Deutsche Winzer aus den Weinbaugebieten Rheinhessen und Württemberg sollen überschüssigen Rot- und Roséwein zu Industriealkohol destillieren lassen können. Die EU-Kommission hat dem Antrag Deutschlands zugestimmt. Österreich überlegt partielle Hilfen im Rotweinbereich.

Damit sollen die Lager entlastet und das Überangebot am Weinmarkt verringert werden. Für die Krisendestillation stehen in Deutschland etwas mehr als 14 Millionen Euro aus EU-Mitteln bereit. Gefördert werden Weine des Jahrgangs 2025 und älter. Die Betriebe erhalten 43 Cent je Liter Wein. Weitere 16 Cent pro Liter sind für Transport und Brennkosten vorgesehen. Insgesamt kann eine Menge von bis zu 24 Millionen Litern abgebaut werden. Dies entspricht 32 Millionen Flaschen à 0,75 Liter.

Der gewonnene Alkohol darf ausschließlich industriell genutzt werden, etwa für Desinfektionsmittel oder zur Energiegewinnung. Eine Verarbeitung zu Lebensmitteln, Spirituosen oder anderen Getränken ist ausgeschlossen. Hintergrund ist der anhaltende Rückgang des Weinkonsums. Inflation, veränderte Trinkgewohnheiten, die alternde Bevölkerung und eine stärkere Orientierung am Preis drücken die Nachfrage. 

Französische Winzer melden bis zu 770 Millionen Liter Wein zur Destillation an

In ganz anderen Dimensionen denkt Frankreich. Dort wurden zuletzt die Weichen gestellt, um mit Mitteln der EU bis zu 770 Millionen Liter Wein destillieren zu lassen. Zumindest haben Winzer diese gigantische Menge zur Destillation angemeldet. 

In Österreich Hilfe für übervolle Rotweinlager denkbar

In Österreich denkt man zwar nicht an eine flächendeckende Destillation von überschüssigen Weinen. Sehr wohl wird allerdings über konkrete Maßnahmen zur Hilfe für Rotweingenossenschaften nachgedacht. Vor allem im mittelburgenländischen Bereich quellen die Lager über. Zuletzt sollen Notverkäufe (vor dem Einbringen der neuen Ernte) an Händler stattgefunden haben, bei denen Altweine um nur noch 35 Cent im Tankzug verkauft wurden oder werden mussten. Es handelte sich dabei um Weine, die nur mehr in verarbeiteter Form – etwa als Glühwein – verwendbar sind. Hier könnte ein gezieltes Destillationsangebot höhere Erlöse bringen.

Quellen: La Revue du Vin de France; wein.plus.de; Redaktion