Der Wagram in Niederösterreich, zwischen Wien und Krems an der Donau gelegen, war Ziel einer Vinaria Verkostungs-Premiere, wobei die drei DAC-Leitsorten Grüner und Roter Veltliner und Riesling plus Weißburgunder im Fokus stehen. Hier die Ergebnisse samt einer Gebietsreportage.

Gefragt waren die jeweils Sortenbesten, wobei der jüngste Jahrgang 2025 definitiv ausgeschlossen war. Die Weine sollten in erster Trinkreife in den Mittelpunkt rücken und das Potenzial der „Wagramer Spitzen“ aufzeigen. Was diesen fulminant gelungen ist. Die Degustation umfasst die nördlich der Donau gelegene DAC-Herkunft Wagram.

Das Weinbaugebiet erstreckt sich südlich des sogenannten Wagram, einer von der Urdonau geschaffenen, in ihrer Mächtigkeit einzigartigen Löss-Stufe. Die südlichen Abhänge des Wagram, auf denen tiefgründige Lössböden überwiegen, werden schon seit alters her für den Weinbau genutzt. Hier reihen sich Weinbauorte mit klangvollen Namen wie Feuersbrunn, Gösing, Fels am Wagram, Kirchberg, Königsbrunn und Absdorf aneinander. 

Überwiegend Grüner Veltliner, aber Markenzeichen Roter Veltliner

Zwei Drittel der Rebfläche werden vom Grünen Veltliner besetzt, der charakteristische, fruchttiefe und pfeffrige Gewächse hervorbringt, die Substanz und Trinkvergnügen vereinen. Wagramer Riesling wartet mit klarer, intensiver Frucht und einem guten Säuregerüst auf. Weißburgunder und Chardonnay werden ebenfalls mit guten Resultaten gepflegt. 

Die autochthone Sortenspezialität Roter Veltliner liefert elegante und eigenständige Weißweine, die bei Ertragsregulierung besonders lagerfähig sind. Diese sind längst das Markenzeichen des Weinbaugebiets mit hervorragenden Weinqualitäten.

Der Vollständigkeit halber seien auch die Rotweine erwähnt, wo vor allem Zweigelt und Pinot Noir sehr gute Weine ergeben. Ersterer findet am Löss ein Paradies, der Pinot wiederum profitiert vom Klimawandel und wird am Wagram locker physiologisch reif. Eisweine – vor allem aus der Gemeinde Großriedenthal – kommen mit der Herkunft „Niederösterreich“ auf den Markt.

Gebiets-, Orts- und Riedenweine

Seit dem Jahrgang 2021 gibt es die Weinherkunft Wagram DAC mit drei Stufen entsprechend der Weinpyramide: Gebietswein, Ortswein und Riedenwein. 13 weiße und rote Rebsorten sind für Gebietsweine zulässig, sieben sind es dann bei den Ortsweinen, wobei satte 27 Ortsangaben zulässig sind – für fast jeden Ort eine. 

Die Spitze der Herkunftspyramide bilden die Riedenweine, erlaubt sind die weißen Wagram-Leitsorten Grüner und Roter Veltliner sowie Riesling. Alle Weine müssen trocken sein, die Weißweine dürfen keinen dominanten Holzton aufweisen.

Wer den Wagram besucht, kann dies mit bestem Gewissen tun: Die Region ist ein Vorreiter in Sachen Biodiversität, dauerbegrünter Weingärten, Furchen, Böschungen und Strauchgürtel. 

Spannende Degustation, viele Juwelen

Die Vinaria Verkostung Wagram brachte eindrucksvoll zahlreiche Kronjuwelen des Gebiets in die Gläser der Jury. Gedankt sei an dieser Stelle dem Regionalen Weinkomitee Wagram mit Obmann Stefan Bauer und seinem Team für die Kooperation bei dieser außergewöhnlichen Regionsverkostung. Die Qualität der Weine bot im Schnitt ein gewaltiges Niveau. Vinaria wollte vom Wagram das Beste sehen und wurde nicht enttäuscht. 

Das erklärt die außergewöhnlich hohen Wertungen in der Topliste (Flaschenparade) ebenso wie die detailreiche Auswertung nach Rebsorten und Jahrgängen. Der Ausschluss des jüngsten Jahrgangs 2025 bot den angestellten Weinen wichtige Zeit zur Reife.

