Für Fachleute weltweit stellen die VDP.Große Gewächse den Höhepunkt deutscher Weinmacherkunst dar, sind doch die meisten Spitzenwinzer des Landes Mitglieder des Verband Deutscher Prädikatsweingüter. In Wiesbaden die neuen Kollektionen vorgestellt. Vinaria war wieder dabei.

Tim Fröhlich (im Bild mit Mats Genheimer) vom Nahe-Weingut Schäfer-Fröhlich hat 2025 eine Traumserie hingelegt. © Peter Bender

Die Großen Gewächse stammen wenig überraschend aus Großen Lagen – es handelt sich also um Einzellagenweine aus Toprieden aus allen Weinbauregionen. Die derart bezeichneten Rieden müssen nach VDP-Diktion das Potenzial haben, große Weine hervorzubringen. Für deren Einstufung als Große Lage sind Faktoren wie die Homogenität von Geologie, Mikroklima, Topografie, die Nähe zu Wäldern oder Flussläufen, ihre Eingebundenheit in die Landschaft erforderlich. 

Nur 0,16 Prozent der deutschen Rebfläche sind VDP.Große Gewächse

Dazu gehört auch ein außergewöhnliches Renommee, das über viele Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte erworben wurde. In ihrer Gesamtheit bewirtschaften die derzeit 202 VDP-Weingüter rund 5,7 Prozent der gesamten deutschen Rebfläche im Ausmaß von gut 100.000 Hektar. Die GGs machen lediglich 0,16 Prozent der gesamten Weinproduktion unseres nördlichen Nachbarn aus. Als GGs sind jedoch nur gewisse Sorten zugelassen: Deutlich mehr als die Hälfte der Weine sind Rieslinge, knapp ein Viertel Spätburgunder, dazu kommen in kleineren Anteilen (jeweils unter 6 Prozent) Weißer und Grauer Burgunder sowie Chardonnay, Silvaner, Lemberger und Frühburgunder. 

Kniffeliges Jahr, kleine Ernte

Mit 2025 kam wiederum ein vitikulturell höchst anspruchsvolles Jahr, in dem Voraussicht, Flexibilität und vor allem Schlagkraft im Weingarten für den Erfolg entscheidend waren. Aufgrund regional unterschiedlicher Bedingungen fielen die Erntemengen ziemlich heterogen aus: Zwar verzeichneten viele Regionen ein teils kräftiges Plus gegenüber dem mitunter von schlimmen Spätfrösten, Hagel und hohem Infektionsdruck geprägten Vorjahr, in anderen lag die Erntemenge jedoch deutlich unter jener von 2024. 

Jahrgang 2025: Früher Start und Turbo-Ernte

Insgesamt präsentierte sich 2025 als ungewöhnlich warmes Jahr mit Hitzespitzen bis knapp unter 40 Grad Celsius und ausgeprägt trockenen Bedingungen, die von teils massiven Septemberniederschlägen durchbrochen wurden. Über weite Phasen des Jahres hinweg gab es massig Sonnenschein, lediglich Juli und Oktober fielen etwas trüber aus.

Der Winter 2024/25 zeigte sich überwiegend mild, vielerorts zudem trocken und sonnenreich; entsprechend freundlich begann auch der Vegetationszyklus 2025. Das Frühjahr war in den meisten Gebieten relativ warm – sehr sonnig, zugleich ungewöhnlich trocken und deutlich zu mild. Die Reben dankten es häufig mit einem frühen Austrieb, der im Gegensatz zum Vorjahr glücklicherweise von verheerenden Spätfrostereignissen verschont blieb. 

Der überwiegend günstige Wetterverlauf führte vielerorts zu einer eher frühen Blüte unter sehr guten Bedingungen, sodass sich ein gleichmäßiger Fruchtansatz entwickeln konnte. Der Juni präsentierte sich als rekordverdächtiger Hitzemonat und leitete einen Hitzegipfel Anfang Juli ein, an dem die Jahreshöchstwerte erreicht wurden. In der Folge wurde es in diesem Monat vielfach nass und trüb, punktuell gab es hohe Regenmengen, lokal auch Hagelschläge in den Regionen Nahe und Rheinhessen. In dieser Phase schritt das Wachstum rasch voran, umsichtige Laubarbeit sowie zeitgerechte Pflanzenschutzmaßnahmen waren dabei essenziell.

Die bis dahin bereits gut vorangeschrittene Traubenentwicklung erfuhr im mehrheitlich heißen und trockenen August nochmals einen kräftigen Schub. Die Reife setzte extrem früh ein, sodass der Erntebeginn vielerorts bereits im August erfolgte. Abgesehen vom fortgeschrittenen Reifestadium der Beeren in vielen Regionen und der Tatsache, dass viele Sorten fast zur gleichen Zeit reif wurden, regten auch die Wetterprognosen, die für September reichlich Niederschläge ankündigten, die Winzer zum zeitigen und möglichst raschen Einbringen der Ernte an. In der Folge wurde fast überall besonders früh und im Turbotempo gelesen.

