Die anhaltenden Hitze- und Dürreperioden mit Höchsttemperaturen um die 40 Grad werden künftig nicht die Ausnahme, sondern die Regel sein. Winzer beschäftigen sich intensiv mit der Kombination von Weinbau und Forstwirtschaft zur Kühlung der Weinberge. Etwa Biowinzer Josef Umathum.

Vitiforst und Beweidung der Weingärten kühlt und verbessert den Boden. © Umathum

Der Begriff „Viniforesting“ - auf deutsch Vitiforst - bezeichnet die Kombination von Weinbau und Forstwirtschaft. Dabei werden gezielt Bäume, Sträucher oder Hecken direkt in oder um den Weinberg gepflanzt, um diese zu kühlen. Die nachhaltige Methode gewinnt im Zuge des Klimawandels stark an Bedeutung.

Was schon lange als Schutzhecken in windgeplagten Weinflächen gepflanzt wurde, bekommt in Zukunft große Bedeutung auch für den Hitzeschutz. Bäume dienen als natürliche Sonnenschirme, beschatten die Reben oder Teile davon und schützen Trauben vor Sonnenbrand. Sie erhöhen zudem die Wasserspeicherfähigkeit des Bodens und steigern die Biodiversität. Der Windschutz durch Bäume und Hecken ist bekannt.

Josef Umathum warnt: Weinbau steckt in größter Krise! 

„Die diesjährige Hitze und Dürre werden Österreichs Weinbauern auch in Zukunft vor riesige Herausforderungen stellen“, ist Bio-Pionier Josef Umathum aus Mönchhof im nördlichen Burgenland überzeugt. Seine Lösung: „Jetzt müssen Weingärten mit Bäumen aufgeforstet werden. Österreichs Weinbau steckt in seiner größten Krise.“

„Wir müssen die Weingärten im Land mit zehntausenden Bäumen aufforsten, um zukünftig gegen Hitze und Dürre gerüstet zu sein.“ Umathum betreibt Vitiforst, also Agroforst im Weingarten, seit den 1990er-Jahren. Aber er ist einer von nur wenigen Winzern in Österreich, die schon so weit sind.

Österreichs Rebflächen brauchen zehntausende Bäumer

Für Josef Umathum geht es schlicht um die Zukunft des österreichischen Weinbaus. „Es ist fünf vor zwölf, aber es ist noch nicht zu spät. Es braucht jetzt eine noch stärkere Anstrengung, und zwar von allen Winzern in Österreich.“ Seine Antwort: Zehntausende Bäume und Sträucher, die den Weingarten beschatten und kühlen, Schafe und Kräuter statt Monokultur, Reben, die tiefe Wurzeln schlagen, statt am Tropf zu hängen, und Winzer, die gemeinsam statt gegeneinander arbeiten. „Die Natur prügelt dich nieder, und du kannst dich nicht wehren“, sagt Umathum.

Auf die Solidarität seiner Winzerkollegen hofft Pepi Umathum: „Je großflächiger diese Maßnahmen gesetzt werden, umso besser wirken sie. Wo der Markt kleiner wird und das Konkurrenzdenken stärker, braucht es wieder mehr Solidarität.“

Umathum setzt seit mehr als 30 Jahren auf Bäume und Sträucher in seinen Weingärten. Zuerst waren es einzelne Solitärbäume, heute sind es weit über 1.000. Bewährt haben sich vor allem Feldahorn und Mirabelle, dazu Stachelbeere, Holunder und Schneeball. Auch Schafe gehören zum Betrieb: Sie fressen die Kräuter zwischen den Reben und tragen die Samen weiter, die danach deutlich besser keimen als bei bloßer Einsaat. Im Weinbau sind solche Maßnahmen noch die absolute Ausnahme, verbreitet seien sie „nicht einmal im Promillebereich“.

Seit 1985 führt Josef Umathum sein Weingut, stellte bereits Ende der 1980er-Jahre auf biologische Bewirtschaftung um und arbeitet seit 2005 biodynamisch. Mit zwölf pilzwiderstandsfähigen Rebsorten (PiWi) experimentiert das Weingut zudem seit Jahren erfolgreich, gilt auch dabei als Pionier.

 

 

Mikrobiologe Michael Wagner von der Universität Wien, Träger des Wittgenstein-Preises, der höchstdotierten Wissenschaftsauszeichnung Österreichs, spricht im Weingut Umathum über den Zusammenhang zwischen gesunder Landwirtschaft, der Qualität von Lebensmitteln und dem menschlichen Mikrobiom:

Vortrag „Das Mikrobiom“
Samstag, 17. Oktober 2026, 18.00 Uhr
Weingut Umathum, St. Andräer Straße 7, 7132 Frauenkirchen
Referent: Prof. Dr. Dr. h.c. Michael Wagner
Anmeldung: office@umathum.at oder +43 2172 24400