Der in Göttlesbrunn im Herzen der Herkunft Carnuntum beheimatete Weinbaubetrieb von Gerhard und Christine Markowitsch wird sehr oft als Spitzenweingut und Quelle begehrter Kultweine ins Rampenlicht gestellt. Vollkommen zu Recht, dennoch wird diese Darstellung dem Wirken der Familie Markowitsch nicht gerecht. Das nämlich, was für den Erfolg dieses Weinguts noch wesentlich wichtiger ist, ist die Tatsache, dass man hier bereits seit Jahrzehnten eine Palette vorgesetzt bekommt, die vom kleinsten, günstigsten Wein bis zu den limitierten Topweinen in jeder Kategorie hervorragende Qualität bietet. Im Weingut werken mittlerweile vier Familienmitglieder: Christine und Gerhard werden tatkräftig von ihren beiden Töchtern unterstützt. Johanna absolvierte Praxisaufenthalte in Südafrika und Deutschland und kehrte nach dreijähriger Tätigkeit bei Wein&Co. im Marketingbereich schon vor etlichen Jahren ins familiäre Weingut zurück. Inzwischen ist ihre jüngere Schwester Helene, die an der Fachhochschule Krems das Bachelorstudium International Wine Business abgeschlossen und Praktika in renommierten Betrieben absolviert hat, auch voll im Betrieb integriert. Das vitikulturelle Kerngebiet des Weinguts erstreckt sich über Göttlesbrunn und Höflein, wo Toplagen wie Rosenberg und Schüttenberg sowie Aubühl, Scheibner, Bärnreiser und Kirchweingarten zur Verfügung stehen. Seit einigen Jahren werden auch Weine aus dem Osten der Herkunft, vom Spitzerberg unter eigenem Etikett als Ortsweine in Weiß und Rot vermarktet. Mit dem Jahrgang 2023 wurde die Zertifizierungsphase für Bio-Produktion abgeschlossen, seit 2024 sind auch alle Lieferanten auf Bio umgestiegen, somit 100 Prozent Bio. Das Sortiment im Hause Gerhard Markowitsch ist klar strukturiert. Es teilt sich einerseits in die Herkunftsweine der Stufen Gebiets-, Orts- sowie Lagenweine, andererseits in die Kategorie Sortenvielfalt auf. Letztere tragen die Herkunftsbezeichnung Niederösterreich. Eine eigene Kategorie gibt es für Johanna Markowitsch‘ JOMA-Weine, die PetNats sowie Weine namens Halligalli und Spektakel umfassen. Zusätzlich gibt es noch den Rosé Mardonna. Bei der Verarbeitung wird sehr sanft agiert, diverse Eingriffe werden im Lauf der Jahre reduziert. Die Weißen werden nun überwiegend als ganze Trauben – teils angequetscht – gepresst, zur Klärung setzt man auf natürliche Sedimentation. Bei den Rotweinen geht man in Sachen Extraktion tendenziell zurück. Spontanvergärung kommt mittlerweile bei den meisten Weinen zum Tragen, eine malolaktische Gärung ist bei den Roten selbstverständlich Standard, bei den Weißen wird sie je nach Stufe und Charakter eingesetzt. Für die Lagerung werden neben Edelstahl und Holz teils auch Betoneier eingesetzt. Im Weißweinbereich haben Chardonnay und Grüner Veltliner die größte Bedeutung – beide gibt es in einer klassischen Variante sowie als Premiumwein. Bei zweiterer Sorte ist das der Alte Reben, der ein Modellbeispiel für Veltliner aus Carnuntum darstellt. Seit einigen Jahren pflegt der Winzer auch eine heimliche Liebe zu Pinot Blanc, der wie Chardonnay bei den Ortsweinen eine wesentliche Rolle spielt. Besonders beeindruckt der reinsortige Pinot Blanc Ortswein aus Prellenkirchen, der auch 2024 den gelungenen Chardonnay Göttlesbrunn noch überflügelt. Top im Weißweinsegment ist heuer jedoch der Chardonnay Ries Schüttenberg. Der Rotweinsektor wird durch einen abwechslungsreichen wie hochwertigen Mix aus sortenreinen Weinen – Zweigelt, Blaufränkisch und Pinot Noir – und Cuvées abgedeckt. Bereits im Einstiegbereich und im mittleren Segment sind alle Weine hervorragende Vertreter ihrer Kategorie. Ein tolles Händchen hat man hier auch für Pinot Noir, den es in zwei Varianten gibt. Der Zweigelt Ried Kirchweingarten zählt auch heuer fraglos zu den absolut besten Sortenvertretern des Landes. Als Topwein konnte sich heuer die Cuvée Rosenberg 2024 etablieren, Blaufränkisch Ried Bärnreiser sowie der M1 2023 gaben sich noch relativ verschlossen und brauchen Zeit um ihre wahre Größe zu zeigen. ps