War Österreich lange Zeit ein Land stiller Weinfreuden, so sprudelt es heute in allen Ecken und Enden. Österreichs Sektlandschaft ist kunterbunt und kann mit hochklassigen Schaumweinen aus allen wichtigen Herkünften aufwarten. Vinaria widmete sich Sekt Austria und Qualitätsschaumwein aus 

Österreich kann auf eine lange Tradition in Sachen Schaumwein zurückblicken: Diese begann bereits 1842 in Gestalt des gebürtigen Stuttgarters Alwin Schlumberger, der sieben Jahre für das Champagnerhaus Ruinart tätig gewesen war. Dem Ruf der Liebe nach Wien folgend, errichtete er in Vöslau eine Produktionsstätte nach französischem Vorbild. Ende des 19. Jahrhunderts startete dann Johann Kattus seine Sektproduktion. 

Sektland Österreich umfasst rudn 200 Betriebe

Laut österreichischem Sektkomitee widmen sich derzeit landesweit an die 200 Betriebe der Herstellung von Sekt und Schaumwein. Weitere 3.000 Betriebe sind als Rohstofflieferanten (Trauben oder Grundweine) tätig. Rund 100 Erzeuger dürften sich der traditionellen Flaschengärung widmen. 

Sortenmäßig ist die gesamte in Österreich für die Erzeugung von Qualitätswein zugelassene Palette erlaubt, die 28 weiße und 14 rote Rebsorten umfasst. In der Praxis ist die Anzahl der häufig verwendeten Sorten aber wesentlich kleiner. Einerseits wird auf die – wie man mittlerweile weiß – hervorragend für Sektproduktion geeigneten klassischen Sorten Welschriesling und Grüner Veltliner gesetzt, am blauen Traubensektor erfreut sich Zweigelt einiger Beliebtheit. 

Zum anderen wird auf die im Schaum-Mutterland Champagne zum Standardinventar zählenden burgundischen Sorten vertraut, wobei Chardonnay und Pinot Noir hierzulande immer wieder durch Pinot Blanc ergänzt werden. Dazu kommen immer wieder aromatische Vertreter: Neben dem klassischen Riesling findet man auch Muskateller und Sauvignon Blanc, teils Traminer. Weitere sprudelnde Spezialitäten werden aus autochthonen Sorten wie Zierfandler, Roter Veltliner, aus PIWI-Sorten oder aus roten Trauben hergestellt.

Unterschieden wird beim Sekt entweder nach Sorte, häufiger aber nach Farbe: So gibt es Blanc de Blancs (weißer Sekt aus weißen Trauben) und Blanc de Noirs (aus „schwarzen“ Trauben) sowie weiße Cuvées, dazu Rosésekte und rote Sekte. Als weitere Kategorisierung gibt es Non Vintage (= NV, Jahrgangsverschnitt) und Vintage (aus einem bestimmten Jahrgang).

Herkunft und Klasse: Sektpyramide und Sekt Austria g.U.

Ehemals eher vage definiert, verlangten die bemerkenswerten Fortschritte in Sachen Qualität und Vielfalt irgendwann nach klaren Regeln für Schaumwein und Sekt. Nach ausgiebigen Verhandlungen wurde 2013 schließlich unter Zusammenwirkung aller beteiligten Gruppen – Winzer, Sekthäuser, Händler – das Österreichische Sektkomitee als Körperschaft öffentlichen Rechts offiziell gegründet.

2015 wurde mit der Schaffung eines qualitäts- und herkunftsorientierten Systems in Gestalt einer Sektpyramide mit klar definierten Bezeichnungsvorschriften schließlich eine wesentliche Lücke geschlossen. Ursprünglich als „Österreichischer Sekt mit geschützter Ursprungsbezeichnung“ („Sekt g.U.“) bezeichnet, schwenkte man ab 2022 auf die international als verständlicher empfundene Bezeichnung „Sekt Austria g.U.“ um, wobei es zusätzlich zur Basiskategorie auch Reserve und Große Reserve gibt.

In der Kategorie Sekt Austria ist vieles zulässig: Es muss als Herkunft ein generisches Weinbaugebiet, also Bundesland, angegeben sein, eine nähere Angabe ist nicht gestattet. Es sind hier auch alle Methoden der Sektherstellung zugelassen, die Lagerzeit auf der Hefe beträgt nur mindestens neun (Flaschengärung) oder sechs (Tankgärung) Monate; in Sachen Farbe und Süßestufe ist alles erlaubt.

