Von alters her ist es Brauch, besonders unerquicklichen Gewächsen des Rebstocks charakterisierende Namen zu verpassen. Zwei derartige Weinbezeichnungen sind mit berühmten Persönlichkeiten der österreichischen Geschichte – und mit dem bedeutendsten Wahrzeichen von Wien – verbunden.

Eine bedeutende Persönlichkeit der österreichischen Geschichte ist Prinz Eugen von Savoyen (1663–1736), an den in Wien heute so prächtige Bauwerke wie das Schloss Belvedere und das sogenannte Winterpalais in der Himmelpfortgasse erinnern. Auch seine Lebensgeschichte steht in spezieller Weise mit dem vergorenen Rebensaft in Verbindung.

Praktisch jedes Kind kennt hierzulande das auf ihn bezogene Lied „Prinz Eugenius der edle Ritter“, das sich auf die Eroberung der bis dahin von den Osmanen gehaltenen Festung Belgrad im Jahr 1717 bezieht. Freilich war die Belagerung Belgrads durch den Prinzen kein Kinderspiel. Bis Ende Juli waren große Teile der Stadt durch die kaiserliche Artillerie zerstört. Als Anfang August ein osmanisches Entsatzheer heranrückte und auf einem Hochplateau im Osten der Stadt Stellung bezog, befand sich die Armee des Prinzen zwischen zwei Feuern. Noch dazu grassierte die Ruhr im Feldlager des Prinzen. 

Wein und Branntwein als Mutmacher in der Türkenschlacht

In dieser Situation entschloss sich Eugen, seinen 60.000 Soldaten reichlich Wein und Branntwein verabreichen. Als die Kaiserlichen am 16. August im Schutz der Dunkelheit ins türkische Lager einbrachen, war der Feind völlig überrascht. Nach dreistündigem Kampf flohen die Osmanen; alle Nachzügler wurden niedergemetzelt. „’s war fürwahr ein schöner Tanz“, heißt es dazu im Lied. Eine Woche darauf ergab sich Belgrad. Prinz Eugen schrieb sich damit vollends als Held in die Geschichtsbücher ein.

Prinz Eugen und der Brünnerstraßler

Einige Zeit nach der Erstürmung Belgrads soll der Prinz ins „Viertel unter dem Manhartsberg“, wie das heutige Weinviertel damals geheißen hat, gekommen sein. Der Wein dieser Gegend hatte damals, und noch lange danach, einen gar üblen Ruf. 

Noch im Jahr 1971 verspottete ihn Wolfgang A. Teuschl in seinem Buch „Da Jesus und seine Hawara“ als „Brinnastrassla“, was als ein Synonym für spöttelnde Weinbezeichnungen wie „Heckenklescher“, „Rabiatperle“, „Darmreißer“, „Sauerampfer“ oder „Dreimännerwein“ galt. Freilich hat sich das Image der Weinviertler Weine mittlerweile längst zum Positiven gewandelt.

Im Bereich der von Wien durch das Weinviertel nach Tschechien führenden Brünner Straße befindet sich Schrick, heute eine Katastralgemeinde von Gaweinsthal, das zu Kaisers Zeiten noch Gaunersdorf hieß und 1917 auf Antrag der Ortsbewohner, die diesen Namen nicht mehr ertragen konnten, umbenannt wurde. 

Die Gewächse von dort hatten einen besonders schlechten Ruf. Einem ergötzlichen Histörchen zufolge, das der Poysdorfer Heimatforscher Franz Thiel überliefert, habe es den Prinzen Eugen von Savoyen einmal in diesen Ort verschlagen, wo man ihm einen aus heimischen Rieden stammenden Willkommenstrunk kredenzte. Als der edle Ritter davon gekostet hatte, soll er sich laut Thiel in folgender Weise darüber geäußert haben: „Lieber stürme ich noch einmal Belgrad, als dass ich einen Schricker Wein trinke.“

Friedrich III. und der Reifbeißer

Mitunter kam es auch vor, dass ein Jahrgang nachhaltig verunglimpft wurde. Die Bezeichnung „Reifbeißer“, respektive „Reifenbeißer“, wird in Wien mit dem fürchterlichen Weinjahrgang 1450 in Verbindung gebracht. Einem Bericht des Humanisten Johannes Cuspinian zufolge war der Wiener Wein dieses Jahres derart unreif und sauer, dass niemand ihn trinken wollte. 

Die Weinhauer begannen bereits damit, ihn auf die Gasse zu schütten. Als Kaiser Friedrich III. davon erfuhr, verbot er bei Strafe, den ungenießbaren Reifbeißer zu verschütten. Die Bauern wurden angewiesen, ihn auf den „Stephansfreithof“ zu bringen, welcher damals noch das Gotteshaus umgab. Dort sollte der verschmähte Rebensaft dazu dienen, den Kalk abzulöschen, um damit das Fundament des Nordturmes „recht“ zu bauen.

Die Anordnung Friedrichs III., den Wein zum Turmbau zu verwenden, ist keineswegs auf eine kuriose Idee des Monarchen zurückzuführen. Es gibt Berichte, wonach im Mittelalter vielerlei Versuche unternommen wurden, die Eigenschaften des Mörtels zu verbessern. Unter anderem experimentierte man damals (außer mit Wein) auch mit Milch, Eiern, Zucker, Salz, Molkewasser, Bier, Honig, Ochsenblut, Essig und Urin als Beimengungen zum Mörtel. 

Als jedoch 1450 in Wien riesige Mengen ungenießbaren Weines kostenlos bereitstanden, dürfte eine einflussreiche Persönlichkeit (möglicherweise der Dombaumeister) den Kaiser für die Idee gewonnen haben, diese einmalige Chance doch zu nutzen. Wein zum Ablöschen des Kalks wurde im Mittelalter übrigens auch anderwärts verwendet, etwa 1465 in Zwettl. 

Der Name „Reifbeißer“ rührt angeblich daher, dass die Trauben noch vor ihrer Ausreifung vom Frost („Reif“) gebrannt wurden und eine braunschwarze Farbe bekamen. 

 

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Prinzen Eugen von Savoyen nach der Schlacht von Belgrad am 16. August 1717. Ölgemälde von Jacob van Schuppen, 1718. © Wikimedia Commons
Mit „Reifbeißer“ gebaut: das Fundament des Nordturms des Wiener Stephansdomes. © Shutterstock
Johann Werfring: Weinbräuche in Österreich © Johann Werfring