Grüner Veltliner: Schuster vor Wimmer, Stopfer

Die Grünen Veltliner haben durchwegs begeistert. Vor allem mit ihrer unglaublichen Frische, einem ausgezeichneten Säuregerüst, betörender Frucht, Vielschichtigkeit und Tiefgang.

Hier zog das Familienweingut Schuster aus Großriedenthal mit dem 2023 Grüner Veltliner Ried Eisenhut durch und holte sich souverän den Jahrgangs-, Kategorie- und ex aequo den Gesamtsieg -mit satten 18 Punkten! Der Wein überzeugte auf allen Linien und hat gegenüber dem Herbst des Vorjahres noch deutlich zugelegt. Vollreife exotische Früchte, Cremigkeit, tolle Struktur, wunderbare Salzigkeit und ebensolche Länge waren die Benchmarkt bei den Veltlinern.

Nur ein Zehntel dahinter das Weingut Wimmer Wagramkeller mit 2023 Grüner Veltliner Reserve aus der Wagramer Paraderied Scheiben, das sich damit auch Bronze in der Wagram-Gesamtwertung holte und auch ein Preis-Leistung-Prädikat verdient. Gefolgt vom Weinhof Stopfer (2023 GV Steinberg) und wieder nur im Zehntelabstand dahinter das Weingut Greil (2023 GV Ried Schloßberg) und der Urbanihof der Familie Paschinger (2023 GV Alte Reben Ried Dorner). Alle diese Weine schafften mühelos die Schwelle zu den 5 Sternen. Das gelang im Jahrgang 2024 nur einem Wein, nämlich dem GV Ried Brunnthal vom Weinhof Grill.

Riesling: Nimmervoll klarer Sieger

Bei den Rieslingen überraschte zuvorderst deren ausgeprägte Mineralität und Rieslingfrucht, wunderbare Säure, Feingliedrigkeit und teils filigran-elegante Struktur. In der Auflösung zeigte sich, dass viele dieser Gewächse auf Schotterböden, Sandinseln oder Hangrücken gedeihen konnten.

Nicht so der Riesling-Sieger vom Weingut Nimmervoll aus Engelmannsbrunn, der 2023 Ried Rabengassl. Die Reben stehen auf einer lupenreinen südlich ausgerichteten Lösslage in der Ebene, gleich hinterm Ort. Der Jury war dieser faszinierende Weine ebenfalls 18 Punkte wert und holte daher ex aequo mit Schusters Veltliner vom Eisenhut den Gesamtsieg, mit Respektabstand zu den weiteren Rieslingen im Wettbewerb.

Hier folgten mit wunderbaren Weinen und jeweils satten 4 Sternen die Weingüter Stefan und Gabi Bauer, Mehofer, Florian Bauer, Benedikt, Mantler31 und Schuster.

Trio teilt sich Rote Veltliner-Spitze

Die Wagramer Flagship-Sorte Roter Veltliner musste sich in dieser Verkostung punktemäßig den beiden anderen DAC-Sorten geschlagen geben. Bei den „Roten“ holten drei Weine knapp 5 Sterne mit je 17,5 Punkten: das Weingut Josef Fritz mit dem Klassiker Ried Morthal 1ÖTW aus 2023 sowie die Weingüter Ecker-Eckhof (2024 Ried Steinberg) und Ernst (2024 Ried Steinberg Reserve). Knapp dahinter Nimmervoll mit 2024 Ried Eisenhut. 

Die Phalanx der 4-Sterne-Weine bei den Roten Veltlinern beider Jahrgänge zeigt das enorme Potenzial und die breite Spitze dieser Rebsorte am Wagram. Ein bis zwei Jahre mehr Reife wirken dabei wie ein Genussturbo im Glas.

Weiters gefragt waren in der Verkostung leicht gereifte Weißburgunder aus Jahrgängen 2024 und älter. Wieder zeigte sich ein starkes Teilnehmerfeld an Weinen, die hohe Wertungen im 3- und 5-Sternebereich eroberten. 

Ausnahme-Weißburgunder der an der Spitze

Den Sieg in der Kategorie holte sich neuerlich Gregor Nimmervoll mit seinem Ausnahme-Weißburgunder Engilmar des Jahrgangs 2016 – ein wahrhaft großer Stoff von burgundischem Format (17,7 Punkte, 5 Sterne). Der Name entspricht der keltischen Bezeichnung für Engelmannsbrunn, ist keine Ried, sondern eine Marke. Im Hause Nimmervoll werden alle im Holz ausgebauten Weine derart bezeichnet.

