Österreich bereitet sich auf die große Weinmesse VieVinum vor (16. bis 18. Mai 2026) und in der Gerd A. Hoffmann-Akademie ist bereits Halbzeit im Cross-Mentoring-Programm, das erfahrene Paten mit jungen Winzern vernetzt. Vinaria portraitiert das Duo ÖFB-Präsident Josef Pröll & Jungwinzer Gerhard Deim.

Angestoßen mit dem Siegerwein der großen Vinaria Verkostung, dem 2021 Grüner Veltliner Ried Kalvarienberg (v.l.): ÖFB-Präsident Josef Pröll, Topwinzer Gerhard Deim, Vinaria Herausgeber Erwin Goldfuss © Vinaria

Die jungen, aufstrebenden Mentees wünschen sich durch den Austausch mit ihren Mentoren neue Perspektiven, Inspiration und praxisnahe Impulse, die Erweiterung ihres Netzwerks und die persönliche Weiterentwicklung. Zudem stehen Themen wie Internationalisierung, Digitalisierung, Marketing & Zielgruppen auf den Wunschlisten. 

Gerhard Deim holte den Vineus-Award und gewann Vinaria Verkostung 

Ja, Gerhard Deim aus Schönberg im Kamptal, nördlich von Langenlois gelegen. Einer der zentralen Weinorte des Kamptals. Mit seinen 35 Jahren hat er schon einiges erlebt im Weingeschäft und kratzt gerade noch die Kurve ins Mentoring-Programm, das mit 35 ein Alterslimit setzt. Sein Buddy dabei ist Gregor Nimmervoll, der am Wagram schon zu den jungen Etablierten gehört und ebenfalls dereinst VieVinum-Mentee war.

Im Vorjahr holte er den begehrten Vineus-Award als Newcomer-Winzer des Jahres. Zur Draufgabe gewann er dann noch im Herbst 2025 das große Vinaria Verkostungsduell der Topjahrgänge 2019 und 2021. Seinen Siegerwein – 2021 Grüner Veltliner Ried Kalvarienberg (sagenhafte 18,5 Punkte, 5 Sterne) – bringt er gleich zum Vinaria Gespräch mit ins Raiffeisenhaus am Wiener Donaukanal. 

ÖFB-Präsident & Chef von Europas größtem Mühlenkonzern

Genauer gesagt ins Haus der Raiffeisen Holding Niederösterreich-Wien, wo ganz oben Spitzenmanager Josef Pröll (58) residiert. Er ist einer breiten Öffentlichkeit als Präsident des Österreichischen Fussballbundes (ÖFB) bekannt, in Wirtschaftskreisen als Chef der Leipnik-Lundenburger-Industrieholding (LLI), die unter dem Raiffeisendach etwa Europas größten Mühlenkonzern betreibt.

Das VieVinum-Mentoringprogramm hat Josef Pröll & Gerhard Deim zusammengespannt. Pröll stammt aus einer gemischten Landwirtschaft in Radlbrunn im südwestlichen Weinviertel, schon nahe dem Kamptal, ist der Neffe des früheren Landeshauptmanns Erwin Pröll. Sein Neffe wiederum betreibt das ebenfalls recht erfolgreiche Weingut Pröll und dessen Sohn Max – so klein ist die Welt – nimmt ebenfalls am Mentoring-Programm der VieVinum teil.

„Ein Glas Wein kann vieles erleichtern“, lacht Josef Pröll und spielt damit auf sein Tagesgeschäft an: „Es ist im Geschäft wie in der Politik, im Gespräch, in Verhandlungen.“ Viel ist Pröll geschäftlich in Osteuropa unterwegs und bemerkt dort einen klaren Trend: „Die Trinkkultur verschiebt sich sehr in Richtung Wein, weg von den harten Sachen wie Vodka & Co.“

Hat er zum Glas gegriffen, als er aus heiterem Himmel gefragt wurde, ob er ÖFB-Präsident werden möchte? „Ich ließ die Frage sickern und hab mir eine Flasche aufgemacht – gut, dass wir im Büro immer eine im Kühlschrank haben.“ Gezögert hat er schon mit der Antwort, dann aber Ja gesagt: „Ich bin ein Teamspieler, es geht in der Wirtschaft auch nicht anders, man muss Gräben überbrücken können, daher habe ich dem ÖFB zugesagt.“

Zum Grünen Veltliner: „Wo ich herkomme, da gehöre ich hin!“

Josef Pröll liebt den Grünen Veltliner in allen Varianten, findet die Rebsorte einfach spannend: „Wo ich herkomme, da gehöre ich hin!“ Nicht nur damit trifft er sich mit Gerhard Deim, der am Tag nach dem Vinaria Interview gleich mal mit Pröll in den VIP-Bereich des Happelstadions durfte zum Ländermatch gegen Ghana. Netzwerken pur für den jungen Mentee aus dem Kamptal.

