Die Wetterkapriolen im Jahr 2025 haben für die Winzer große Herausforderungen gebracht. Es ging es darum, physiologisch reifes, vor allem aber gesundes Traubenmaterial einzubringen. Die besten Vertreter sind von Transparenz, Frucht und Rasse geprägt. Hier die Ergebnisse der großen Vinaria Verkostung.

Die Verkostungen der mittelgewichtigen Sortenvertreter aus Grüner Veltlinerlösten gemischte Gefühle hervor – die Bandbreite reichte von strukturierten, sortentypischen Vertretern mit gediegener wie eleganter Frucht und Würze über eher verhaltene Vertreter mit straffem Rückgrat bis hin zu allzu schlanken Vertretern. 

Das hinsichtlich Reife etwas spätere Jahr 2025 erbrachte alkoholleichtere Weine, weshalb heuer auch Vertreter mit weniger als 12,5 Prozent Alkohol zur Verkostung zugelassen waren. 

 Wechselhafter Jahrgang 2025

Auf einen überdurchschnittlich sonnigen Winter mit milden Temperaturen und Trockenheit folgte ein sehr wechselhafter Frühling. Nach Prachtwetter in der ersten Märzhälfte mit hohen Temperaturen und viel Sonne setzten Mitte und Ende des Monats zwei markante Regenphasen ein, die die Wasserreserven zum Teil wieder auffüllten. Warme und recht trockene Bedingungen führten Mitte bis Ende April zum Austrieb. 

Die weitere Entwicklung der Reben wurde durch ungewöhnlich tiefe Temperaturen und vielerorts trübes Wetter im Mai gebremst.  Hohe Temperaturen und viel Sonnenschein befeuerten Ende Mai das Wachstum der Reben. Im heißen Juni mit günstiger Niederschlagsverteilung die relativ späte, dafür prächtig verlaufende Blüte mit sehr gutem Traubenansatz. Nach warm-trockenem Start gestaltete sich der Sommer wechselhaft. Ungewöhnlich kühle Temperaturen und wiederholte Regenfälle im Juli sorgten für langsame Entwicklung mit kräftigem vegetativem Wachstum. Der August war hingegen von viel Sonne gekennzeichnet. 

Relativ warme Temperaturen im September beschleunigten die Beerenreife. Die Lese erfolgte meist erst ab September. Dank vielfach akribischer Selektion und der meist im Eiltempo durchgeführten Lese konnte mehrheitlich gesundes, physiologisch reifes Traubenmaterial eingebracht werden.

Everybody’s Darling Grüner Veltliner bis 12,5 % Volumenprozent

 Grüner Veltliner ist „Everybody’s Darling“ in Österreich. Es gibt kaum einen Weintrinker, dem Österreichs klare Nummer-1-Rebsorte nicht schmeckt. Einerseits begeistert die Sorte mit Fruchtaromatik und Würze, andererseits punktet Grüner Veltliner als sehr bekömmlich mit seiner moderaten Säurestruktur.

In den heimischen Weingärten macht Grüner Veltliner zusammengezählt ein Drittel der gesamten Rebfläche aus. Im größten Weinbundesland, Niederösterreich, sind es sogar 49 Prozent. In Wien macht die Sorte knapp 16 Prozent aus. Im Burgenland ist Grüner Veltliner mit etwas über neun Prozent der Rebfläche die mengenmäßig wichtigste Weißweinsorte. 

Der Grüne Veltliner ist ein Chamäleon, was seine Wandelbarkeit betrifft. Man sieht ihn als leichten Sommerwein, vom klassischen Gebietswein und charaktervollen Ortswein über den gehaltvollen Lagenwein bis hin zum Süßwein. Die wichtigste Ausprägung des Grünen Veltliners ist jedoch das Mittelstück – Weine mit 12,0 und 12,5 Volumenprozent Alkohol. Solche Weine mit weniger Alkohol entsprechen dem gesellschaftlichen Zeitgeist und Gesundheitstrend. Verzichten nein, aber weniger ist mehr.

Für Winzer das Butterbrot, für die Gastro Megaseller

Diese Gruppe der mittelgewichtigen Veltliner hat auch für die heimische Winzerschaft die größte Bedeutung. Denn diese gut gemachten Weine sind für viele Winzer die „Brot- und Butterweine“. In der Gastronomie sind es die kalkulierbaren Mega-Seller. Das Angebot in der heimischen Weinlandschaft ist daher dementsprechend groß. 