Ebenfalls 5 Sterne holten Stefan Bauer aus Königsbrunn mit seinem 2022 Weißburgunder Hutzler und Florian Bauer aus Feuersbrunn mir 2021 WB Weißer Saphir. Solide 4 Sterne fuhren die Weingüter Familie Bauer und zweimal Greil ein.

 

Zur Verkostung: Für Vinaria verkostet haben Adi Schmid, Erwin Goldfuss sowie Wagram-Experte Gerhard Hintermayer in dessen Gebietsvinothek Weritas. Die Kostnotizen geben die gemeinsame Einschätzung und die gemittelte Wertung der Verkoster wider. Degustiert wurde, wie bei Vinaria üblich, blind (anonym) aus Zalto Universal Gläsern der Denk’Art-Serie.

 

Topliste Wagram gesamt

18,0Weingut Schuster2023 Grüner Veltliner Ried Eisenhut 1ÖTW
18,0Weingut Nimmervoll2023 Riesling Ried Rabengassl
17,9Weingut Wimmer Wagramkeller2023 Grüner Veltliner Reserve Ried Scheiben
17,8Weinhof Thomas Stopfer2023 Grüner Veltliner Steinberg
17,7Weingut Greil2023 Grüner Veltliner Ried Schloßberg
17,7Weingut Nimmervoll2016 Weißburgunder Engilmar
17,6Weinhof Grill 2024 Grüner Veltliner Ried Brunnthal
17,6Urbanihof2023 Grüner Veltliner Alte Reben Wagram DAC Ried Dorner
17,6Weingut Stefan Bauer2022 Weißburgunder Hutzler
17,5Weingut Florian Bauer2021 Weißburgunder Weisser Saphir
17,5Weingut Ecker-Eckhof2024 Roter Veltliner Ried Steinberg
17,5Weingut Ernst2024 Roter Veltliner Steinberg Reserve
17,5Weingut Fritz2023 Roter Veltliner Mordthal 1ÖTW
17,3Weingut Nimmervoll2024 Roter Veltliner Ried Eisenhut
17,2Weingut Ubl-Doschek2023 Grüner Veltliner gr. Reserve Ried Hofstatte
17,2Urbanihof2023 Grüner Veltliner Wagramer Selektion Wagram DAC Ried Brunnthal
17,1Weingut Kolkmann2023 Ried Scheiben Roter Veltliner Reserve
17,0Weingut Stefan und Gabi Bauer2024 Grüner Veltliner Ried Goldberg
17,0Hubert Blauensteiner2024 Grüner Veltliner Halterberg
17,0Weingut Mehofer2024 Roter Veltliner Ried Wadenthal
17,0Weinhof Thomas Stopfer2024 Roter Veltliner Mordthal
17,0Weingut Stefan Bauer2023 Roter Veltliner Ried Hochrain

 

 

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Stefan Bauer, Obmann des Regionalen Weinkomitees Wagram und Topwinzer, ist neben den Klasse-Weinen besonders stolz auf Weintourismus und Bio-Diversität am Wagram sowie auf Kulinarik und exzellente Verkehrsanbindungen. © Weingut Bauer
Wagram Schlossberg © Robert Herbst
Franz, Sonja, Lisa und Jakob Paschinger Urbanihof Familie © Weingut Urbanihof
Für Gregor Nimmervoll war die Vinaria Verkostungs-Premiere Wagram besonders erfolgreich: Gesamtsieger ex aequo, Rieslingsieger und Weißburgunder-Sieger. Er zählt zu den „Wagramer Spitzen“. © Weingut Nimmervoll
Robert Wimmer © Weingut Wimmer
Norbert Greil © Weingut Greil
Paradewinzer Thomas Schuster lieferte ein Kunststück, das selten gelingt: mit seinem 2023 Grünen Veltliner Ried Eisenhut holte er im Herbst den Sieg bei Vinarias GV Premium Degustation, jetzt ex aequo Gesamtsieg bei Best of Wagram. © Julius Hirtzberger
Alexandra und Bernhard Ecker (Weingut Eckhof) © Weingut Eckhof
Josef und Florian Bauer © Thomas Droeszler
Horst jun., Gerhard und Horst sen. Kollkmann © Weingut Kollkmann
© Donau NÖ Barbara Elser
© Doris Schwarz-König