Strenge Vorgaben für Reserve und Große Reserve

Bei Reserve und Große Reserve geht es schon deutlich strenger zu: Handlese, Ganztraubenpressung und Flaschengärung sind unter anderem verpflichtend, die Mindestlagerzeit auf der Hefe beträgt 18 oder 36 Monate. Bei der Reserve müssen die Trauben ebenfalls aus einem einzigen Bundesland stammen und dort gepresst werden, die Angabe einer Gemeinde ist zulässig. 

Bei der Großen Reserve ist die Angabe der Gemeinde verpflichtend, nähere Angaben (Großlage, Riede) sind ebenfalls erlaubt. Die Weine dürfen maximal 12 Gramm pro Liter Restzucker enthalten, dürfen also brut, extra brut oder brut nature sein; der Alkoholgehalt ist nicht begrenzt.

Doch es werden nicht alle Premiumsekte nach diesem Qualitätssystem vermarktet, denn die Teilnahme ist freiwillig – wie die Anwendung von DAC für Stillweine. Einige österreichische Top-Sekterzeuger nutzen die Sektpyramide nicht oder nur für einen Teil ihrer Sekte. Diese Weine kommen – auch wenn die Weine ausschließlich aus dem Bundesland Niederösterreich und oft aus einer einzigen Gemeinde stammen – als „Österreichischer Sekt“ („Österreichischer Qualitätsschaumwein“) ohne geografische Angabe oder geschützte Ursprungsbezeichnung auf den Markt.

Reife Leistung und eine Hitparade der besten Sekt-Produzenten

Für die jüngste Vinaria Themenverkostung waren Schaumweine der Kategorien Sekt Austria und Österreichischer Sekt zugelassen. Als weitere Einschränkungen waren eine Lagerzeit auf der Hefe von  mindestens 18 Monaten sowie ein maximaler Restzuckergehalt von 12 Gramm pro Liter, was die Stufen brut (bis 12 g/l), extra brut (bis 6 g/l) und brut nature (bis 3 g/l) inkludiert. 

Die Durchschnittsqualität ist so hoch wie nie zuvor und das Spitzensegment ist noch breiter geworden. Dabei findet man ausgezeichnete Sekte in allen Kategorien und Klassen. Die besten heimischen Sekte können zweifellos auch im internationalen Schaumweinorchester mitspielen. Beeindruckend ist auch das Lagerpotenzial der Top-Sekte. Den Beweis lieferten die famosen Prestigecuvées – ob Vintage oder non-Vintage –, die bereits 10 und mehr Jahre auf dem Buckel haben. Sie brillierten nicht nur bei der Verkostung, sondern auch noch am Tag danach. Manche brauchten diese Belüftung, um überhaupt ganz aufzugehen.

Bründlmayer knapp vor Gobelsburg und Madl

Bei der Vinaria Blindverkostung war das Spitzenfeld so dicht wie nie zuvor. Vier um Nuancen getrennte Topsekte waren auf den ersten drei Rängen, wobei das Spitzenquartett von drei der renommiertesten Sekterzeuger Österreichs gebildet wurde. Letzten Endes setzte sich das Weingut Bründlmayer aus Langenlois mit dem faszinierenden zweiten Degorgement des legendären 2014er Blanc de Blancs Extra Brut durch – eine Große Reserve mit 110 Monaten Hefekontakt. 

Knapp dahinter der als Cuvée mit weißer Sortendominanz konzipierte Vintage 2013 extra Brut große Reserve vom Weingut Schloss Gobelsburg. Dritter im engen Rennen – dafür gleich mit zwei Weinen am dritten Rang – war Christian Madl aus Schrattenberg. Er brillierte einerseits mit seinem Von den Weißen 2013, der bereits 2014 seine Sektwerdung begann sowie mit dem mit fünf Jahren Hefelagerzeit im Vergleich fast jugendlich anmutenden Blanc de Noirs aus 100 Prozent Pinot Noir. 

Tolle Schaumweine präsentierten die Weingüter Allram mit Blanc de Blancs Reserve, Krispel mit Reserve, Leth mit der Großen Reserve 2021 aus weißen Sorten sowie der Blanc de Noirs 2019 aus Gumpoldskirchen von Loimer, der zudem auch den besten Rosé der Verkostung beisteuerte. Großartig weiters Michael Ramberger mit 2021 Spätrot-Rotgipfler sowie das Weingut Fritz mit Blanc de Noirs und das Weingut Gruber mit dem besten Riesling-Sekt. 

Der Fundus an weiteren exzellenten Produzenten ist mit Lagler, Stift Klosterneuburg, Weszeli, Steininger (bester Sauvignon Blanc und Grüner Veltliner), der Weinviertler Sektmanufaktur, A-Nobis und weiteren sehr groß.