Drei Viertel der Proben Orts- und Riedenweine

Was noch aufgefallen ist, ist die Wertigkeit dieses Segments: Rund drei Viertel aller Weine sind als Ortsweine oder Riedenweine etikettiert. Nur 25 Prozent sind als Gebietsweine oder mit Markennamen tituliert.

Alle Weine wurden verdeckt verkostet. In die Finalverkostung schafften es fast ausschließlich Orts- und Lagenweine. Neben der Güte der Weine wurde auch die Entwicklung im Glas bewertet. 

Engelbrecht (Kamptal) vor Schmelz und Hirtzberger (Wachau)

Klassenbester des Jahrgangs 2025 wurde ein Kamptaler Lagenwein: aus der Ried Stein in Etsdorf. Der Siegerapplaus gebührt Wolfgang Engelbrecht, der diesen eleganten Wein sowohl im großen Holzfass als auch im Stahltank ausgebaut und dann zusammengeführt hat. Ein absoluter Preis-Leistungs-Wein noch dazu!

Die Stockerlplätze gehören heuer der Wachau: Thomas Schmelz aus Joching und ausgewiesener Grüner-Veltliner-Spezialist hat einmal mehr mit seinem Veltliner aus der Ried Klaus aufgezeigt. Damit steht Schmelz zum dritten Mal in Folge mit diesem außergewöhnlichen, herkunftstypischen Riedenwein auf dem Siegerpodest. An seiner Seite, mit dem drittbesten Wein des Vinaria Tastings, steht Wachau-Kollege Mathias Hirtzberger mit seinem „Treu-Federspiel“, einem lupenreinen Ortswein aus Wösendorf.

Generell haben die Wachauer Winzer beim Jahrgang 2025 viel Geschick bewiesen und Freude. Denn sie brachten sieben Weine in die Top Ten, die durch ex-aequo-Platzierung zwölf Weine umfassen. Ganz vorne ist heuer das Weingut Schloss Dürnstein mit seinem Federspiel aus der Loibner Ried Rothenhof. Es ist erst der achte Jahrgang des jungen Schlossweinguts von Christian Thiery, der auch Eigentümer des bekannten 5-Sterne-Hotels Schloss Dürnstein ist. 

Eine weitere Federspiel-Perle lieferte Thomas Schmelz mit seinem Lagenveltliner Pichl Point – sein lössgeprägter Haus- und Hofwein, mit dem er immer einen erkennbaren, schmeckbaren Kontrast zu seinen vier anderen Urgesteins-Federspielen schafft. Das Weingut Graben Gritsch aus Vießling im Spitzer Graben reüssierte mit seinem Federspiel Ried Schön, Johann Donabaum aus Laaben punktete mit seinem Markenveltliner Peunt-Federspiel und Florian Schneeweis (in der Spitz) zeigte mit seinem Federspiel „Spitzer Graben“ auf.

Esterhazy liefert Überraschung mit "anderem" Veltliner

Die große Überraschung lieferte das Weingut Esterházy aus dem Burgenland, indem es der Betrieb mit einem Ortswein vom Leithaberg in die Top Five schaffte. Der Veltliner Großhöflein wurde im Holzfass ausgebaut, stach in seiner „Andersartigkeit“ heraus, gefiel dabei aber in dieser Eigenständigkeit enorm. Ebenso ganz weit vorn konnte sich Thomas Schuster vom Wagram platzieren mit seinem Ortswein „Großriedenthal Alte Reben“.

Der beste Wein aus dem Kremstal kommt vom Weinhof Preiß in Tiefenfucha mit dem Lagenveltliner aus der Ried Hütersteig in Krustetten. Als bester Veltliner aus dem Weinviertel schaffte es Joe Beyer aus Roseldorf ins Top-Klassement mit seinem klassischen Gebietswein. 

