in Großbritannien bleibt das Umland von London somit ein zentraler Ankerpunkt für Blumenthals kulinarische Aktivitäten, während der Kostendruck in der Metropole zu einer Konsolidierung seines Portfolios führt.

Stefan Neumann (hier auf der Wine Paris 2026 bei einer Masterclass für Wein Niederösterreich) ist Headsommelier im Dinner by Heston in London. © Wein Niederösterreich, Sophie Moser
Aus für Dinner by Heston: Blumenthal schließt Londoner Zwei-Sterne-Restaurant Anfang 2027 wegen der exorbitanten Kosten. © Mandarin Oriental