Für das Mentoring-Programm der VieVinum „bin ich genauso überraschen gefragt worden wie für den ÖFB-Präsidenten“, lacht Pröll: „Für mich ist die Arbeit mit jungen Menschen ein Auftrag und eine Freude zugleich, daher habe ich zugesagt und den Gerhard zugelost bekommen.“

Nach Parallelen zwischen dem höchst erfolgreichen, prominenten Topmanager Josef Pröll, der früher mal ein paar Jahre Vizekanzler und Finanzminister war, und dem Winzertalent aus Schönberg braucht man nicht lange zu suchen. „Ich war schon im Betrieb von Gerhard und sehe extreme Parallelen zwischen uns beiden. Es ist der eindeutige Zug nach vorn, zu neuen Zielen, das Bekenntnis zu Produkt und absoluter Qualität, ohne alle Eitelkeiten – das verbindet uns jedenfalls.“

Qualität unverhandelbar und Winzer müssen Marken werden

Einen Tipp hat Pröll dabei schon parat: „Will man mit seinem Produkt erfolgreich sein, muss man – gerade auch als Winzer – Marke werden. Denn es hilft der beste Wein aus dem schönsten Eck des Kamptals nichts, wenn man diesen nicht verkauft!“

Da stimmt Gerhard Deim gerne ein, der in den vergangenen Jahren den elterlichen Betrieb in wesentlichen Teilen neu aufgestellt hat. Die absolute Qualität ist für ihn dabei unverhandelbar, ist immer die Basis, wenn man an die Spitze möchte. Vor der vielzitierten Weinabsatzkrise hat er daher keine Angst, das Marketing aber verstärkt, auch die Messeauftritte. 

Immerhin 30 Prozent seiner Weine exportiert der Jungwinzer bereits, vorwiegend in die Niederlande, nach Dänemark, Tschechien und Großbritannien. Der Rest teilt sich in Ab-Hof-Verkauf und Fachhandel. Etwa die Hälfte seiner Rebflächen sind mit Grünem Veltliner bestückt, dazu kommt „Riesling mit deutlich steigender Tendenz und etwas Muskateller, Chardonnay und Zweigelt.“

Cool-Climate-Weine und „Nachhaltig Austria“

Zuhause im Weingut kann er sich auf seine – noch relativ jungen – Eltern eisern verlassen. Der Generationswechsel ist daher eher eine Generationen-Gemeinschaft „ohne Probleme und ganz fließend“. Gemeinsam liegt der Fokus auf der Produktqualität, die nicht erst bei den Riedenweinen ansetzt, sondern schon Basis ist von den Gebietsweinen aufwärts. 

Nach Stationen in Neuseeland, den USA und Australien kehrte Gerhard Deim 2017 ins elterliche Weingut in Schönberg zurück. Davor absolvierte er die VinoHAK in Krems und studierte Weinmanagement in Eisenstadt. Mit „kühler Eleganz“ beschreibt er seinen Weinstil und setzt dabei auf die Zertifizierung Nachhaltig Austria: „Diese ist perfekt für das Kamptal, spannt einen weiten Bogen und passt hervorragend zum Image der Weinbauregion.“ 

Mentor & Mentee: Kontakt dauerhaft mit Leben erfüllen

Wo sieht er seinen Betrieb in zehn Jahren? „Jedenfalls in Schönberg am Kamp! Wir wollen nicht um jeden Preis wachsen, sondern uns vielmehr auf die besten Lagen im nördlichen Kamptal konzentrieren; aber doch erweitern, wenn sich Filetstücke anbieten.“

Die Erwartungshaltung von Josef Pröll & Gerhard Deim an das Mentoring-Programm ist ein gemeinsamer Nenner: „Ich hoffe, ihm etwas mitgeben und einen Teil meines Netzwerks für ihn öffnen zu können. Sicher kann ich von Gerhard auch etwas lernen“, ist Pröll überzeugt. „Für mich ist die Geschäftswelt von Leipnik-Lundenburger etwas ganz Neues, Faszinierendes, ich habe dadurch schon viele Leute kennengelernt“, freut sich Gerhard Deim. Beide möchten ihren Kontakt jedenfalls über die VieVinum 2026 hinaus intensivieren.

 

13 Mentees kommen in diesem Jahr aus bekannten Winzer-Häusern, etwa Alexander Fritsch, Clemens Krutzler, Stefanie Leitner, Florian Masser, Lena Skringer oder das Geschwister-Trio Sophie, Katharina und Maximilian Wieninger oder Gerhard Deim. Sie konnten sich für das Cross-Mentoring-Programm im Vorfeld der VieVinum 2026 klassifizieren. Die Schirmherrschaft der Gerd A. Hoffmann-Akademie obliegt Weinbaupräsident Johannes Schmuckenschlager.

VieVinum-Organisatorin Alexandra Graski-Hoffmann ist es ein Anliegen, mit diesem Programm einen Ort der Begegnung zu schaffen. „Ich wünsche mir, dass mit diesem Schritt unsere Gemeinschaft gestärkt wird, sich Visionen für alle Teilnehmenden zeigen und wir mit neuer Kraft und Zuversicht in die nächsten VieVinum-Jahre gehen.“

 

VieVinum 2026
HOFBURG Vienna, Eingang Heldenplatz
Samstag, 16. Mai, bis Montag, 18. Mai 2026
13:00 bis 18:00 Uhr - Fachpublikum & Presse:  09:00 bis 18:00 Uhr
Onlineticket: € 75,- 
Fachpublikum nach Akkreditierung: € 55,-