 

Topliste gesamt Sekt aus Österreich (mindestens 18 Monate Hefelagerung)

17,6Weingut Bründlmayer2014 Blanc de Blancs Extra Brut Große Reserve
17,5Schloss Gobelsburg2013 Vintage Extra Brut Große Reserve
17,4Sekthaus Christian Madl2019 Blanc de Noirs Brut (PN)
17,4Sekthaus Christian Madl2013 Oenothek Von den Weißen Brut MAGNUM
17,2Weingut BründlmayerNV Blanc de Blancs Extra Brut Reserve
17,1Weingut AllramNV Blanc de Blancs Extra Brut Reserve
17,1Weingut Bründlmayer2019 Blanc de Noirs Reserve
17,0Weingut KrispelNV Brut Reserve
17,0Weingut Leth2021 Blanc de Blancs (CH) Brut Nature Große Reserve
17,0Weingut LoimerNV Blanc de Noirs Brut Nature Große Reserve
16,9Sekthaus Christian MadlNV Oenothek Cuvée Speciale Brut
16,9Weinbau Michael Ramberger2021 Spätrot-Rotgipfler Extra Brut Große Reserve
16,8Josef Fritz(2022) Blanc de Noirs Extra Brut Große Reserve
16,8Schloss GobelsburgNV Blanc de Blancs Brut Reserve
16,7Weingut Loimer2020 Blanc de Blancs Brut Nature Große Reserve
16,6Weingut LoimerNV Brut Rosé Reserve
16,6Sekthaus Christian MadlNV Cuvée Speciale Brut
16,5Bio Weingut Gruber(2023) Riesling Brut Reserve
16,5Weingut Lagler2021 Pinot Noir Brut Reserve
16,5Stift KlosterneuburgNV Mathäi Brut Nature Große Reserve
16,5Weingut Weszeli2019 Blanc de Blancs Brut Nature Große Reserve
16,4Weingut Leth2019 Blanc de Noirs Grande Reserve Brut Große Reserve
16,4Weingut Steininger2020 Riesling Brut Große Reserve
16,4Weinviertler Sektmanufaktur2020 Blanc de Noirs Brut Nature Große Reserve

 

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Strasser Winzerfamilie vom Weingut Allram: Magdalena und Lorenz Haas mit Eltern Erich und Michaela © Weingut Allram
Stefan und Julia Krispel hielten mit ihrem Brut die Fahne für das Vulkanland Steiermark hoch. © Reidinger
Andreas Wickhoff MW, Geschäftsführer des Weinguts Bründlmayer in Langenlois, stellt mit dem großartigen 2014 Blanc de Blancs Große Reserve den Sieger der großen Vinaria Verkostung österreichischer Spitzensekte. © Anna Stöcher
Franz und Franz Leth brillierten mit Blanc de Blancs Brut Nature Große Reserve. © Weingut Leth
Fred Loimer zählt zu den besten Sekterzeugern in Langenlois und Österreich. © Jürgen Schmücking
Michael Ramberger aus Gumpoldskirchen sorgte mit seinem Sekt aus Zierfandler und Rotgipfler für eine tolle Überraschung. © Michael Ramberger
Mit ihrem Blanc de Noirs aus Pinot Noir sorgten Johannes und Josef Fritz für überschäumende Freude. © Julius Hirtzberger
Manfred Gruber aus Mittelberg stellte den besten reinsortigen Rieslingsekt der Verkostung. © Weingut Gruber
Michael Mossbrugger von Schloss Gobelsburg ist Sieger Silber der großen Vinaria Verkostung feiner Winzersekte. Die Große Reserve entstand „aus purer Selbstüberschätzung“. © Regina Huegli
Karl und Nicole Lagler erzeugen Herkunftssekte in Spitz an der Donau. © Michael Schartner
Christian Madl gilt als einer der allerbesten Erzeuger von Winzersekten in Österreich. Er beherrscht sein Handwerk grandios und liefert ein Meisterstück nach dem anderen. © Sekthaus Christian Madl
Der Barockkeller im Weingut Stift Klosterneuburg, von wo die Matthäi Große Reserve kommt. © Stift Klosterneuburg
Davis und Bettina Weszeli (v.r.) aus Langenlois mit Winemaker Thomas Ganser © Weingut Weszeli
Reinsortige Sekte mit Substanz und Typizität sind die Spezialität von Eva und Peter Steininger aus Langenlois. © Weingut Steininger