Still ist es geworden um das ambitionierte Hotel- und Restaurantprojekt Der Förthof in Krems am Tor zur Wachau: nach Investitionen von rund 24 Millionen Euro steht der unfertige Bau still, die längst geplante Eröffnung ist in weite Ferne gerückt und wird täglich unwahrscheinlicher.

Bei der Eröffnung des neuen Hauptsitzes der SAN Group galt noch „Daumen hoch“ (v.l.): Richard Erber, Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und SAN-Group-Gründer Erich Erber. © NLK Filzwieser

Eine Bauruine droht am Westende der Wachau-Hauptstadt Krems an der Donau, direkt an der Bundesstraße 3, unterhalb der bekannten Weinriede Pfaffenberg und kurz vor Beginn des Weinbaugebiets Wachau: das in drei Objekte geteilte Hotel und Restaurant Der Förthof droht ein Millionengrab zu werden.

Die Vorgeschichte ist schillernd. Der ehemalige Multimillionär Erich Erber (73) erwarb ein altes, herunter gekommenes Objekt, das früher die erste Kremser Hoteladresse, den Förthof, beherbergte. Das ist auch der Name dieses Ortsteiles am Ende von Krems-Stein. Erber wollte hier einen Hotelkomplex mit -zig Zimmern und Donaublick (allerdings über die Bundesstraße) aufziehen, daneben einen Restaurantkomplex und dazwischen einen uralten, schwerst renovierungsbedürftigen Wohnblock sanieren, der noch dazu unter strengstem Denkmalschutz steht.

Ambitioniertes Hotelprojekt droht als Millionengrab zu enden

Probleme mit Widmung, Sanierung und renitenten Billigmietern des alten Wohnblocks prägten die ersten Jahre. Die Eröffnung wurde mehrfach verschoben. Mittlerweile wurden gut 24 Millionen Euro investiert, offenbar über Kreditlinien von Banken und Schwestergesellschaften. Dies legen im Firmenbuch einsehbare Bilanzzahlen der Förthof Holding GmbH aus dem Jahre 2023 mit Stichtag 30. September 2024 nahe. Jüngere Daten und vor allem die längst fällige Bilanz 2024 gibt es nicht.

Für gehörige Unruhe sorgte jüngst in Finanzkreisen Niederösterreichs das Gerücht, dass eine bauausführende Firma den finanzierenden Banken anbot, das unfertige Hotelprojekt samt den drei Gebäuden um fünf Millionen Euro zu übernehmen und einer anderen Verwendung zuzuführen. Das wären exakt 20 Prozent des bisher versenkten Investments und nicht mehr als eine allfällige Quote aus einer Insolvenz.

Riesiges Vermögen mit Biotech-Unternehmen gemacht

Erich Erber gelangte in Unternehmerkreisen zu einigem Ansehen im In- und Ausland durch den Selfmade-Aufbau seiner Firma Biomin, die zahllose Patente rund um die Welt hielt, Futterergänzungsmittel zur Tiergesundheit herstellte und weltweit vertrieb. Das Unternehmen verkauften Erber und seine geschiedene Frau Mitte 2020 an den niederländischen Konzern Royal DSM. Der Kaufpreis betrug damals sagenhafte 980 Millionen Euro.

Bio-Pionier Erber investierte seinen Anteil in den folgenden Jahren reihenweise in Biotech-Start Ups zwischen den Arabischen Emiraten und Asien, Europa und Kalifornien. Am früheren Stammsitz in Herzogenburg bei St. Pölten investierte Erber in einen Businesspark, eine Wasserstoffanlage und in ein Forschungszentrum für Tiergesundheit. Vehikel über allem drüber ist seine SAN-Group. Was davon übrig blieb oder in Betrieb, ist aktuell nicht feststellbar.

Sanierungsmanager wurde bereits eingeschaltet

Konkreter greifbar ist das Investment in den Förthof in Krems. Hier stehen die Räder still und die Stadt Krems fürchtet eine gut sichtbare Bauleiche an prominenter Stelle. Auf Anfragen zur Sache wird seitens der SAN-Group bereits an den Sanierungsmanager Christoph Rauch verwiesen, der seinerzeit schon den riesigen Biomin-Deal eingefädelt hatte.

Hotelfachleute wunderten sich über das Konzept des Hotelbaus, der offensichtlich ohne viel planerisches Fachwissen in Angriff genommen wurde. Entsprechend erfolglos gestaltete sich die Suche nach Betreibern von Hotel und Restaurant. In der Region gilt das Projekt als „No Go“, auch Hotelketten winkten ab.

Immer wieder als Betreiber genannt wurde Multigastronom Toni Mörwald, auch ein Shakehands-Foto mit Erich Erber aus 2024 existiert. In diesem Zusammenhang werden von Insidern Interventionen bis zu NÖ Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner erwähnt, um das Projekt doch noch zu retten. Im Verwertungsfall möglicherweise ein Schnäppchen.

Kennzahlen machen Banken, Gläubiger, Lieferanten nervös

Rund um den Förthof wurden ebenso wie innerhalb der SAN-Group zahllose miteinander verflochtene Firmen und Konstrukte gegründet, viele davon halten wechselseitige Beteiligungen. Im Zentrum aber immer Erich Erber und Multi-Geschäftsführer Jürgen Neurauter. Einsehbare Bilanzzahlen legen eine meist hohe Verschuldung, Betriebsverluste und oft auch negatives Eigenkapital nahe.

Ruhig ist es auch geworden um ein weiteres Erber-Investment, das Schloss Albrechtsberg im südlichen Waldviertel. Nach dem Kauf wurde eifrig restauriert und zeigt sich das Schloss äußerlich generalsaniert. Vom Umbau in das dort ebenfalls geplante Hotel allerdings keine Spur.

Fertiggestellt wurde bereits vor einigen Jahren ein luxuriöses Privathaus in prominenter Lage in Krems im Besitz von Erich Erber, das eine Zeitlang von Familienmitgliedern bewohnt wurde. Es steht seit geraumer Zeit um rund fünf Millionen Euro zum Verkauf – bislang erfolglos.