 

Topliste Grüner Veltliner bis 12,5 % 

16,9Weingärtnerei Engelbrecht2025 GV Ried Stein Engabrunn KA
16,6Familie Schmelz2025 GV Ried Klaus Weißenkirchen Federspiel WA
16,5Mathias Hirtzberger2025 GV Treu Weißenkirchner Federspiel WA
16,4Esterházy2025 GV Großhöflein LB
16,4Schloss Dürnstein2025 GV Loiben Ried Rothenhof Federspiel WA
16,4Familie Schuster2025 GV Großriedenthal Alte Reben WG
16,3Graben Gritsch2025 GV Ried Schön Spitz WA
16,2Joe Beyer2025 GV WV
16,2Johann Donabaum2025 GV Peunt Federspiel WA
16,2Weinhof Preis Mario2025 GV Ried Hütersteig Krustetten KR
16,2Familie Schmelz2025 GV Ried Pichl Point Joching Federspiel WA
16,2Schneeweis2025 GV Spitzer Graben Federspiel WA
16,1Birgit Eichinger2025 GV Ried Hasel Strass KA
16,1Nina Holzmann2025 GV Ried Hamert WV

 

Best Buy Grüner Veltliner bis 12,5 % bis € 7,00 

15,8Pröll2025 GV Ried Lehlen  Radlbrunn WV€ 6,90 
15,8Michael Schoderböck2025 GV Ried Rafasetzen Inzersdorf TR € 6,50
15,7Höpler2025 GV BG € 7,40 
15,7Weingärtnerei Steurer2025 GV Ried Galgenberg Etsdorf KA € 7,00 
15,7Mayer-Hörmann2025 GV vom Löss KA€ 7,00 
15,6Blaha2025 GV Ried Marktweg RöscHitz WV € 6,70 
15,6Manfred Weiss2025 GV Ried Hedwig Hof BG€ 6,90 
15,5Maglock-Nagel2025 GV Strass KA € 6,90 
15,4Weinhof Preis Mario2025 GV KR€ 6,20 
15,4Manfred Steinschaden2025 GV Langenlois Selektion KA € 7,20 
15,3Fein Wein2025 GV Hagenbrunn WV € 7,10
15,3Pluschkovits2025 GV BG € 6,80

 

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Wolfgang Engelbrecht aus dem Kamptal ist der Sieger der großen Vinaria Verkostung "mittelgewichtiger" Grüner Veltliner bis 12,5 Volumenprozent. Mit einem absoluten Preis-Leistung-Wein. © Weingut Engelbrecht
Das Federspiel Treu von Hanna und Mathias Hirtzberger war unter den Top-Veltlinern. © Pamela Schmatz
Thomas Schmelz kultiviert in der berühmten Ried Klaus Veltliner statt Riesling und macht daraus Federspiel statt Smaragd. Höchst erfolgreich. © Weingut Schmelz
Grüner Veltliner Kompetenz beweist das Team vom Weingut Esterhazy: Jakob Holzmann (Kellermeister), Wolfgang Hewarth (GF), Ticiana Nagy (Weingarten) © Roman Seidl
Christian Thiery und Maria-Katharina Thiery-Schroll von Schloss Dürnstein punkteten mit Veltliner Federspiel. © Schloss Dürnstein
Julia und Joe Beyer führen ein hochklassiges Weingut in Roseldorf im westlichen Weinviertel. © Bernhard Raab
Familie Gritsch aus Vießling mit Weingut, Heurigen und Restaurant an der Donau: vorne die Winzer Josef Gritsch(r.) mit Sohn Andreas, dahinter (v.r.) Margit sowie Christina Gritsch mit Partner Willy Welser (alle Restaurant Donauschlössel) © Nimo Zimmer Hackl
Johann Donabaum und Andrea Böhler aus Laaben bei Spitz überzeugten mit Grüner Veltliner Peunt Federspiel. © Atelier Schulte
Karin und Mario Preiß vom Weinhof Preiß in Tiefenfucha sorgten mit Grüner Veltliner Ried Hütersteig für Aufsehen. © Weinhof Preiß
Florian Schneeweis war mit seinem Federspiel Spitzer Graben erfolgreich. © Jana Voglauer
Klassischer Familienbetrieb: Monika und Karl Haimerl führen das Weingut gemeinsam mit den Söhnen Karl Nikolaus und Johannes. © Julius Hirtzberger
Johannes Stalzer vom Aufsteigerweingut Stalzer in Spitz an der Donau © Christoph Bauer
Qualitätsbetrieb in Arnsdorf: Maria und Manfred Hick mit Betriebsnachfolger Rudolf Rixinger. © Weingut Hick
Verlässlich auf hohem Niveau: Heuer waren Ludwig Holzer und Wolfgang Hamm von Winzer Krems mit Grüner Veltliner Traisental erfolgreich. © Robert Herbst