Der Leseaufwand war in fast allen Regionen sehr hoch: Punktgenaues Lesen und penible Selektion waren notwendig, um Topqualitäten zu ernten. Die für Weine der Qualitätsstufen VDP.Große Lage und VDP.Erste Lage verpflichtende Handlese dürfte sich aber gerade in diesem Jahr positiv ausgewirkt haben.

Klar, extraktreich, pointiert

244 Große Gewächse aus allen Regionen – mit Ausnahme der Ahr – standen in Wiesbaden dem Fachpublikumk zur Verkostung, mehrheitlich aus dem Jahrgang 2025. Dazu ein paar Silvaner (14) sowie einige Blaue Burgunder. Trotz der Herausforderungen konnten die Rieslinge als Gruppe überzeugen. Die gelungenen Exemplare zeigen sich charaktervoll mit jugendlicher wie klarer Frucht sowie Eleganz, bei gleichzeitig gutem Extrakt und pointierter Säure. Im Bukett etwas dezenter als der Vorgänger, bieten sie am Gaumen vielfach etwas mehr Konzentration. Die 2024er weisen meist einen etwas geringeren Alkoholgehalt aus.

Schäfer-Fröhlich mit einem famosem Jahrgang

Beeindruckend war einmal mehr die Serie von der Region Mosel-Saar-Ruwer, wobei Van Volxem, Dr. Loosen und Reichsgraf von Kesselstatt herausstachen. Stark präsentierten sich auch die Nahe – Schäfer-Fröhlich hat heuer einen famosen Jahrgang hingelegt – sowie Pfalz mit breiter Spitze (insbesondere Acham-Magin, Bassermann-Jordan und von Winning). 

Schwer zugänglich zeigten sich zum Verkostungszeitpunkt für mich die Weine von Topbetrieb Bürklin-Wolf, diese werden zu einem späteren Zeitpunkt nachgekostet. Exzellent war diesmal erfreulicherweise auch Rheingau (unter anderem Prinz, Kühn und Domdechant Werner). Aus Rheinhessen waren wieder einmal Wittmann sowie Battenfeld-Spanier spitze. Den beeindruckendsten Silvaner gab es von Bickel-Stumpf.

 

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Die Bio-Winzer Florian und Fred Prinz aus Hallgarten im Rheingau besichtigen ihre alten Reben in der VDP.GROSSEN LAGE Jungfer. © Weingut Prinz
Erste Lage Kapellenberg mit Große Lage Dautenpflänzer sowie in der Flucht Richtung Mittelrheintal eingebunden Rheinberg und gegenüberliegend Scharlachberg © Peter Bender
Kellermeister David Nicolay und Geschäftsführer Karsten Weyand im Keller des Mosel-Weinguts Reichsgraf von Kesselstatt. © Weingut Reichsgraf von Kesselstatt
Spitzenwinzer von der Nahe: Cornelius Doennhoff hat mit seinem Riesling Hermannshöhle 2025 einen Volltreffer gelandet. © Weingut Doennhoff
Weinlese am Weingut Domdechant Werner in Hochheim am Main im Rheingau © Weingut Domdechant
Georg und Julia Rump vom Weingut Kruger-Rumpf erzeugen Große Gewächse in den Regionen Nahe und Rheinhessen. © Peter Bender
Manuela und Matthias Stumpf aus Franken kelterten einen famosen Silvaner aus der Lage Rothlauf. © Weingut Stumpf
Roman Niewodniczanski hat das historische Saar-Weingut Van Volxem zurück an die Spitze geführt. © Weingut Van Volxem
Rheinhessen-Star Philipp Wittmann (li) mit seinem Team im Weinberg: Zenon Granda, Georg Rieser und Ana Tkhelidze © David Maurer
Zu den Topbetrieben in der Pfalz zählt das Weingut von Winning, wo der Ausbau in Holzfässern vom Stückfass bis Kleinformat große Bedeutung hat. © Markus Bassler
Bernd (links vorne) und Andreas (rechts vorne) Spreitzer aus Oestrich-Winkel mit ihrer gesamten Crew © Weingut Spreitzer
Oliver Haag führt das traditionsreiche Mosel-Weingut Fritz Haag in Brauneberg mit seiner Frau Jessica seit 2005. © Weingut Haag
Mosel-Legende Ernie Loosen steht für herausragend elegante Rieslinge mit puristischer Frucht. © Weingut Dr. Loosen
Peter und Victoria Kühn produzieren höchst eigenständige Weine mit Persönlichkeit in Oestrich-Winkel im Rheingau. © Markus Basler